Es ist bald Weihnachten

Kategorie: besinnliche Weihnachtsgedichte

Es ist bald Weihnachten

Nun ist sie da, die schöne Zeit
jetzt wird es Weihnacht, weit und breit
und jedes Kind, es sehnt sich jetzt,
nach dem Weihnachtsmann zum heiligen Fest.
Geschenke wird er ihnen bringen,
wofür sie ihm ein Lied wolln singen.
Mit seinen Gaben süß und fein,
beglückt er die Menschen, groß und klein.
Ach lieber guter Weihnachtsmann,
jetzt schau mich nicht so traurig an.
Wir wolln auch immer an dich glauben
und den Kindern nicht die Hoffnung rauben.
Du bist ein gern gesehener Bote,
in jedem Haus, an jeder Forte,
nur Frieden den du uns sollst bringen,
das will dir einfach nicht gelingen.
Autor: Erhard Günther

Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung

Das Gedicht "Es ist bald Weihnachten" von Erhard Günther entfaltet eine besondere, zweischichtige Wirkung. Zunächst beschwört es mit einfachen, eingängigen Reimen und vertrauten Bildern die klassische Vorfreude auf das Fest - den Weihnachtsmann, Geschenke und singende Kinder. Diese heitere Erwartung wird jedoch in der zweiten Hälfte durch einen unerwarteten, fast melancholischen Ton gebrochen. Die direkte Ansprache an den Weihnachtsmann und die klagende Feststellung, dass er den Frieden nicht bringen kann, verleihen dem Text eine ungewöhnliche Tiefe. Es ist mehr als nur ein Kinderreim; es ist ein kleines, nachdenkliches Stück über die Spannung zwischen kindlichem Wunschdenken und der erwachsenen Erkenntnis einer unvollkommenen Welt.

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Die Interpretation des Gedichts offenbart seinen cleveren Aufbau und seine subtile Botschaft. Die ersten acht Zeilen malen das idealisierte, traditionelle Weihnachtsbild: Eine "schöne Zeit" bricht an, die kindliche Sehnsucht konzentriert sich auf den Gabenbringer, und eine einfache Tauschlogik ("Geschenke" gegen "ein Lied") wird beschrieben. Der Weihnachtsmann erscheint hier als allmächtige, reine Freude verbreitende Figur ("beglückt er die Menschen, groß und klein").

Mit der Zeile "Ach lieber guter Weihnachtsmann" vollzieht sich eine entscheidende Wende. Das lyrische Ich - nun deutlich als erwachsene Stimme erkennbar - wendet sich direkt und persönlich an die Symbolfigur. Die Bitte "schau mich nicht so traurig an" ist zentral. Sie personifiziert den Weihnachtsmann nicht nur, sondern unterstellt ihm selbst eine Traurigkeit, die aus der Diskrepanz zwischen seinem Auftrag und der Realität erwächst. Die folgenden Zeilen sind ein beschwörendes Versprechen der Erwachsenen, den Glauben an die schöne Legende aufrechtzuerhalten, um den Kindern "die Hoffnung nicht zu rauben".

Die letzten vier Zeilen verdichten die Kernaussage. Während der Weihnachtsmann als "gern gesehener Bote" in der materiellen und festlichen Sphäre erfolgreich ist, scheitert er an seiner eigentlich wichtigsten Aufgabe: "nur Frieden den du uns sollst bringen, das will dir einfach nicht gelingen." Dieses "einfach nicht" klingt nach resignativer Feststellung. Das Gedicht endet somit nicht mit einem fröhlichen Ausruf, sondern mit einer stillen, bewegenden Erkenntnis. Es reflektiert die Rolle des Weihnachtsmanns als Tröster und Hoffnungsträger in einer Welt, in der der tiefere Wunsch nach Frieden oft unerfüllt bleibt.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Gedicht erzeugt eine gemischte, nachdenkliche Stimmung. Es beginnt mit einer unbeschwerten, erwartungsvollen und fast nostalgischen Festtagsfreude, die viele Leser unmittelbar an ihre eigene Kindheit erinnert. Diese heitere Grundstimmung wird jedoch ab der Mitte von einer leisen Melancholie und einem Gefühl der Wehmut überlagert. Es entsteht eine Stimmung der liebevollen Besorgnis - die Sorge der Erwachsenen, die Magie der Kindheit zu bewahren, gepaart mit der traurigen Einsicht in die Grenzen dieser Magie. Insgesamt hinterlässt es keinen puren Jubel, sondern ein warmes, aber nachdenkliches Gefühl, das zum Innehalten anregt.

Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?

Dieses Gedicht eignet sich hervorragend für Anlässe, die über die reine Bescherung hinausgehen und Raum für Besinnung bieten. Es ist ein perfekter Beitrag für:

  • Den Heiligabend im Familienkreis, kurz bevor die Geschenke verteilt werden, um eine ruhige, gemeinsame Minute zu schaffen.
  • Weihnachtsfeiern in Schulen oder Kindergärten, insbesondere in Programmen, die auch die Eltern ansprechen möchten.
  • Seniorennachmittage in der Adventszeit, da es sowohl kindliche Erinnerungen weckt als auch lebenserfahrene Reflexion anbietet.
  • Als Einstieg oder Abschluss einer weihnachtlichen Andacht oder eines Gottesdienstes, der das Thema Frieden behandelt.
  • Für persönliche Weihnachtskarten an enge Freunde oder Familie, die man mit einer tiefergehenden Botschaft verbinden möchte.

Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Primär spricht das Gedicht Erwachsene und Jugendliche ab etwa 12 Jahren an, die in der Lage sind, die zweite Bedeutungsebene und die kritische Note zu verstehen. Es ist ideal für Eltern, Großeltern und Pädagogen, die mit Kindern über die "wahre" Bedeutung von Weihnachten sprechen möchten. Zugleich können etwas ältere Kinder (ab 8-9 Jahren) den Text gut verstehen und über die Frage, warum der Weihnachtsmann traurig sein könnte, ins Gespräch kommen. Es ist also ein generationenübergreifendes Werk, das verschiedene Altersgruppen auf unterschiedliche Weise anspricht.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Das Gedicht ist weniger geeignet für reine Kleinkinderfeste, die ausschließlich von unbändiger Vorfreude und reinem Spaß geprägt sein sollen. Die melancholische Unterbrechung könnte hier verunsichern oder schlicht nicht verstanden werden. Ebenso passt es nicht optimal zu einer sehr lustigen oder ausgelassenen Weihnungsparty, da es die Stimmung eher in eine besinnliche Richtung lenkt. Wer einen rein jubelnden, kompromisslos fröhlichen Text sucht, sollte zu einem anderen Gedicht greifen.

Detaillierte Vortrags- und Inszenierungstipps

Um die Wirkung des Gedichts voll zu entfalten, sind Vortrag und Inszenierung entscheidend. Hier finden Sie professionelle Tipps:

  • Stimmlage und Tempo: Beginnen Sie mit einer hellen, freudig-erwartungsvollen Stimme in einem mäßigen Tempo. Ab der direkten Ansprache ("Ach lieber guter...") sollten Sie das Tempo leicht verlangsamen, die Stimme wird wärmer, persönlicher und etwas leiser. Die letzten beiden Zeilen sprechen Sie mit einer ruhigen, fast resignativen Betonung, besonders auf "einfach nicht gelingen".
  • Pausen setzen: Eine bedeutungsvolle Pause nach "traurig an" unterstreicht den Stimmungsbruch. Eine letzte, lange Pause nach dem letzten Wort "gelingen" gibt dem Gedanken Raum zum Nachhallen.
  • Inszenierung mit Kindern: Lassen Sie die ersten beiden Strophen von einem oder mehreren Kindern vortragen. Ab der dritten Strophe übernimmt ein Erwachsener. Dies visualisiert perfekt den Perspektivwechsel im Gedicht.
  • Visuelle Untermalung: Bei einem Vortrag könnten Sie zunächst ein fröhliches Weihnachtsmann-Bild zeigen, das gegen Ende durch ein Bild ersetzt wird, das einen nachdenklichen oder traurigen Weihnachtsmann zeigt - oder ein Symbol für fehlenden Frieden (eine Friedenstaube, eine Weltkugel).
  • Musikalische Begleitung: Ein leises, harmonisches Glockenspiel oder Klavier kann die ersten Strophen begleiten. Zur Wende im Gedicht bricht die Musik ab oder wechselt zu einzelnen, nachdenklichen Akkorden.

Abschließende Empfehlung: Wann genau sollte man dieses Gedicht wählen?

Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie die Weihnachtszeit nicht nur feiern, sondern auch ein wenig hinterfragen und vertiefen möchten. Es ist die ideale Wahl für den Moment, in dem die Hektik des Festes kurz zur Ruhe kommt und Platz für echte Gefühle und Gedanken entsteht. Perfekt ist es am späten Nachmittag oder frühen Abend des Heiligen Abends, wenn die Familie versammelt ist, die Geschenke noch ungeöffnet unter dem Baum liegen und eine Stille einkehrt. In diesem Augenblick spricht das Gedicht sowohl die freudige Erwartung der Kinder als auch die wehmütige, hoffnungsvolle Reflexion der Erwachsenen an und schafft so einen einzigartigen, verbindenden Moment der Besinnung. Es ist kein Gedicht für den lauten Auftakt, sondern für die stille, intensive Mitte Ihrer Weihnachtsfeier.

Mehr besinnliche Weihnachtsgedichte

0.0 von 5 – Wertungen: 0