Wenn die Honigkerze brennt

Kategorie: Weihnachtsgedichte für Kinder

Wenn die Honigkerze brennt

Wenn die Honigkerze brennt
Und ich rieche den Advent,
Öffne ich das erste Tor,
Hol' den Stern aus Stroh hervor.

Steche Butterplätzchen aus,
Freu mich auf den Nikolaus,
Such mein graues Kuscheltier,
Pack es ein in Glanzpapier.

Finde Warten schrecklich schwer,
Staun ins Weihnachtslichtermeer.
Autor: unbekannt

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Das Gedicht "Wenn die Honigkerze brennt" fängt die innere Welt eines Kindes in der Adventszeit mit großer sensorischer Dichte ein. Es ist weniger ein erzählendes Werk als eine dichte Folge von Sinneseindrücken und Handlungen, die den Zauber des Wartens und der Vorbereitung beschwören. Die "Honigkerze" im ersten Vers ist ein besonders einprägsames Bild – sie verweist nicht nur auf den typischen Duft und das warme Licht einer Adventskerze, sondern assoziiert diese unmittelbar mit Süße und Kostbarkeit, als wäre das Licht selbst etwas Essbares und Genussvolles.

Die Handlungen des lyrischen Ichs sind klassische Adventsrituale, die jedoch in einer persönlichen, fast intimen Reihenfolge erscheinen: Das Öffnen des ersten Türchens am Adventskalender, das Hervorholen des Strohsterns, das Ausstechen von Plätzchen. Bemerkenswert ist die Einbeziehung des "grauen Kuscheltiers", das in Glanzpapier eingepackt wird. Diese Zeile deutet auf ein tiefes kindliches Mitgefühl und eine magische Denkweise hin – das Lieblingstier soll nicht ausgeschlossen sein vom Fest, es erhält sein eigenes Geschenk. Dies verleiht dem Gedicht eine einzigartige Note jenseits des kommerziellen Schenkens. Der letzte Zweizeiler fasst die kindliche Gemütslage prägnant zusammen: Die quälende Ungeduld ("schrecklich schwer") und das stille Staunen ("Staun ins Weihnachtslichtermeer") existieren nebeneinander und bilden das charakteristische Gefühlskontinuum der Vorweihnachtszeit ab.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Gedicht erzeugt eine überwiegend nostalgisch-heitere und innige Stimmung, die von staunender Vorfreude durchdrungen ist. Es transportiert den Leser unmittelbar in die Perspektive eines Kindes, für das die kleinen, alltäglichen Vorbereitungen magisch aufgeladen sind. Die Stimmung ist warm, geborgen und von einer freudigen Erwartung geprägt, die sich in konkreten Tätigkeiten wie dem Backen oder Verpacken manifestiert. Gleichzeitig schwingt in der Zeile "Finde Warten schrecklich schwer" eine leichte, gutmütig dargestellte Anspannung mit, die die Vorfreude erst authentisch und nachvollziehbar macht. Der abschließende Blick ins "Lichtermeer" löst diese Anspannung dann in stille Bewunderung und friedvolles Staunen auf.

Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?

Dieses Gedicht ist vielseitig einsetzbar und passt hervorragend zu verschiedenen Gelegenheiten in der Vorweihnachtszeit. Besonders geeignet ist es für:

  • Familienfeiern am Adventswochenende, etwa beim gemeinsamen Plätzchenbacken oder beim Entzünden der Adventskerzen.
  • Eine gemütliche Adventslesung im kleinen Kreis, vielleicht im Kindergarten oder in der Grundschule, wo die beschriebenen Erlebnisse direkt nachvollzogen werden können.
  • Persönliche Weihnachtskarten, insbesondere an Familien mit kleinen Kindern, da es die kindliche Vorfreude so treffend einfängt.
  • Den Einstieg in eine Weihnachtsfeier oder eine besinnliche Runde, um eine stimmungsvolle, persönliche und weniger formelle Atmosphäre zu schaffen.

Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Primär spricht das Gedicht Kinder im Vor- und Grundschulalter (ca. 4-10 Jahre) unmittelbar an, da es ihre eigene Erlebniswelt und ihre Rituale genau widerspiegelt. Die einfache, rhythmische Sprache und die konkreten Bilder sind für diese Altersgruppe perfekt zugänglich. Zweitens eignet es sich ausgezeichnet für Erwachsene, insbesondere Eltern und Großeltern. Für sie wirkt es als Türöffner für schöne Erinnerungen und lässt sie die Adventszeit noch einmal durch die Augen eines Kindes erleben. Es besitzt somit einen generationenübergreifenden Charme.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

  • Für sehr formelle oder theologische Weihnachtsfeiern, wie einen klassischen Gottesdienst am Heiligabend. Hier fehlen die traditionellen christlichen Symbole wie Krippe, Christkind oder die biblische Weihnachtsgeschichte.
  • Für Jugendliche in der Phase der Distanzierung von "kindlichen" Weihnachtstraditionen könnten die beschriebenen, sehr niedlichen und heimeligen Szenen möglicherweise als zu kitschig oder infantil empfunden werden.
  • Für Anlässe, die reine Besinnlichkeit und Stille in den Vordergrund stellen, ist das Gedicht mit seiner aktiven, tätigen Freude vielleicht weniger passend als ein rein meditatives Werk.

Wie lang dauert der Vortrag?

Bei einem natürlichen, gemächlichen und betonten Vorlesevortrag, der die einzelnen Bilder wirken lässt, beträgt die Dauer des Gedichtvortrags etwa 30 bis 40 Sekunden. Sollten Sie es in einen größeren Beitrag einbetten – beispielsweise mit einer kurzen persönlichen Einleitung, die erklärt, warum dieses Gedicht die Adventsstimmung so perfekt trifft – können Sie leicht eine bis anderthalb Minuten füllen. Diese Kürze macht es zu einem idealen, unkomplizierten Beitrag für vollgepackte Weihnachtsfeiern, ohne den zeitlichen Rahmen zu sprengen.

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