Christbaum
Kategorie: schöne Weihnachtsgedichte
Christbaum
Wie schön geschmückt der festliche Raum!Autor: Peter Cornelius
Die Lichter funkeln am Weihnachtsbaum!
O fröhliche Zeit! O seliger Traum!
Die Mutter sitzt in der Kinder Kreis;
nun schweiget alles auf ihr Geheiß:
sie singet des Christkinds Lob und Preis.
Und rings, vom Weihnachtsbaum erhellt,
ist schön in Bildern aufgestellt
des heiligen Buches Palmenwelt.
Die Kinder schauen der Bilder Pracht,
und haben wohl des Singen acht,
das tönt so süß in der Weihenacht!
O glücklicher Kreis im festlichen Raum!
O goldne Lichter am Weihnachtsbaum!
O fröhliche Zeit! O seliger Traum!
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
- Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Wie lang dauert der Vortrag?
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Das Gedicht "Wie schön geschmückt der festliche Raum!" fängt die Essenz eines familiären Weihnachtsabends im 19. Jahrhundert ein und bietet eine dichte, sinnliche Beschreibung. Es beginnt mit einer äußeren Betrachtung: Der festlich geschmückte Raum und der funkelnde Baum stellen das universelle Symbol der Weihnachtszeit dar. Die wiederholten Ausrufe "O fröhliche Zeit! O seliger Traum!" verleihen dem Geschehen eine fast traumhafte, verklärte Qualität, die über die reine Beschreibung hinausgeht.
Im zweiten Vers rückt die Mutter als zentrale, rituelle Figur ins Bild. Ihr gebietet Schweigen, und sie intoniert ein Lied zum Lob des Christkinds. Diese Szene zeigt die Mutter nicht nur in ihrer familiären, sondern auch in einer quasi-liturgischen Rolle als Bewahrerin und Vermittlerin der Weihnachtsbotschaft. Der dritte Vers erweitert den Raum symbolisch: Die vom Baumlicht erhellten Bilder einer "Palmenwelt" aus der Bibel verbinden die heimische Idylle mit der größeren Heilsgeschichte. Die "Palmenwelt" steht hier pars pro toto für die biblische, insbesondere die neutestamentliche Welt.
Der vierte Vers lenkt den Blick auf die Kinder, die staunend zwischen der visuellen Pracht der Bilder und dem süßen Klang des Gesangs hin- und hergerichtet sind. Die "Weihenacht" wird so als ein synästhetisches Erlebnis aus Licht, Bild und Klang erfahrbar. Die abschließende Strophe greift die Anfangszeilen wieder auf, schließt den Kreis und verstärkt durch die Wiederholung das Gefühl der Geborgenheit und des in sich ruhenden, "glücklichen" Moments. Das Gedicht ist somit weniger eine Handlung als vielmehr die Schilderung einer gefühlten Atmosphäre, eines in sich perfekten und zeitlos scheinenden Augenblicks.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Gedicht erzeugt eine überwiegend feierliche, innige und geborgene Stimmung, die von staunender Freude durchzogen ist. Es transportiert ein starkes Gefühl der Ruhe und des in sich geschlossenen Friedens. Die wiederkehrenden Ausrufe ("O fröhliche Zeit!") verleihen der Beschreibung einen enthusiastischen, fast verzückten Unterton. Gleichzeitig wird durch das "schweiget alles" und die konzentrierte Betrachtung der Kinder eine tiefe, andächtige Ruhe etabliert. Es ist die Stimmung eines perfekten, in warmes Licht getauchten Familienmoments, der frei von Hektik oder Alltagssorgen erscheint und somit selbst zu einem "seligen Traum" wird.
Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
Dieses Gedicht eignet sich hervorragend für Anlässe, die auf Besinnlichkeit und familiären Zusammenhalt abzielen. Ideal ist der Vortrag am Heiligabend im Kreis der Familie, unmittelbar vor oder nach der Bescherung, um die Stimmung zu verdichten. Es passt ebenso gut in einen familiären Adventskaffee oder -tee, bei dem man sich Zeit für literarische Beiträge nimmt. Aufgrund seiner bildhaften und andächtigen Sprache könnte es auch als Lesung in einem kleinen, intimen Gottesdienst (z.B. einer Christvesper oder Kinderweihnacht) Verwendung finden. Für eine persönliche Weihnachtskarte an enge Familienmitglieder bietet es einen sehr poetischen und stimmungsvollen Inhalt.
Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Das Gedicht spricht in erster Linie Erwachsene und Senioren an, die den beschriebenen traditionellen, mutterzentrierten Familienablauf entweder aus Erinnerung oder Sehnsucht kennen und die ruhige, reflektierende Sprache schätzen. Durch seine klaren Bilder und den einfachen Satzbau ist es aber auch für Jugendliche gut zugänglich, die einen Einblick in historische Weihnachtsbräuche erhalten möchten. Schulkinder im Grundschulalter können die Szene gut nachvollziehen, besonders wenn die Situation (Lichter, Gesang, Bilder) vor dem Vortrag kurz erläutert wird.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Sehr kleine Kinder im Kindergartenalter: Die Sprache ist für sie zu abstrakt und altmodisch, und es fehlt eine spannende, erzählerische Handlung, die ihre Aufmerksamkeit fesseln könnte.
- Moderne oder nicht-religiöse Weihnachtsfeiern: Das Gedicht ist stark in einer traditionell-christlichen Ikonografie (Christkind, heiliges Buch) und einem spezifisch bürgerlichen Familienbild des 19. Jahrhunderts verankert, was in einem rein säkularen oder sehr modernen Kontext möglicherweise als nicht passend empfunden wird.
- Sehr lebhafte oder gesellige Festrunden, bei denen der Fokus auf Unterhaltung und Gespräch liegt: Die andächtige, ruhige Stimmung des Gedichts könnte hier leicht untergehen oder als Stimmungsbruch wirken.
Wie lang dauert der Vortrag?
Bei einem ruhigen, bedächtigen und betonten Vorlesen, das der feierlichen Stimmung des Textes Rechnung trägt, beträgt die Vortragsdauer etwa 45 bis 60 Sekunden. Ein etwas zügigerer, aber immer noch deutlicher Vortrag ist in etwa 35 bis 40 Sekunden möglich. Für eine planende Einschätzung bei Feiern oder Lesungen sollten Sie daher mit einer Dauer von rund einer Minute rechnen. Diese Zeitspanne macht das Gedicht zu einem idealen, pointierten Beitrag, der nicht zu lange wirkt, aber dennoch genug Raum lässt, um seine atmosphärische Wirkung voll zu entfalten.
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