Das Pferde-Rentier

Kategorie: schöne Weihnachtsgedichte

Das Pferde-Rentier

Es war einmal ein trauriges Pferd
Alle sagten es sei nur noch ein paar Münzen Wert
Einsam und allein stand es da
Ohne Freund und mit zerzaustem Haar
Die Zeit verging und der Sommer verschwand
Kälte und Nässe zog über das Land
Weihnachten war es, man beschenkte sich überall
Doch keiner dachte an das Pferd im Stall
Einsam und allein stand es da
Ohne Freund und mit zerzaustem Haar
Die Zeit verging und der Sommer verschwand
Kälte und Nässe zog über das Land
Weihnachten war es, man beschenkte sich überall
Doch keiner dachte an das Pferd im Stall
Kein extra Sack Hafer, kein Heu und kein Gras
Niemand merkte das man das Pferd wieder vergaß
Da hatte es einen sehnlichen Wunsch
Lieber Weihnachtsmann komm herein
Und lass mich einmal dein Rentier sein
Tief in der Nacht der Wind pfiff laut
Polterte es draußen dass Pferd wachte auf
Das Tor flog auf und es trat heran
Der Weihnachtsmann und sein Rentier-Gespann
Er sprach ich habe deinen Wunsch vernommen
Und bin von sehr weit hergekommen
Für eine Nacht stell ich dich ein
Du sollst mein erstes Pferde-Rentier sein
Und während er es führte in sein Gespann
Eine Pferde-Träne auf den Boden rann
Vergessen waren Trauer und Einsamkeit
Der Weihnachtsmann sprach, nun bist du bereit
Die Schlittenglöckchen laut erklingen
Komm lass uns den Kindern Geschenke bringen
Wir haben diese Nacht noch viel zu tun
Morgen Früh kannst du dich wieder ausruhn
Denn dort im Stall da wartet auf dich
Viel Hafer und Stroh und ein warmes Licht
Mein Freund die Maus wird bei dir sein
Du bist dann nicht mehr im Stall so allein
Und Weihnachten im nächsten Jahr
Wird dein Pferde-Rentier Wunsch vielleicht wieder wahr
Autor: Leo Houben Nohra

Kurze einleitende Zusammenfassung

Das Gedicht "Das Pferde-Rentier" von Leo Houben Nohra erzählt eine berührende Weihnachtsgeschichte, die tief unter die Haut geht. Es verbindet auf einzigartige Weise die Themen Einsamkeit, Vernachlässigung und die Sehnsucht nach Zugehörigkeit mit dem magischen Zauber der Weihnachtsnacht. Die Wirkung entfaltet sich durch den Kontrast zwischen der traurigen Ausgangssituation des Pferdes und seiner wundersamen Erfüllung durch den Weihnachtsmann, was beim Leser oder Zuhörer ein Gefühl der Rührung und warmherzigen Hoffnung hinterlässt. Es ist mehr als nur ein Festtagsgedicht - es ist eine kleine Parabel über Mitgefühl und die Erfüllung selbstloser Wünsche.

Ausführliche Interpretation

Das Gedicht lässt sich in drei klar voneinander abgegrenzte Abschnitte gliedern, die eine emotionale Entwicklung vom Tiefpunkt zur Erlösung nachzeichnen. Die ersten Strophen malen ein Bild tiefer Vernachlässigung. Das Pferd ist nicht nur einsam und wertlos in den Augen der Menschen ("nur noch ein paar Münzen Wert"), sondern wird auch in der freudigsten Zeit des Jahres, an Weihnachten, schmerzhaft vergessen. Die wiederholten Zeilen "Einsam und allein stand es da" und "Doch keiner dachte an das Pferd im Stall" unterstreichen diese ausweglose Situation und schaffen ein Gefühl der Monotonie und Hoffnungslosigkeit.

Die Wende leitet der "sehnliche Wunsch" des Pferdes ein. Bemerkenswert ist hier die Selbstlosigkeit dieses Wunsches: Es bittet nicht um eigene Geschenke, sondern darum, für andere da sein und nützlich werden zu dürfen - "lass mich einmal dein Rentier sein". Dies unterscheidet es fundamental von typischen Wunschlisten und zeigt eine reife Dankbarkeit trotz aller Entbehrungen.

Die Erfüllung durch den Weihnachtsmann ist dann die vollkommene Gegenbewegung zur anfänglichen Vernachlässigung. Der Weihnachtsmann würdigt das Pferd nicht nur, sondern integriert es in seinen heiligen Dienst. Die "Pferde-Träne", die auf den Boden rann, ist das Symbol für die überwältigende Erleichterung und Freude. Die Verheißung des Weihnachtsmanns für die Zeit nach der magischen Nacht - "Viel Hafer und Stroh und ein warmes Licht" sowie die Gesellschaft der Maus - löst das Problem der Einsamkeit nachhaltig. Der letzte Vers öffnet mit der Möglichkeit eines erneuten Einsatzes im nächsten Jahr den Blick in eine hoffnungsvolle Zukunft und macht aus dem einmaligen Wunder eine vielleicht dauerhafte Wandlung.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Die anfängliche Stimmung ist geprägt von Melancholie, Kälte und sozialer Isolation. Man spürt die Nässe des Winters und die Gleichgültigkeit der Menschen. Diese düstere Grundstimmung wandelt sich mit dem Eintreffen des Weihnachtsmanns schlagartig. Es entsteht ein Gefühl des wundersamen Eingreifens, der aufkeimenden Freude und der erlösenden Geborgenheit. Die finale Stimmung ist eine Mischung aus triumphierender Freude über die Rettung des Pferdes, weihnachtlicher Magie durch das Schlittengeläut und einer tiefen, zufriedenen Ruhe, die aus der Verheißung von Freundschaft und Fürsorge resultiert. Insgesamt hinterlässt das Gedicht ein sehr warmes, herzerwärmendes Gefühl.

Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht?

  • Als besonderer Beitrag in der Advents- oder Weihnachtszeit, beispielsweise beim gemütlichen Beisammensein am Adventstreff oder am Heiligabend.
  • In pädagogischen Kontexten wie im Kindergarten oder Grundschulunterricht, um Themen wie Mitgefühl, Fürsorge für Tiere und die wahre Bedeutung des Schenkens zu besprechen.
  • Bei Weihnachtsfeiern von Tierheimen oder Tierschutzorganisationen, da es die Perspektive eines vernachlässigten Tieres einfühlsam einnimmt.
  • Als eine Art modernes, erzählendes Märchen zur Einstimmung auf das Fest, das über die reine Kommerzialisierung hinausweist.
  • Für eine ruhige, besinnliche Phase zwischen all der Hektik der Vorweihnachtszeit, um inne zu halten.

Für wen eignet sich das Gedicht?

Das Gedicht spricht in erster Linie Kinder im Vor- und Grundschulalter (etwa 4 bis 10 Jahre) an. Die klare Bildsprache, das wiedererkennbare Motiv des Weihnachtsmanns und die einfache, aber berührende Geschichte fesseln diese Altersgruppe. Darüber hinaus eignet es sich aber auch ausgezeichnet für Familien, die gemeinsam eine Geschichte erleben möchten, sowie für alle erwachsenen Leser, die ein Herz für einfühlsame, nicht-kitschige Weihnachtsliteratur haben. Pädagogen und Erzieher finden in dem Text einen wertvollen Gesprächsanlass.

Für wen eignet es sich weniger?

Für ein Publikum, das ausschließlich an traditioneller, hochliterarischer oder religiöser Weihnachtslyrik interessiert ist, könnte das Gedicht zu sehr der Gattung der erzählenden Kindergeschichte zuneigen. Menschen, die in der Weihnachtszeit ausschließlich fröhliche, beschwingte und humorvolle Texte schätzen, könnten die anfängliche traurige Note als zu schwer empfinden. Ebenso ist es für sehr kleine Kinder unter drei Jahren aufgrund der Länge und der komplexeren emotionalen Zwischentöne möglicherweise noch nicht vollständig zugänglich.

Vortrags- und Inszenierungstipps

Ein gelungener Vortrag lebt von der deutlichen Kontrastierung der beiden Stimmungswelten. Lesen Sie die ersten Teile mit einer langsamen, bedächtigen und etwas dunkleren Stimme. Betonen Sie die Wiederholungen leicht, um die Monotonie des Elends zu unterstreichen. Bei der Schilderung des Wunsches und des Eintreffens des Weihnachtsmanns sollte die Stimme an Klarheit und Leichtigkeit gewinnen. Die direkte Rede des Weihnachtsmanns darf mit einer tiefen, warmen und zuversichtlichen Tonlage gesprochen werden.

Für eine Inszenierung bieten sich an: Ein leichtes Glockengeläut (mit kleinen Schellen) beim Einzug des Rentiergespanns. Die Stelle "Der Wind pfiff laut" kann mit einem leisen Pfehton oder einem Blasinstrument untermalt werden. Ein einfaches Rollenspiel mit einem Kind als Pferd und einem Vorleser als Weihnachtsmann macht die Geschichte lebendig. Wichtig ist, den Fokus auf die tränenerlösende Freude und nicht auf das anfängliche Leid zu legen, damit der Zauber der Rettung im Vordergrund steht.

Abschließende Empfehlung

Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie die Weihnachtszeit mit einer Geschichte bereichern möchten, die über das rein Äußerliche hinausgeht. Es ist die perfekte Wahl für einen Moment der Besinnlichkeit, in dem Sie Ihren Zuhörern - ob jung oder alt - eine Botschaft von Hoffnung, unerwarteter Rettung und der Kraft eines selbstlosen Wunsches vermitteln wollen. Besonders geeignet ist es am Heiligabend, nachdem die Geschenke ausgepackt sind und eine ruhigere, nachdenklichere Stimmung einkehrt. "Das Pferde-Rentier" verwandelt diesen Moment in eine berührende Erinnerung daran, dass das größte Geschenk oft Zugehörigkeit und ein warmes Herz sind.

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