Der Tannenbaum
Kategorie: schöne Weihnachtsgedichte
Der Tannenbaum
Im Walde steht ein TannenbaumAutor: Georg Christian Dieffenbach
Mit Nadeln spitz und fein.
Damit näht sich der Distelfink
Sein buntes Röckelein.
Er stehet da, so kerzengrad',
Und grün ist stets sein Kleid,
Im Frühling und im Sommer wohl
Und auch zur Winterzeit.
Christkindlein schickt durch Schnee und Eis
Knecht Ruprecht dann hinaus.
Der schneidet ab den Tannenbaum
Und nimmt ihn mit nach Haus'.
Christkindlein hängt mit zarter Hand
Viel' Nüss' und Äpfel dran,
Und Lichtlein steckt's auf jeden Zweig,
Dazu auch Marzipan.
Und kommt die liebe Weihnachtszeit,
Dann klingelt die Mama. -
Wie steht der grüne Tannenbaum
So bunt und helle da!
Du Tannenbaum im dunklen Wald,
Bald wirst du abgestutzt.
Drum freue dich, dann wirst du auch
Gar herrlich aufgeputzt.
- Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
- Biografischer Kontext
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
- Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Vortrags- und Inszenierungstipps
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
Georg Christian Dieffenbachs Gedicht "Der Tannenbaum" entfaltet eine unmittelbar herzerwärmende Wirkung. Es erzählt in einfachen, klaren Bildern den gesamten Lebensweg eines Weihnachtsbaumes - von seiner natürlichen Existenz im Wald bis hin zu seiner festlichen Verzierung im heimischen Wohnzimmer. Diese Erzählung verbindet auf bezaubernde Weise die Natur mit der häuslichen Weihnachtsfreude und schafft so ein Gefühl von Erwartung, Wunder und besinnlicher Vorfreude. Der Text wirkt nicht nur beschreibend, sondern schafft eine emotionale Brücke zwischen der unbelebten Pflanze und dem menschlichen Fest.
Biografischer Kontext
Georg Christian Dieffenbach (1822-1901) war ein deutscher Pfarrer, Pädagoge und Schriftsteller, der vor allem für seine Kinder- und Jugendlyrik bekannt wurde. Sein literaturgeschichtlicher Beitrag liegt weniger in avantgardistischer Poesie, sondern vielmehr in der volkstümlichen, pädagogisch wertvollen Dichtung des 19. Jahrhunderts. Als Pfarrer lag ihm die moralische und religiöse Erziehung junger Menschen am Herzen, was sich in vielen seiner Werke widerspiegelt. "Der Tannenbaum" ist ein typisches Beispiel für seine zugängliche, bildhafte Sprache, die Naturbeobachtungen mit christlich geprägter Festfreude verbindet und so generationenübergreifend verständlich bleibt.
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Dieffenbachs Gedicht gliedert sich in zwei deutlich unterscheidbare Teile, die den Schicksalswandel des Baumes markieren. Die ersten beiden Strophen porträtieren den Tannenbaum in seinem natürlichen, wilden Lebensraum. Er wird als fester, beständiger Teil des Waldes gezeichnet ("kerzengrad'", "grün ist stets sein Kleid"), der sogar Tieren wie dem Distelfink als nützliche Ressource dient. Diese Darstellung verleiht dem Baum eine eigene Würde und Identität.
Mit der dritten Strophe setzt der entscheidende Wendepunkt ein: Das Christkind und Knecht Ruprecht greifen in das Schicksal des Baumes ein. Interessant ist die Rollenverteilung: Nicht der gefürchtete Ruprecht handelt aus eigenem Antrieb, sondern er wird vom gütigen Christkind ausgesandt. Der Baum wird also nicht einfach "geerntet", sondern für einen höheren, festlichen Zweck auserwählt. Die folgenden Strophen beschreiben dann die Verwandlung vom Waldgewächs zum Festobjekt. Die zarte Hand des Christkindes und die mütterliche Geste des Klingelns ("dann klingelt die Mama") betonen den familiären, liebevollen und sorgsamen Charakter dieser Verzierung. Die abschließende Strophe wendet sich direkt an den Baum und offenbart die zugrundeliegende Botschaft: Der scheinbar harte Einschnitt ("abgestutzt") ist in Wahrheit der Beginn einer "herrlichen" Verklärung. Das Gedicht interpretiert so den Weihnachtsbrauch als eine Geschichte von Berufung und freudiger Verwandlung.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das lyrische Werk erzeugt eine durchweg positive, sanft erregte Stimmung. Es beginnt mit einer ruhigen, fast andächtigen Naturbetrachtung, die ein Gefühl von Beständigkeit und friedvoller Ordnung vermittelt. Darauf baut sich eine Spannung der freudigen Erwartung auf, die mit dem Auftritt von Christkindlein und Knecht Ruprecht einsetzt. Die Stimmung schwingt dann um in helle, kindliche Vorfreude und mündet schließlich in staunende Bewunderung für den festlich geschmückten Baum. Ein leiser Unterton von Wehmut ("Du Tannenbaum im dunklen Wald, / Bald wirst du abgestutzt") wird sofort durch den verheißungsvollen Ausblick auf die kommende Pracht überstrahlt. Insgesamt dominiert ein warmes, geborgenes und wundererfülltes Gefühl, das den Zauber der Weihnachtszeit perfekt einfängt.
Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
Dieses Gedicht ist ein vielseitig einsetzbarer Begleiter durch die Advents- und Weihnachtszeit. Besonders passend ist es:
- Als festlicher Beitrag beim Schmücken des eigenen Weihnachtsbaumes, um dem Ritual eine poetische Tiefe zu verleihen.
- In der Adventszeit in Familien mit Kindern, um die Vorfreude zu nähren und die Herkunft des Baumes zu erklären.
- Bei kleinen Weihnachtsfeiern in Kindergärten, Grundschulen oder Seniorenkreisen, wo sein verständlicher und bildhafter Text generationenverbindend wirkt.
- Als Eröffnung oder Abschluss einer weihnachtlichen Andacht oder eines Gottesdienstes, besonders in eher familiär geprägten Gemeinden.
- Für ein weihnachtliches Vorlese- oder Rezitationsprogramm, da es eine in sich abgeschlossene, positive Geschichte erzählt.
Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Die primäre Zielgruppe sind Kinder im Vor- und Grundschulalter (etwa 4 bis 10 Jahre). Der einfache Satzbau, der wiederkehrende Rhythmus und die anschaulichen Bilder wie der "Distelfink" mit seinem "bunten Röckelein" oder der "Marzipan" sprechen diese Altersgruppe direkt an. Darüber hinaus eignet sich das Gedicht aber auch ausgezeichnet für die gemeinsame Lektüre in der Familie, sodass Eltern und Großeltern es gemeinsam mit den Jüngeren entdecken können. Selbst für erwachsene Liebhaber traditioneller Weihnachtslyrik bietet es einen charmanten, nostalgischen Zugang zum Fest.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Weniger geeignet ist das Gedicht für Leser oder Zuhörer, die eine kritische, moderne oder säkulare Betrachtung der Weihnachtstradition suchen. Wer nach komplexer Metaphorik, gesellschaftskritischen Untertönen oder avantgardistischer Sprache sucht, wird hier nicht fündig. Ebenso könnte die stark idealisierte, heile Welt (mit Christkind, Knecht Ruprecht und der klingelnden Mama) auf Menschen, die mit Weihnachten negative Erinnerungen verbinden oder die Kommerzialisierung des Festes betrachten wollen, als zu simpel oder verklärt wirken. Für einen rein literarisch-analytischen Vortrag ohne Bezug zum Festkontext bietet es ebenfalls nur begrenztes Material.
Vortrags- und Inszenierungstipps
Um "Der Tannenbaum" lebendig werden zu lassen, empfehlen sich folgende Ideen:
- Stimmlage und Tempo: Beginnen Sie mit einer ruhigen, erzählenden Stimme für die Wald-Strophen. Steigern Sie das Tempo und die Spannung leicht bei der Ankunft von Knecht Ruprecht. Bei der Beschreibung des Schmückens und des fertigen Baumes sollte die Stimme warm, freudig und ein wenig staunend klingen.
- Pantomimische Untermalung: Besonders für Kinder kann man das Gedicht mit einfachen Gesten begleiten: das "Stehen" des Baumes, das "Schneiden" mit der Axt, das "Hängen" der Äpfel und das "Stecken" der Lichter.
- Visuelle Unterstützung: Zeigen Sie während des Vortrags passende Bilder: einen winterlichen Wald, einen Distelfink, einen geschmückten Tannenbaum. Noch besser ist ein kleiner, sich mit dem Gedicht verwandelnder Tischschmuck: Ein einfacher Tannenzweig wird nach und nach mit kleinen (Attrappen-)Äpfeln, Nüssen und LED-Lichtern geschmückt.
- Einsatz von Geräuschen: Ein sanftes Glockenklingeln ("dann klingelt die Mama") kann mit einem kleinen Glöckchen effektvoll untermalt werden.
- Gemeinsames Sprechen: Die letzte Strophe eignet sich gut dafür, dass alle Zuhörer sie gemeinsam aufsagen, besonders der letzte, freudige Vers "Gar herrlich aufgeputzt".
Abschließende Empfehlung
Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie den Moment der Weihnachtsbaum-Schmückung zu einem besonderen, bewussten Erlebnis machen möchten. Es ist der perfekte poetische Begleiter für den Abend, an dem der Baum sein festliches Kleid erhält. Lesen Sie es vor, während die ersten Kugeln aufgehängt werden, oder direkt davor, um die Spannung zu steigern. Es verwandelt eine alljährliche Routine in eine kleine, erzählte Zeremonie, die Kindern den Sinn des Brauches erklärt und bei Erwachsenen schöne Erinnerungen wachruft. In seiner schlichten, unprätentiösen Art ist es ein Garant für ein authentisches, herzliches Weihnachtsgefühl.
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