Am Heilig Abend Nachmittag

Kategorie: schöne Weihnachtsgedichte

Am Heilig Abend Nachmittag

Es schneit, es schneit,
es schneit zur Weihnachtszeit,
Die Kinder wollen Schlitten ziehen,
mit den Schiern sich abmühen,
wie in allen Jahren,
Ski und Schlitten fahren,
am Heilig Abend Nachmittag,
damit das Christkind kommen mag.

Es friert zu Eis,
es friert der See zu Eis,
die Kinder wollen Schlittschuh laufen
übers Eis und ohne Pausen,
Pirouetten drehen,
springen, tanzen, schweben,
am Heilig Abend Nachmittag,
was ihnen sehr am Herzen lag.

Der Wind ist still,
weil er nicht wehen will,
die Glocken läuten von der Kirche,
wo die Kinder-Krippenspiele
unser Herz berühren,
die Botschaft inszenieren,
am Heilig Abend Nachmittag,
wo’s Christkind in der Krippe lag.
Autor: Brigitte Waldner

Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung

Das Gedicht "Am Heilig Abend Nachmittag" von Brigitte Waldner entfaltet eine unmittelbar bezaubernde Wirkung. Es fängt die freudige, erwartungsvolle Atmosphäre des letzten Tages vor Weihnachten ein, bevor die eigentliche Bescherung beginnt. Durch die lebhaften Bilder vom Schlittenfahren, Schlittschuhlaufen und den Glockenklängen gelingt es dem Text, den Leser oder Zuhörer direkt in diese besondere Zeit hineinzuversetzen. Die Wirkung ist eine Mischung aus nostalgischer Wärme, kindlicher Vorfreude und der stillen Andacht, die den Heiligen Abend umgibt.

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Brigitte Waldners Gedicht baut sich in drei klar abgegrenzten Strophen auf, die jeweils einen spezifischen Aspekt des Heiligabend-Nachmittags beleuchten und dabei eine subtile Steigerung vollziehen. Die erste Strophe ist der unbändigen Bewegung und Aktivität gewidmet. Das wiederholte "Es schneit" setzt nicht nur die winterliche Kulisse, sondern unterstreicht auch den traditionellen Charakter ("wie in allen Jahren"). Die spielerische "Abmühung" der Kinder ist kein negativer Begriff, sondern beschreibt die freudige Hingabe an das winterliche Vergnügen. Interessant ist die Begründung dieser Aktivität: Sie geschieht, "damit das Christkind kommen mag". Hier schimmert der volkstümliche Glaube durch, dass durch das gute, ausgelassene Tun der Kinder der Weg für das Wunder bereitet wird.

Die zweite Strophe intensiviert dieses Bild. Aus dem Schnee wird Eis ("Es friert zu Eis"), die Bewegung wird eleganter und künstlerischer ("Pirouetten drehen, springen, tanzen, schweben"). Die Aktivität ist nicht mehr nur Spiel, sondern gleicht bereits einem festlichen Tanz auf der zugefrorenen Bühne der Natur. Dieses Tun liegt den Kindern "sehr am Herzen", was die tiefe emotionale Verbindung und den ernsthaften Eifer hinter dem Spiel betont.

Den kontemplativen Höhepunkt bildet die dritte Strophe. Die Natur wird still ("Der Wind ist still"), und die menschlich geschaffenen Klänge und Rituale treten in den Vordergrund: das Läuten der Kirchenglocken und das Krippenspiel. Diese Inszenierung "berührt" das Herz und führt die eigentliche Botschaft des Tages ein. Die letzte Zeile "wo’s Christkind in der Krippe lag" bringt die vorangegangene kindliche Erwartung ("damit das Christkind kommen mag") zur Erfüllung und verankert die gesamte ausgelassene Vorfreude fest im christlichen Weihnachtswunder. Der Nachmittag mündet somit organisch in den heiligen Abend.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Gedicht erzeugt eine vielschichtige, überwiegend heitere und warme Stimmung. Im Vordergrund steht die unbeschwerte Vorfreude und ausgelassene Aktivität von Kindern im Schnee. Darunter legt sich ein behagliches Gefühl von Tradition und vertrauten Ritualen ("wie in allen Jahren"). Die zweite Strophe vermittelt zusätzlich eine Leichtigkeit und Anmut, fast schon eine feierliche Vorbereitung. Schließlich mündet die Stimmung in der dritten Strophe in eine ruhige, andächtige und herzerwärmende Atmosphäre, die von Glockenklang und der weihnachtlichen Botschaft geprägt ist. Insgesamt ist es eine Stimmung der gespannten, freudigen Erwartung, die in stille Besinnlichkeit übergeht.

Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?

Dieses Gedicht ist ein perfekter Begleiter für verschiedene weihnachtliche Anlässe. Es eignet sich hervorragend für die Gestaltung des Heiligabends selbst, etwa als Einstimmung vor dem Gottesdienstbesuch oder der Bescherung. In der Schule, im Kindergarten oder im Kinderchor kann es als Textgrundlage für kleine Aufführungen oder zum gemeinsamen Vortragen dienen. Für den literarischen Adventskalender ist es eine schöne Türchen-Füllung am 24. Dezember. Auch in Familienkreisen, bei der Weihnachtsfeier im Vereinsheim oder als festliche Darbietung im Seniorenheim entfaltet es seine besondere, generationsverbindende Wirkung.

Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Primär spricht das Gedicht durch seinen Inhalt und seinen einfachen, eingängigen Rhythmus Kinder im Vor- und Grundschulalter an. Sie können die beschriebenen Aktivitäten direkt nachvollziehen. Es ist jedoch keineswegs auf diese Altersgruppe beschränkt. Durch die liebevolle, nostalgische Darstellung einer "heilen" Weihnachtswelt spricht es auch Erwachsene an, die sich an ihre eigene Kindheit erinnern oder diese Stimmung an die nächste Generation weitergeben möchten. Es ist somit ein ideales Gedicht für die ganze Familie, das Jung und Alt gemeinsam genießen können.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Leser, die nach hochkomplexer, moderner oder kritisch-reflektierender Weihnachtslyrik suchen, werden hier nicht fündig. Das Gedicht verzichtet bewusst auf Ambivalenz oder tiefgründige Metaphorik. Es ist in einer klaren, traditionellen und idyllischen Sprache gehalten. Wer also eine dezidiert nicht-christliche, avantgardistische oder sozialkritische Perspektive auf das Fest sucht, sollte zu anderen Texten greifen. Ebenso könnte es für sehr nüchterne, rein rationale Menschen möglicherweise als zu sentimental oder kitschig empfunden werden.

Vortrags- und Inszenierungstipps

Für einen fesselnden Vortrag sollten Sie die Dynamik der drei Strophen nutzen. Beginnen Sie lebhaft und beschwingt, mit einem Tempo, das das Schlittenfahren widerspiegelt. Bei der zweiten Strophe können Sie die Stimme etwas weicher und gleitender werden lassen, um das Tanzen und Schweben auf dem Eis klanglich umzusetzen. Die dritte Strophe verlangt nach einem ruhigen, getragenen und andächtigen Tonfall. Eine deutliche, aber nicht übertriebene Pause zwischen den Strophen unterstreicht den Übergang von Aktivität zu Stille.

Für eine Inszenierung mit Kindern bieten sich folgende Ideen an: Die erste Strophe kann mit Bewegungen (Schlittenziehen, Skifahren) pantomimisch dargestellt werden. Zur zweiten Strophe lassen sich einfache tänzerische Drehungen und Sprünge ausführen. Während der dritten Strophe könnten die Kinder wie erstarrt dastehen, um die Stille zu symbolisieren, oder mit den Händen das Läuten von Glocken imitieren. Eine stimmungsvolle Untermalung mit leisen Glöckchenklängen oder Hintergrundmusik wie "Am Brunnen vor dem Tore" kann die Wirkung abrunden. Eine einfache Kostümierung mit Mützen und Schals reicht völlig aus.

Abschließende Empfehlung

Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie die unverfälschte, freudig-anderfüllte Vorfreude auf den Heiligen Abend in Worte fassen möchten. Es ist der ideale Text, um den Nachmittag des 24. Dezembers bewusst zu gestalten und eine Brücke zu schlagen zwischen der ausgelassenen Spielfreude der Kinder und der besinnlichen Tiefe des Weihnachtsfestes. Ob allein, in der Familie oder in einer Gemeinschaft - Brigitte Waldners Verse sind eine Einladung, innezuhalten und die magischen Stunden vor der Bescherung in ihrer ganzen traditionellen Schönheit zu würdigen und zu genießen.

Mehr schöne Weihnachtsgedichte

1.7 von 5 – Wertungen: 6