Bereite dem Heiland ein Krippchen
Kategorie: Adventsgedichte
Bereite dem Heiland ein Krippchen
Gegrüßt, du heiliger Advent,Autor: Adolf Kolbing
Den jeder Christ willkommen nennt,
Der uns gemahnt an jenen großen Tag,
An dem sein "Ave" einst der Engel sprach,
Und an den größern nach, an dem,
Um zu erheben uns vom Falle,
Geboren ward im rauen Stalle,
Ein Kindlein einst in Bethlehem.
Das liebe Kind - es will auf Erden
Noch immer gern geboren werden:
Im Menschenherzen, fromm und rein,
Da kehrt es gern für immer ein.
Doch willst du fest es darin halten,
Darf deine Liebe nicht erkalten;
Ein Krippchen musst du ihm bereiten,
Drin gern es weilt für alle Zeiten.
Hinein musst du vor allen Dingen
Als schlichtes Stroh - die Demut bringen,
Als Bettchen - Dank für Gottes Huld,
Als Kissen - Sanftmut und Geduld,
So wird das Krippchen wohl gelingen.
Als Leinen nimmst du Reinigkeit
Und Wahrheit und Gerechtigkeit,
Als Decke festes Gottvertrauen.
Und um das Krippchen recht zu schmücken,
Musst du die schönsten Blumen pflücken,
Die an dem Fuß des Kreuzes blühn,
Gehorsam, Liebe, die verzeiht,
Wohltun, Gebet, Enthaltsamkeit,
Um alle musst du dich bemühn.
Dann aber darfst du darauf bauen,
Dass sicher auch das liebe Kind
In deinem Krippchen gern verweilet
Und mit den Händchen, sanft und lind,
Des Herzens tiefste Wunde heilet.
Drum wohl dem, welcher frisch beginnt,
Wär’s ihm zuerst auch unbequem,
Er hat ja alles, wer gewinnt
Das süße Kind von Bethlehem!
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
- Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Wie lang dauert der Vortrag?
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Das Gedicht "Gegrüßt, du heiliger Advent" ist weit mehr als eine schlichte Weihnachtslyrik. Es stellt eine tiefgründige spirituelle Anleitung dar, die den Advent als Zeit der inneren Vorbereitung deutet. Der erste Abschnitt verknüpft klassisch die Erinnerung an die Verkündigung und Geburt Jesu. Der innovative Kern beginnt mit der Zeile "Das liebe Kind - es will auf Erden / Noch immer gern geboren werden". Hier vollzieht sich ein bemerkenswerter Perspektivwechsel: Die historische Geburt in Bethlehem wird zum Modell für einen immerwährenden, innerlichen Vorgang im Herzen des gläubigen Menschen.
Das Gedicht entfaltet dann eine detaillierte, metaphorische Bauanleitung für eine seelische Krippe. Jedes benötigte Material entspricht einer christlichen Tugend: Demut als Stroh, Dankbarkeit als Bettchen, Sanftmut und Geduld als Kissen. Diese sehr konkreten Bilder machen abstrakte theologische Konzepte begreifbar. Die "schönsten Blumen", die am Fuß des Kreuzes gepflückt werden müssen, verbinden zudem das Weihnachtsgeheimnis unmittelbar mit dem Ostergeschehen. Die versprochene Belohnung ist keine äußerliche, sondern die innere Heilung: "Des Herzens tiefste Wunde heilet". Das Gedicht schließt mit einem aufmunternden Appell, den innerlichen Weg trotz anfänglicher Widerstände ("unbequem") zu beginnen, da er zum wahren Gewinn führt.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Werk erzeugt eine vorwiegend nachdenkliche und innige Stimmung, die von einem zarten Trost und hoffnungsvollen Ernst durchdrungen ist. Es ist kein ausgelassen fröhliches, sondern ein besinnliches Gedicht, das zur Reflexion einlädt. Die Sprache ist warm und einladend ("Das liebe Kind"), behält aber durch die präzisen Aufforderungen zur Selbstprüfung ("Darf deine Liebe nicht erkalten") eine gewisse Eindringlichkeit. Die abschließende Verheißung der Heilung und des Gewinns verleiht der gesamten Betrachtung einen unterlegten, freudigen Grundton, der jedoch stets in der Tiefe der Betrachtung verwurzelt bleibt.
Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?
Dieses Gedicht ist besonders passend für Anlässe, die der geistigen Vorbereitung auf Weihnachten dienen. Seine ideale Verwendung findet es:
- In Adventsandachten oder besinnlichen Momenten während der Adventszeit.
- Als Impuls oder Meditationstext in einem Gottesdienst am ersten Advent, der oft das Thema "Wachet und betet" trägt.
- Für den privaten Adventskreis oder eine stille Kaffeerunde, bei der über die Bedeutung der Weihnachtszeit gesprochen wird.
- Als anspruchsvoller Text in einer Weihnachtskarte an Menschen, mit denen Sie spirituelle Gedanken teilen.
- Als Grundlage für eine Katechese oder einen Religionsunterricht mit Jugendlichen oder Erwachsenen zur Deutung der Adventszeit.
Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Das Gedicht spricht in erster Linie Erwachsene und religiös interessierte Jugendliche ab etwa 14 Jahren an. Die Fähigkeit, die komplexen metaphorischen Gleichnisse (die Krippe als Herz, Tugenden als Materialien) zu entschlüsseln und auf das eigene Leben zu beziehen, setzt eine gewisse Reife und spirituelle Reflexionsfähigkeit voraus. Auch Senioren schätzen oft diese Art von tiefgründiger, traditionell verankerter und tröstlicher Lyrik, die über die reine Weihnachtsidylle hinausgeht.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Für kleinere Kinder im Vorschul- und Grundschulalter: Die Sprache ist zu abstrakt und bildhaft. Es fehlt eine einfache, erzählerische Handlung von Maria, Josef und dem Kind, die für diese Altersgruppe fassbar wäre. Die Aufforderung zur inneren Selbstprüfung überfordert jüngere Zuhörer in der Regel.
- Für rein weltliche oder sehr traditionell-unterhaltsame Weihnachtsfeiern, bei denen es primär um Geselligkeit, festliche Lieder und das Erzählen der Weihnachtsgeschichte geht. Das Gedicht hat einen eindeutig kontemplativen und frommen Charakter, der in einem nicht-religiösen Kontext möglicherweise als zu schwer oder themenfremd empfunden wird.
Wie lang dauert der Vortrag?
Bei einem bedächtigen, deutlichen und gefühlvollen Vortrag beträgt die Dauer des Gedichts etwa eineinhalb bis zwei Minuten. Diese Zeitspanne ist ideal, um es als pointierten Mittelpunkt einer kurzen Andacht oder als besinnlichen Impuls innerhalb einer Feier einzusetzen. Planen Sie für eine Lesung mit einer kurzen einleitenden Erläuterung zu Herkunft oder Bedeutung ruhig insgesamt drei bis vier Minuten ein. So vermeiden Sie es, das Gedicht zu überhasten und geben den Zuhörern Gelegenheit, den reichen Bildern und Gedanken nachzuspüren.
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