Mei Rundgang aufn Christkindlmarkt

Kategorie: Adventsgedichte

Mei Rundgang aufn Christkindlmarkt

Na ja, es war wie fast jedes Joa
i was net wias bei eich so war
für mi net des woare, des war ma kloa

a Massngedränge u. alls vü zu teia
wie olle Joar so war’s a heia
u. trotzdem hob i konsumiert
was zu folgendem geführt:

a gfüda Erdäpfel mhhh -des war jetzt klass
u. glei danach an klanan Punsch
des war für’s erste so mei Wunsch

und nochha sog’ ma so zum Vadaun
kennt i ja no zum Schnapsstandl schaun

denn des is schließlich jedem kloar,
dass des ja erst der Anfang woar

a klans Schnapserln des kann do net schodn
sovül wird jeder Arzt dir rodn

und schau - ma gönnt sich ja sowieso nix
da reift a Gedankn , des heißt er is schon fix

a Punsch, vielleicht a andre Sort’n
oder sollt i do no woart’n
und vurher eventuell was Siases ?

Gesagt, getan - ans nexte Standl nix wie ran
a Schaumrolln - jo des war a Traum
so frisch u. lecker mit dem Schaum

na hoffentlich schaut niemand her
weil des ja fast scho peinlich wär

jetzt glaub i sollt i a bisserl gehn
so zum verdaun, des wean’s verstehn
dabei kennt i ja glei dran denkn
was wer i heia denn verschenk’n
i grübl also, geh so herum, bis i zu de Standl’n kum...

zum Teufl i kann mi goa net konzentrier’n
des kann jetzt net woar sei - da muaß i mi irrn
i g’spiers im Magn liegts ma ganz schwer
na e kloar, jetzt hob is - a Schnapserl muass her

oba wia a jeda was tuat z’vül Alkohol
dem Magerl allane a net so wohl
i solltat a Klanigkeit do no essen u. die Kerznstandl vergessn
doch vurher hätt i no an Wunsch ....
gens bitte a Tassn vom neich’n Punsch....
Autor: Sylvia Seidl

Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung

Das Gedicht "Mei Rundgang aufn Christkindlmarkt" von Sylvia Seidl wirkt wie ein heiterer, selbstironischer Monolog, der den Leser unmittelbar in die besinnlich-ausgelassene Atmosphäre eines Weihnachtsmarktes entführt. Mit seinem authentischen, in bayerischem Dialekt verfassten Text schafft es eine unverwechselbare Nähe und erzeugt ein Gefühl von Vertrautheit und Schmunzeln. Es zeichnet den inneren Kampf zwischen gutem Vorsatz und genußvoller Versuchung nach, was bei jedem, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat, sofortige Sympathie und Wiedererkennung auslöst. Die Wirkung ist weniger pathetisch als vielmehr charmant und menschlich, was den besonderen Reiz dieses modernen Weihnachtsgedichts ausmacht.

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Das Gedicht erzählt in einer lockeren, reimenden Erzählform den typischen Rundgang eines Marktbesuchers, der sich eigentlich kritisch über das "Massngedränge" und die Preise ("alls vü zu teia") äußert, dann aber doch den Verlockungen erliegt. Es handelt sich um eine humorvolle Studie menschlicher Schwäche im Angesicht festlicher Köstlichkeiten. Der Sprecher beginnt mit gebratenen Kartoffeln ("gfüda Erdäpfel") und einem Punsch, rechtfertigt dann aber den anschließenden Besuch am "Schnapsstandl" mit scheinbar rationalen Argumenten ("sovül wird jeder Arzt dir rodn").

Die innere Zerrissenheit zwischen Genuss und schlechtem Gewissen bildet den roten Faden. Nach einem süßen Zwischenstopp ("Schaumrolln") und dem schlechten Gewissen ("na hoffentlich schaut niemand her") versucht der Erzähler, sich mit dem Gedanken an Geschenke abzulenken, scheitert jedoch kläglich an den körperlichen Signalen ("i g'spiers im Magn"). Die vermeintliche Lösung ist stets die nächste kulinarische oder alkoholische Stärkung, was in einem circulus vitiosus endet. Die letzte Zeile ist ein geniales Schlussbild: Selbst nach all dem Überdruss bleibt der Wunsch nach einer "Tassn vom neich'n Punsch" bestehen. Das Gedicht ist somit keine Verherrlichung, sondern eine liebevolle Persiflage auf das Konsumritual Weihnachtsmarkt, bei dem der Weg das Ziel und die innere Rechtfertigung ein fester Bestandteil des Vergnügens ist.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Die vorherrschende Stimmung ist eine Mischung aus heiterer Gelassenheit, selbstkritischem Humor und gemütlicher Vorfreude auf die Festtage. Durch den Dialekt entsteht eine warme, regionale und ungekünstelte Atmosphäre. Der Leser fühlt sich, als stünde er neben dem Erzähler und lauschte seinen amüsierten Gedanken. Es ist keine feierlich-andächtige Weihnachtsstimmung, sondern eine sehr irdische, gesellige und lebensnahe Stimmung, die die kleinen menschlichen Schwächen zelebriert, anstatt sie zu verdammen. Ein leichtes Schmunzeln und das Gefühl, "genauso ist es!" begleiten die Lektüre.

Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?

Dieses Gedicht ist ein perfekter Begleiter für zahlreiche gesellige Anlässe in der Adventszeit. Es eignet sich hervorragend zum Vorlesen auf privaten Weihnachtsfeiern, bei Vereinstreffen oder auf geselligen Abenden im Freundeskreis, die im Zeichen der Vorweihnachtszeit stehen. Auf einem Weihnachtsmarkt selbst, vielleicht bei einer gemeinsamen Pause am Glühweinstand, entfaltet es seine volle Wirkung. Zudem ist es eine ausgezeichnete, lockere Eröffnung oder Auflockerung für eine Weihnachtsfeier in der Firma oder im Verein, da es sofort eine gemeinsame Basis schafft. Auch für einen unterhaltsamen Beitrag in einer regionalen Gemeindezeitung oder einem Blog ist es ideal.

Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Das Gedicht spricht in erster Linie ein erwachsenes Publikum an, das bereits eigene Erfahrungen mit Weihnachtsmärkten und den damit verbundenen kulinarischen Verlockungen gesammelt hat. Ideal ist es für Personen ab dem jungen Erwachsenenalter bis ins hohe Seniorenalter, die den Dialekt verstehen oder zumindest gut nachvollziehen können. Besonders ansprechend ist es für Menschen aus dem bairischen Sprachraum, da sie die sprachlichen Nuancen vollends würdigen können. Auch für Liebhaber von humorvoller, unprätentiöser Alltagslyrik ist es ein echter Fund.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Für Kinder ist das Gedicht aufgrund der Thematisierung von Alkoholkonsum und der für sie möglicherweise schwer verständlichen dialektalen Färbung weniger geeignet. Ebenso könnte es für Personen, die keinen Bezug zum süddeutschen oder österreichischen Sprachraum haben, schwer zugänglich sein, da der Charme und die Präzision der Aussagen stark auf dem Idiom beruhen. Menschen, die nach sehr traditioneller, besinnlicher oder religiöser Weihnachtslyrik suchen, werden hier nicht fündig, da der Tonfall bewusst weltlich und unterhaltend ist.

Detaillierte Vortrags- und Inszenierungstipps

Für einen gelungenen Vortrag sollten Sie den Dialekt sicher beherrschen. Üben Sie die Aussprache, falls Sie nicht selbst aus der Region stammen - Authentizität ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Lesen Sie das Gedicht nicht zu schnell vor, sondern geben Sie dem Publikum Zeit, den inneren Monolog und die Pointen zu verarbeiten. Setzen Sie gezielt Pausen ein, besonders vor den Rechtfertigungen ("sovül wird jeder Arzt dir rodn") oder den gestehenhaften Passagen ("na hoffentlich schaut niemand her").

Eine leichte, mimische Darstellung der inneren Zerrissenheit - ein Blick zur Seite, ein Schulterzucken - unterstützt die Wirkung. Für eine Inszenierung in der Gruppe könnten Sie verschiedene "Stimmen im Kopf" des Erzählers (z.B. "der Genießer" und "das Gewissen") auf mehrere Sprecher verteilen. Eine unaufdringliche musikalische Untermalung mit Glockenklingen oder leisen Weihnachtsmarktklängen im Hintergrund kann die Atmosphäre zusätzlich verdichten. Der Vortragende sollte in gemütlicher, winterlicher Kleidung erscheinen, vielleicht sogar mit einem leeren Punschbecher in der Hand, um die Szenerie lebendig werden zu lassen.

Abschließende Empfehlung: Wann genau sollte man dieses Gedicht wählen?

Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie bei einer weihnachtlichen Zusammenkunft keine pathetische oder formelle Stimmung erzeugen, sondern auf humorvolle, sympathische und bodenständige Art das Gemeinschaftsgefühl stärken möchten. Es ist der ideale Beitrag, um nach dem ersten gemeinsamen Glühwein oder Punsch die Runde zum Schmunzeln zu bringen und Gespräche über die eigenen, ganz ähnlichen Markterlebnisse anzuregen. Es eignet sich perfekt als Einstieg in einen geselligen Abend oder als heiterer Abschluss, bevor man sich vielleicht selbst "zum nächsten Standl" aufmacht. Kurz gesagt: Immer dann, wenn echte, unverkitschte Weihnachtsfreude mit einem Augenzwinkern gefragt ist.

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