daham is am schenst'n waun Weihnachten is

Kategorie: Adventsgedichte

daham is am schenst'n waun Weihnachten is

zu Weihnachtn brauch i ka Karibik und kane Thermen
kan Platzl in da Südsee um mi zu wärmen

weu waun da Schnee foit ganz leise und
des Haus nach Marzipan riacht
und in da Stubn da gebn die Kerzn des Liacht

und a wohlige Wärme die breitet sich aus
daun is Weihnachten am Schensten z’aus

da sitz’ i mit da familie z’samm vurm kamin
u. a jeda kann sehn wia glicklich i bin

Es is so a Tag der hot scho wos
i kauns net beschreibn i was a net wia
oba irgendwas Besondres is da in mia

es is so a Gfüh' von Liebe und Freid
die Surgn san vagessn waun a nur für heut’

egal obst a sandla oda a manager bist
und ganz gleich ob oarm oda reich
weu an dem Tag empfind ma do olla gleich

daham is am schenst'n waun Weihnachten is
Autor: Sylvia Seidl

Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung

Das Gedicht "daham is am schenst'n waun Weihnachten is" von Sylvia Seidl wirkt wie eine warme, innige Umarmung in Versform. Es transportiert den Leser unmittelbar in die behagliche Atmosphäre eines heimatlichen Weihnachtsfests und stellt dabei bewusst die bescheidenen, sinnlichen Freuden in den Mittelpunkt. Die Wirkung entfaltet sich durch die kraftvolle, dialektgefärbte Sprache, die Authentizität und emotionale Tiefe vermittelt. Es ist ein lyrisches Plädoyer für das Echte, das Familiäre und das emotional Wertvolle gegenüber äußerem Glanz und kommerzieller Hektik.

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Das Gedicht beginnt mit einer klaren Abgrenzung: Exotische Reiseziele wie die Karibik oder Thermen werden als unnötig für das wahre Weihnachtsglück abgetan. Diese Ablehnung von Klischee-Luxus dient als Kontrastfolie, um den eigentlichen Schatz des Festes umso heller erstrahlen zu lassen. Der Fokus liegt stattdessen auf unmittelbaren, sinnlichen Eindrücken - dem leisen Fallen des Schnees, dem Duft von Marzipan und dem warmen Schein der Kerzen. Diese Bilder erzeugen ein multisensorisches Erlebnis, das den Kern der Weihnachtsstimmung einfängt.

Im weiteren Verlauf wird das private Glück in den familiären Kreis gestellt. Die Zeile "u. a jeda kann sehn wia glicklich i bin" ist ein offenes und ehrliches Bekenntnis, das die Leserschaft direkt am emotionalen Zustand des lyrischen Ichs teilhaben lässt. Besonders bemerkenswert ist die universelle, demokratische Botschaft in der zweiten Gedichthälfte. Hier wird betont, dass sozialer Status oder finanzieller Hintergrund am Heiligen Abend keine Rolle spielen. Das "Besondere", das der Sprecher in sich spürt, ist ein Gefühl von Liebe und Freude, das zeitweise alle Sorgen vergessen lässt. Diese Gleichheit im Empfinden ist die eigentliche Magie des Tages, die das Gedicht einfängt. Der wiederkehrende Refrain "daham is am schenst'n" fungiert dabei als Leitmotiv und festigt die zentrale Botschaft von Geborgenheit und Heimat.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Werk erzeugt eine durch und durch wohlige, nostalgische und herzliche Stimmung. Es ist eine Mischung aus besinnlicher Ruhe, die vom leisen Schneefall und dem Kerzenlicht ausgeht, und der lebendigen, freudigen Wärme des familiären Beisammenseins. Die Verwendung des bairischen Dialekts verstärkt dieses Gefühl von Authentizität, Vertrautheit und Bodenständigkeit erheblich. Es entsteht keine feierlich-erhabene, sondern eine sehr persönliche, fast intime Atmosphäre, die den Leser einlädt, sich an ähnliche eigene Momente des Glücks zu erinnern und diese zu schätzen.

Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?

Das Gedicht ist ein perfekter Begleiter für verschiedene weihnachtliche Anlässe. Es eignet sich hervorragend für den Vortrag im engsten Familienkreis am Heiligabend, etwa als stimmungsvolle Eröffnung des Festes. Ebenso passt es in adventliche Feiern von Heimat- oder Trachtenvereinen, wo der Dialekt besonders geschätzt wird. Darüber hinaus ist es eine ausgezeichnete Wahl für Weihnachtsfeiern in regionalen Kulturzirkeln oder für gemütliche Vorleseabende in der Adventszeit. Seine Botschaft macht es auch zu einer passenden Lesung bei Veranstaltungen, die sich der Besinnlichkeit und dem Gegenentwurf zur kommerziellen Weihnacht verschrieben haben.

Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Primär spricht das Gedicht erwachsene Leser und Zuhörer an, die einen Bezug zu familiären Traditionen und zur bairischen Sprachkultur haben oder schätzen. Es richtet sich an Menschen, die die Bedeutung von Heimat und Geborgenheit verstehen und suchen. Jugendliche, die in dieser Kultur verwurzelt sind, können sich ebenfalls angesprochen fühlen, besonders durch die einfache, direkte und emotionale Sprache. Grundsätzlich ist es für alle Altersgruppen ab dem Jugendalter geeignet, die Freude an dialektaler Lyrik und an der Reflexion über die wesentlichen Werte des Weihnachtsfests besitzen.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Weniger geeignet ist das Werk für Leser, die mit dem bairischen Dialekt überhaupt keine Vertrautheit besitzen, da sonst der unmittelbare Zugang und der Charme der Sprache verloren gehen könnten. Ebenso könnte es für Personen, die einen eher distanzierten, intellektuellen oder formellen Zugang zu Lyrik bevorzugen, zu gefühlsbetont und volkstümlich wirken. Für rein kindliche Zuhörer, die noch kein Verständnis für die subtile Stimmungsmalerei und die universelle Botschaft entwickelt haben, sind andere, konkretere Weihnachtsgedichte möglicherweise besser passend.

Detaillierte Vortrags- und Inszenierungstipps

Für einen gelungenen Vortrag sollten Sie den Dialekt sicher und natürlich beherrschen. Üben Sie die Aussprache, falls Sie nicht muttersprachlich vertraut sind. Lesen Sie langsam und mit Bedacht, um den sinnlichen Bildern Raum zu geben. Eine leichte, warme Betonung der Schlüsselwörter wie "leise", "Marzipan", "Wärme" oder "Freid" verstärkt die Wirkung. Eine mögliche Inszenierung könnte den Vortragenden in gemütlicher Atmosphäre bei gedämpftem Licht, vielleicht sogar vor einem Kaminfeuer (oder einer Simulation davon) zeigen. Leise instrumentale Weihnachtsmusik im Hintergrund kann die Stimmung untermalen. Besonders effektiv ist es, wenn der Vortrag als persönliche Erzählung wirkt - schauen Sie Ihr Publikum dabei immer wieder an, um die gefühlte Gemeinschaft aus dem Gedicht in die rechte Situation zu übertragen.

Abschließende Empfehlung

Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie die tiefere, emotionale Essenz von Weihnachten jenseits von Geschenken und Stress in den Vordergrund stellen möchten. Es ist die ideale Wahl für einen Moment der Besinnlichkeit, in dem Sie gemeinsam mit anderen die Freude an der Heimat, an der Familie und an einfachen, kostbaren Glücksmomenten feiern wollen. Setzen Sie es ein, um eine Brücke zwischen Tradition und gegenwärtigem Erleben zu schlagen und um zu erinnern, dass das größte Geschenk oft in der gemeinsam erlebten Geborgenheit liegt. Es ist weniger ein Gedicht für die große Bühne, sondern vielmehr eine Einladung zur Herzensbildung im kleinen, vertrauten Kreis.

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