Hört die Glocken

Kategorie: schöne Weihnachtsgedichte

Hört die Glocken

Hört die Glocken wie sie klingen,
welch frohe Kunde sie euch bringen.
Das Weihnachtsfest es steht bevor,
drum schmücket festlich Tür und Tor.
Stellt auf ein kleines Bäumlein,
bunt und festlich soll es sein.
Mit vielen bunten Kugeln dran,
und zündet ein paar Kerzen an.
Im Lichterglanz und Kerzenschein,
soll still und friedlich alles sein.
Wenn der erste Schnee dann fällt,
dann zieht das Christkind um die Welt.
Wenn es vor deiner Türe steht,
dann öffne ihm bevor es geht,
weil wenn es ihm bei dir gefällt,
ein Päckchen unterm Bäumler steht.
Autor: Thorsten Speckmann

1. Ausführliche Interpretation des Gedichts

Dieses Gedicht entfaltet sich wie ein klassischer Adventskalender, der Bild für Bild die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest beschreibt. Es beginnt mit einem auditiven Signal: den Glocken, die traditionell als Verkünder froher Botschaften fungieren. Sie leiten eine Handlungsanweisung ein, die den Leser direkt in die aktive Gestaltung der Festlichkeit einbindet. Die Aufforderungen "schmücket", "stellt auf" und "zündet an" sind kein bloßes Beschreiben, sondern ein Einladen zum Mitmachen. Der Fokus liegt auf der häuslichen Idylle – dem geschmückten Baum als Zentrum –, die in den Zeilen "Im Lichterglanz und Kerzenschein, soll still und friedlich alles sein" ihren emotionalen Höhepunkt findet. Hier wird die innere Einkehr, die Stille und der Frieden als eigentliches Geschenk der Vorbereitung beschworen.

Erst in der zweiten Hälfte tritt mit dem "Christkind" eine handelnde Figur auf, deren Erscheinen an den ersten Schnee geknüpft ist. Diese Verbindung von Naturphänomen und mythischer Gestalt verleiht dem Gedicht eine märchenhafte Note. Die finale Strophe enthält eine leichte Spannung und eine moralische Komponente: Das Christkind kommt nur dann mit einem Geschenk, wenn die Tür geöffnet wird und "es ihm bei dir gefällt". Dies lässt sich nicht materiell, sondern als Zustand der Herzenseinstellung interpretieren – die bereitete Stube und die offene, freudige Erwartung sind die Voraussetzung für das Wunder. Das "Päckchen unterm Bäumler" erscheint somit als Belohnung für die zuvor geleistete Arbeit der liebevollen Vorbereitung.

2. Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Werk erzeugt eine grundlegend erwartungsvolle und geborgene Stimmung, die von einer sanften, feierlichen Vorfreude getragen wird. Durch die aktiven Aufforderungen wirkt es belebend und motivierend. Der mittlere Teil mit der Betonung von "still und friedlich" introduziert eine tiefe, besinnliche Ruhe, die den typischen Trubel der Vorweihnachtszeit kontrastiert und einen Moment der Andacht schafft. Die Erwähnung des Christkinds, das "um die Welt" zieht, verleiht dem Ganzen eine zauberhafte, fast kindlich-gläubige Atmosphäre. Insgesamt ist die Grundstimmung positiv, warm und einladend, mit einem leichten Unterton der geheimnisvollen Spannung, ob das Christkind wohl vorbeikommen wird.

3. Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?

Die vielseitige Thematik macht dieses Gedicht für verschiedene Anlässe passend. Ideal ist es für das gemeinsame Schmücken des Weihnachtsbaumes, da es die Handlungen direkt begleitet. Es eignet sich hervorragend für einen Adventsnachmittag im Familienkreis oder als stimmungsvoller Einstieg bei einem Weihnachtskaffee mit Freunden. Aufgrund seiner erzählerischen und bildhaften Sprache ist es auch ein perfekter Text für die Weihnachtskarte, um Grüße zu verschicken. In einem kindergerechten Gottesdienst oder einer Schulweihnachtsfeier kann es als einfache Lesung die Geschichte vom kommenden Christkind vermitteln. Selbst am Heiligabend, kurz vor der Bescherung, kann es die letzte Phase des Wartens literarisch untermalen.

4. Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Das Gedicht spricht mit seiner klaren Sprache, den konkreten Bildern und dem märchenhaften Element des Christkinds vorrangig Kinder im Vor- und Grundschulalter (ca. 4-10 Jahre) an. Für sie ist die direkte Aufforderung zum Schmücken besonders ansprechend und die Vorstellung des Christkinds greifbar. Ebenso finden Erwachsene und Senioren Gefallen an dem Text, da er nostalgische Erinnerungen an die eigene Kindheit weckt und die klassischen Werte der besinnlichen Vorbereitung in den Vordergrund stellt. Die einfache, eingängige Struktur macht es auch für Jugendliche zugänglich, die vielleicht jüngeren Geschwistern vorlesen oder selbst in die Rolle des Vorlesenden schlüpfen möchten.

5. Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

  • Personen, die eine theologische oder historisch-kritische Betrachtung von Weihnachten suchen: Das Gedicht verzichtet komplett auf die biblische Geschichte von Jesu Geburt und setzt stattdessen auf die folkloristische Figur des Christkinds. Es ist daher für einen akademischen oder streng kirchlichen Kontext weniger geeignet.
  • Moderne, nicht-traditionelle Feiern: Für eine Weihnachtsfeier, die bewusst auf klassische Symbole wie Christkind, geschmückten Tannenbaum oder Glockenklang verzichtet und einen modernen, vielleicht sogar säkularen Ansatz verfolgt, könnte der Text als zu altbacken oder kitschig empfunden werden.
  • Sehr kleine Kinder unter drei Jahren: Die Satzlänge und einige Begriffe (z.B. "frohe Kunde", "Lichterglanz") sind für diese Altersgruppe noch zu abstrakt. Ihnen fehlt zudem die Geduld für den erzählerischen Aufbau ohne durchgehende Handlung.

6. Wie lang dauert der Vortrag?

Bei einem gemächlichen, betonten und stimmungsvollen Vorlesen, das Pausen zur Wirkungsentfaltung der Bilder zulässt, beträgt die Vortragsdauer etwa 45 bis 60 Sekunden. Ein flüssigerer, neutralerer Vortrag liegt bei ungefähr 35 Sekunden. Diese kurze Dauer macht das Gedicht zu einem idealen Baustein für die Zeitplanung von Feiern. Sie können es problemlos zwischen zwei Programmpunkte einfügen, ohne den Ablauf zu verzögern. Bei einer Lesung mit mehreren Texten bietet es eine angenehme, kurze Abwechslung. Für den Einsatz in Weihnachtskarten oder auf Einladungen ist die Kürze ebenfalls ein Vorteil, da der Text schnell gelesen und erfasst werden kann.

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