weihnocht`n

Kategorie: Adventsgedichte

weihnocht`n

weihnocht`n is für mi nimma, wos amoi woar,
es wird jedes joahr onders, so kommts mir vor.
des wetter is komisch, an schnee gibt es auch nicht,
und ka christkind, ka überraschung ist in sicht.

nur weg`n die kinder!! für unsere "kleinen" und die großen a`,
für di mach ich`s gerne,schauen,kaufen,verpacken dann jedes jahr!

die ganz kleinen, die schauen noch und staunen! hinterfragen nicht wie,
oder wer, oder was, es interessiert sie
nur das glitzern, die pakerl, die kerzen und sterne!
später dann, glaubt man schon, das christkind kommt aus der ferne
und besucht kinder, nur die braven! und bringt ihnen sachen,
die am wunschzettel gestanden sind, die freude dann machen.

teenager wiederum, stehen lässig beim baum,
brav hin oder her, es interessiert sie meist kaum,
weiss man doch, ALLE kinder werden beschenkt,
das christkind achtet schon drauf, dass niemand sich kränkt!
werden doch streichen, unachtsam- und unfolgsamkeiten
nicht mehr viel beachtung geschenkt, vorbei sind die zeiten!

gott sei dank!! es soll doch zu weihnacht´n fröhlichkeit geben!
freude und spaß, eintracht und friede! - so möchten diesen tag wir erleben!

wenn die kinder dann gross und erwachsen schon sind,
BLEIBEN SIE IMMER NOCH UNSER "KIND"!!
und so ändert es nichts daran! dass ich mich jedes jahr aufs neue
unbeschreiblich darauf freue,
sie zu beschenken, zu überraschen, denn SIE sind es, die aus weihnochten,
weihnochten jedes joar für mi mochn!
Autor: michaela godai

Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung

Das Gedicht "weihnocht`n" von Michaela Godai wirkt wie ein warmherziger, persönlicher Monolog, der den Zauber und Wandel des Weihnachtsfestes über die Lebensphasen hinweg einfängt. Es spricht den Leser direkt an und löst ein Gefühl der Nostalgie, aber auch der tiefen, bleibenden Freude am Schenken aus. Die Wirkung entsteht durch den authentischen, dialektgefärbten Ton, der das Gedicht sehr nahbar und ehrlich macht. Es bestätigt diejenigen, die Weihnachten vor allem als Familienfest erleben, und schenkt Trost, wenn die eigene Weihnachtsstimmung einmal nicht ganz der kommerziellen Idealvorstellung entspricht.

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Das Werk lässt sich in mehrere gedankliche Abschnitte gliedern, die den Kreislauf des Weihnachtserlebens nachzeichnen. Es beginnt mit einer persönlichen, fast wehmütigen Feststellung: Für das lyrische Ich ist Weihnachten nicht mehr das, was es einmal war. Der Klimawandel ("des wetter is komisch, an schnee gibt es auch nicht") und das Verschwinden der kindlichen Magie ("ka christkind, ka überraschung") werden als Gründe genannt. Diese Einleitung schafft eine Ebene der Identifikation für viele Erwachsene.

Doch sofort folgt die entscheidende Wende: "nur weg`n die kinder!!". Sie sind der Motor und der Sinn des Festes. Das Gedicht beschreibt dann liebevoll die verschiedenen Stadien der Kindheit. Die ganz Kleinen sind fasziniert von der sinnlichen Pracht ("glitzern, die pakerl, die kerzen"). Im Schulalter verfestigt sich der Glaube an das Christkind als belohnende Instanz für braves Verhalten. Interessant ist die ironische Beobachtung zu Teenagern, die "lässig beim baum" stehen und sehr wohl wissen, dass alle beschenkt werden – eine humorvolle Kritik an der modernen Erziehung, die niemanden kränken möchte.

Die entscheidende Botschaft folgt im Schlussteil: Auch wenn die Kinder erwachsen sind, bleiben sie für die Eltern immer "Kind". Diese unveränderliche Liebe ist der eigentliche, ewige Kern von Weihnachten. Der anfängliche Verlust des Zaubers wird so überwunden und durch eine tiefere, reifere Freude ersetzt: die Freude am Geben und am Zusammensein. Der Dialekt ("weihnochten jedes joar für mi mochn") unterstreicht dabei die Emotionalität und Verwurzelung im Familiären.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Gedicht erzeugt eine vielschichtige, warme Stimmung. Es startet mit einem Hauch von Melancholie und Entfremdung, der jedoch schnell von herzlicher Zuneigung und heiterer Beobachtungsgabe überlagert wird. Der Ton ist durchweg liebevoll, manchmal augenzwinkernd (bei der Beschreibung der Teenager) und mündet in einem Gefühl der dankbaren Gewissheit und unerschütterlichen Freude. Insgesamt hinterlässt es ein behagliches, optimistisches Gefühl, das die kommerziellen und stressigen Aspekte des Festes in den Hintergrund rückt und den Fokus auf die zwischenmenschlichen Bindungen lenkt.

Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?

Dieses Gedicht ist ein perfekter Begleiter für intime, familiäre Momente in der Weihnachtszeit. Es eignet sich hervorragend für den Einsatz im privaten Kreis, etwa beim gemütlichen Beisammensein am Heiligabend nach dem Essen, als besinnlicher Beitrag in einer Familienadventsfeier oder als persönliche Widmung in einer Weihnachtskarte an die eigenen erwachsenen Kinder. Aufgrund seines reflektierenden Charakters passt es auch gut in nicht-kommerzielle Weihnachtsfeiern von Vereinen oder Gemeindegruppen, die den Fokus auf das Generationenübergreifende legen.

Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Die primäre Zielgruppe sind Erwachsene, insbesondere Eltern und Großeltern, die den beschriebenen Wandel des Weihnachtsfestes aus eigener Erfahrung kennen. Es spricht Menschen in der Lebensmitte an, die selbst Kinder haben oder hatten. Jugendliche und junge Erwachsene können sich in den beschriebenen Teenager-Phasen wiederfinden und vielleicht einen neuen Blickwinkel auf die Motivation ihrer Eltern gewinnen. Durch den Dialekt und die Thematik hat es einen besonderen Reiz für ein Publikum aus dem süddeutschen oder österreichischen Raum.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Weniger geeignet ist das Gedicht für ein rein kindliches Publikum, da seine reflektierende und rückblickende Haltung für sie schwer nachvollziehbar ist. Ebenso könnte es für Menschen, die keinen familiären Bezug zu Weihnachten haben oder das Fest ablehnen, nicht den gewünschten Anklang finden. Für sehr formelle, offizielle Weihnachtsveranstaltungen (z.B. im politischen oder streng geschäftlichen Kontext) ist der private, dialektale Ton möglicherweise zu ungezwungen und persönlich.

Vortrags- und Inszenierungstipps

Für einen gelungenen Vortrag sollten Sie den Dialekt authentisch, aber nicht übertrieben wirken lassen. Lesen Sie das Gedicht langsam und mit Betonung, als würden Sie eine persönliche Geschichte erzählen.

  • Stimme und Tempo: Beginnen Sie nachdenklich und leicht sehnsuchtsvoll. Bei der Wendung "nur weg`n die kinder!!" sollte die Stimme an Energie und Wärme gewinnen. Die Beschreibung der Kinderphasen kann lebendig und mit einem Lächeln im Ton vorgetragen werden. Der Schluss sollte mit Überzeugung und ruhiger Freude gesprochen werden.
  • Pausen: Setzen Sie bewusst Pausen nach den entscheidenden Sätzen, z.B. nach "es wird jedes joahr onders, so kommts mir vor" oder "BLEIBEN SIE IMMER NOCH UNSER 'KIND'!!". Das gibt dem Publikum Zeit, den Gedanken nachzuspüren.
  • Inszenierung: Ein Vortrag bei gedämpftem Licht, nur beleuchtet vom Kerzenschein des Adventskranzes oder des Weihnachtsbaums, unterstreicht die Atmosphäre. Das Gedicht kann auch als Rahmen für eine Diashow mit Familienfotos aus verschiedenen Weihnachten dienen, die die beschriebenen Phasen visualisieren.

Abschließende Empfehlung

Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie der Weihnachtsvorbereitung müde sind und sich fragen, worum es eigentlich geht. Wählen Sie es, wenn Sie Ihren erwachsenen Kindern oder Ihren eigenen Eltern eine Freude machen und zeigen möchten, dass die Liebe und die Tradition des Schenkens unabhängig vom Alter bestehen bleiben. Es ist das ideale Gedicht für den Moment, in dem die Geschenke verteilt sind, die Hektik vorbei ist und man in Ruhe zusammensitzt. "weihnocht`n" von Michaela Godai ist weniger ein Gedicht über den Glauben an das Christkind, sondern vielmehr ein poetisches Bekenntnis zum Glauben an die unzerbrechliche Familienbande, die dieses Fest im Kern tragen.

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