Mein Adventskranz
Kategorie: Adventsgedichte
Mein Adventskranz
Mein Adventskranz, machst mir nunAutor: Greta Hennen
nach fast vier Wochen Sorgen
Ach, was soll ich denn nur tun?
Erlebst nicht mehr den Morgen.
Ich fürchte jetzt, Du schafft es nicht
bis zu Deinem vierten Licht.
Traurig schaust Du aus den Zweigen,
die ganz licht sich mir schon zeigen.
Verschieb' ich Dich auf meinem Tisch
merke ich, bist nicht mehr frisch
Da nützt mir auch kein Tadeln,
Du wirfst ab die Nadeln.
Ich schau Dich an, und sag zu Dir:
Musst dich zusammenreißen.
Dass Du ein Adventskranz bist,
das sollst Du jetzt beweisen.
Mit nur drei Kerzen bist Du keiner.
Lass die Nadeln noch nicht los,
dann bist Du ein feiner.
Und wir feiern es ganz groß.
Ich will Dich unterstützen
Vielleicht kann es ja nützen,
wenn ich Dich besprühe.
Also gib Dir Mühe!
- Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
- Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Detaillierte Vortrags- und Inszenierungstipps
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
Das Gedicht "Mein Adventskranz" von Greta Hennen besticht durch seinen charmant-humorvollen Blick auf ein alljährliches Adventsdrama. Es verwandelt den stillen Verfall eines Tannengestecks in eine lebendige, fast menschliche Komödie. Der Text erzeugt eine warmherzige und heitere Stimmung, indem er dem Kranz eine eigene Persönlichkeit verleiht und ihn so zum Gegenüber eines liebevoll besorgten Besitzers macht. Diese ungewöhnliche Perspektive macht den besonderen Reiz des Gedichts aus und sorgt für ein wiedererkennendes Schmunzeln bei jedem, der schon einmal einem kämpfenden Adventskranz zugesprochen hat.
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Greta Hennens Werk ist weit mehr als eine bloße Beschreibung. Es ist eine kleine, dramatische Erzählung in Versform. Das lyrische Ich führt einen regelrechten Dialog mit seinem Adventskranz, den es personifiziert und als handelndes Wesen betrachtet. Die "Sorgen" des Sprechers zu Beginn zeigen eine fast fürsorgliche Beziehung. Der Kranz wird nicht als Objekt, sondern als Projektionsfläche für die eigene Vorfreude und Enttäuschung gesehen.
Sprachlich fällt der gekonnte Einsatz von Doppeldeutigkeiten auf: "die ganz licht sich mir schon zeigen" spielt sowohl auf das kahle, "lichte" Erscheinungsbild der Zweige an als auch auf das fehlende "Licht" der vierten Kerze. Der Imperativ "Musst dich zusammenreißen" ist ein typisch menschlicher Aufruf zur Disziplin, der in diesem Kontext absurd-komisch wirkt. Die Drohung "Mit nur drei Kerzen bist Du keiner" unterstreicht den regelrecht existentiellen Charakter, den der Adventskranz für die festliche Zeit besitzt. Die abschließende, fast verzweifelte Hilfsaktion - das Besprühen - rundet die Szene als liebevolle Parodie auf menschliche Unterstützungsversuche ab. Das Gedicht thematisiert somit auf humorvolle Weise unsere Erwartungen an Traditionen und den kleinen Kampf gegen die Vergänglichkeit in der besinnlichen Zeit.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Gedicht erzeugt eine unmittelbar einnehmende, heiter-besorgte Stimmung. Es ist die Mischung aus leiser Melancholie über das Vergehen der schönen Adventszeit und dem unweigerlichen Verwelken des Krans einerseits und einem augenzwinkernden, liebevollen Humor andererseits. Der Leser fühlt sich in die Position des Sprechers hineinversetzt und erlebt dessen fast schon zärtlichen Ärger mit. Es ist keine tiefe Traurigkeit, sondern eine leicht schmunzelnde Resignation, die durch die absurden Zurechtweisungen ("das sollst Du jetzt beweisen") immer wieder ins Komische kippt. Insgesamt hinterlässt es ein Gefühl der Wärme und Vertrautheit, weil es ein so alltägliches und doch selten besungenes Detail der Weihnachtszeit in den Mittelpunkt stellt.
Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
Dieses Gedicht ist ein vielseitiger Begleiter in der Vorweihnachtszeit. Es passt perfekt:
- Als humorvoller Einstieg oder Beitrag bei gemütlichen Adventskaffeerunden oder Weihnachtsfeiern im privaten Kreis.
- Für die Gestaltung einer persönlichen Weihnachtskarte oder eines Briefes an Menschen, die den eigenen Humor teilen.
- Als vorweihnachtlicher Beitrag in Vereinszeitungen, auf Gemeindebriefen oder in Firmennewslettern, um eine lockere Note zu setzen.
- Für einen unterhaltsamen Part bei einer literarischen Adventslesung, die nicht nur ernste Texte umfassen soll.
- Als kleines, selbst vorgetragenes Geschenk am dritten Adventssonntag, wenn die Sorge um den Kranz besonders aktuell ist.
Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Die Zielgruppe für diesen Text ist erfreulich breit. Junge Erwachsene und Erwachsene mittleren Alters, die selbst die Tradition des Adventskranzes pflegen, werden den humorvollen Kern sofort erfassen und sich bestens unterhalten fühlen. Auch für ältere Semester, die vielleicht schon viele solcher Kränze haben vergehen sehen, bietet es einen nostalgisch-amüsierten Blick. Selbst Jugendliche können mit dem Gedicht etwas anfangen, da der Tonfall nicht belehrend, sondern modern und direkt ist. Die Personifikation und die leicht übertriebene Dramatik sprechen ein Publikum an, das Freude an einem unkonventionellen, nicht kitschigen Blick auf Weihnachten hat.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Weniger geeignet ist das Gedicht für Leser oder Zuhörer, die ausschließlich nach traditionell-feierlicher, besinnlicher oder gar religiöser Weihnachtslyrik suchen. Wer etwa die tiefe Symbolik von Licht und Dunkelheit oder die christliche Bedeutung der Adventszeit in Reimform erwartet, wird hier nicht fündig. Ebenso könnte der humorvolle, fast schon respektlose Umgang mit dem traditionellen Symbol des Adventskranzes bei sehr konservativ eingestellten Menschen vielleicht auf Unverständnis stoßen. Für kleine Kinder ist der Text aufgrund der metaphorischen Sprache und der ironischen Untertöne wahrscheinlich noch nicht vollständig zugänglich.
Detaillierte Vortrags- und Inszenierungstipps
Um die komische Wirkung dieses Gedichts voll zur Entfaltung zu bringen, sind bei einem Vortrag einige Details zu beachten. Beginnen Sie mit einem besorgten, fast klagenden Tonfall in den ersten Zeilen. Bei der Frage "Ach, was soll ich denn nur tun?" können Sie eine kurze, echte Pause des Nachdenkens einlegen. Heben Sie die Doppeldeutigkeit von "ganz licht" durch eine kleine Betonung und vielleicht ein gestisches Zeigen auf eine imaginäre kahl Stelle hervor.
Der Übergang zur mahnenden Ansprache ("Ich schau Dich an, und sag zu Dir:") sollte mit einem entschlossenen, leicht erhobenen Zeigefinger im Vortrag einhergehen. Sprechen Sie die Zeile "Musst dich zusammenreißen" mit der Strenge eines Sporttrainers aus. Die abschließenden Zeilen ("Vielleicht kann es ja nützen...") verlangen nach einem Tonfall verhaltener Hoffnung und letzter Verzweiflung. Eine grandiose Inszenierungsidee wäre es, das Gedicht tatsächlich vor einem etwas mitgenommenen Adventskranz zu rezitieren und ihn dabei direkt anzusehen. Für einen Gruppenvortrag könnte eine Person den besorgten Besitzer und eine zweite, mit etwas grünen Zweigen behängt, den müden Kranz mimend, agieren.
Abschließende Empfehlung
Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie die Adventszeit einmal nicht mit Pathos, sondern mit einem liebevollen Augenzwinkern betrachten möchten. Es ist der ideale Text für den dritten oder vierten Advent, wenn der heimische Kranz erste Ermüdungserscheinungen zeigt und Sie bei Ihrer Feier für einen gemeinsamen Lacher sorgen wollen. Er eignet sich hervorragend, um in geselliger Runde eine lockere, ungezwungene Atmosphäre zu schaffen und zeigt, dass Weihnachtsgedichte nicht immer nur "Stille Nacht" imitieren müssen. Greta Hennens Werk ist das perfekte sprachliche Accessoire für alle, die Tradition auch mit Humor und einer Portion Realitätssinn leben können.
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