Voweihnacht
Kategorie: Adventsgedichte
Voweihnacht
Haben Sie schon einmal bedachtAutor: Doris Welker
was der Advent mit uns Erwachsenen macht?
Die Tage werden kurz und grau
Die Nasen laufen, der Magen ist flau-
Hektik, Kaufrausch und Hektik steigt,
da der Advent sich viel zu schnell dem Ende neigt.
Und was tun in dieser Zeit die Mädchen und Jungen?
Ja fröhlich gebastelt wird, gebacken und gesungen.
Alle Kinder sind von Erwartung und positiver Unruhe durchdrungen!
Sie freuen sich mit ganzem Herzen auf den Heiligen Abend und das Fest
Dazu gehören natürlich für sie Geschenke, aber auch all die lieben Gäst`!
Drum nehmt euch ein Beispiel an der Jugend:
Behaltet das Weihnachtsfest im Herzen euch zur Tugend!
Lasst euch nicht ein, auf Konsum und Kommerz:
Weihnachten ist keine Last und kein Scherz!
Es ist der Tag der Geburt unseres Erlösers und Herrn
und deshalb christliche Tradition, die es gilt zu bewahren und zu feiern gern.
- Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
- Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Vortrags- und Inszenierungstipps
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
Das Gedicht "Voweihnacht" von Doris Welker wirkt wie ein besinnlicher Weckruf inmitten der vorweihnachtlichen Betriebsamkeit. Es kontrastiert auf eingängige Weise den oft stressigen Alltag Erwachsener in der Adventszeit mit der unverfälschten Vorfreude und Begeisterung von Kindern. Die Wirkung ist dabei zweigeteilt: Zunächst bestätigt es mit humorvollen Schilderungen das eigene Gefühl der Hektik, um dann einen klaren Appell zur Rückbesinnung auf die ursprünglichen, christlichen und gemeinschaftlichen Werte des Festes auszusprechen. Es fordert den Leser auf, die Perspektive zu wechseln und sich von der kindlichen Freude anstecken zu lassen.
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Das Gedicht ist klar in zwei kontrastierende Teile gegliedert, die durch eine zentrale Aufforderung miteinander verbunden werden. Die ersten sechs Zeilen widmen sich ausschließlich der negativ konnotierten Erwachsenenperspektive. Mit Bildern wie "kurz und grau" werdenden Tagen, laufenden Nasen und einem flauen Magen zeichnet die Autorin ein wenig schmeichelhaftes Porträt des Novembers und Dezembers. Die bewusste Wiederholung des Wortes "Hektik" unterstreicht den sich steigernden Druck, dem viele Menschen in der Vorweihnachtszeit ausgesetzt sind. Der "Kaufrausch" wird direkt als treibende Kraft dieser ungesunden Dynamik benannt.
Der folgende Abschnitt wendet sich dann den "Mädchen und Jungen" zu. Ihre Welt ist geprägt von aktivem, kreativem Tun ("gebastelt", "gebacken", "gesungen") und einer "positiven Unruhe". Ihre Freude gilt nicht nur den Geschenken, sondern explizit auch den "lieben Gäst`", also der zwischenmenschlichen Komponente. Dieser krass gegensätzlichen Darstellung folgt die zentrale Botschaft: "Drum nehmt euch ein Beispiel an der Jugend". Der Erwachsene wird aufgefordert, sich die kindliche Haltung zur "Tugend" zu machen. Die letzten vier Zeilen verdichten die Botschaft zu einem klaren moralischen Imperativ: Man solle sich nicht auf "Konsum und Kommerz" einlassen, da Weihnachten weder Last noch Scherz sei. Die abschließende Begründung ist eindeutig religiös – der Tag wird als Geburtstag des "Erlösers und Herrn" definiert, dessen Tradition es zu bewahren und zu feiern gilt. Das Gedicht endet somit nicht mit einem vagen Gefühl, sondern mit einer konkreten, wertebasierten Handlungsanweisung.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Anfänglich erzeugt das Werk eine Stimmung der Beklommenheit und des geteilten Leidens – viele Leser werden sich in der Schilderung der Hektik und der körperlichen Beschwerden wiedererkennen. Dieser leicht ironische, mitfühlende Ton schafft eine erste Identifikationsebene. Mit dem Wechsel zur Kindersicht hellt sich die Stimmung deutlich auf und weckt Assoziationen an unbeschwerte Vorfreude, Duft von Plätzchen und gemeinsames Singen. Die finale Aufforderung mündet in eine Stimmung der ermutigenden Besinnung. Das Gedicht hinterlässt nicht Wehmut, sondern vielmehr den motivierenden Impuls, die eigene Haltung zu überdenken und das Fest bewusster zu gestalten. Es ist ein Appell zur inneren Einkehr.
Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
Dieses Gedicht ist ein vielseitig einsetzbarer Begleiter in der Vorweihnachtszeit. Besonders passend ist es für:
- Advents- oder Weihnachtsfeiern in Gemeinden oder kirchlichen Gruppen: Hier trifft es den religiösen Kern und die Kritik am Kommerz direkt.
- Eröffnungs- oder Abschlussrunden bei vorweihnachtlichen Bastel- oder Backtreffen: Es thematisiert diese Aktivitäten direkt und setzt sie in einen sinnstiftenden Rahmen.
- Den Beginn einer Weihnachtsfeier im Familien- oder Freundeskreis: Es kann als besinnlicher Einstieg dienen, um gemeinsam auf das Wesentliche zu schauen, bevor das Festtreiben beginnt.
- Weihnachtsbriefe oder -newsletter: Als eingängiger literarischer Beitrag reflektiert es die eigene Haltung zum Fest.
- Stunden in der Schule oder im Kindergarten, die sich mit der Bedeutung von Weihnachten jenseits des Materiellen beschäftigen.
Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Primär spricht das Gedicht Erwachsene und Jugendliche ab etwa 14 Jahren an, da es eine reflektierte, selbstkritische Haltung voraussetzt. Die angesprochenen Probleme wie Stress im Beruf, Kaufdruck und die Suche nach Sinn sind typische Erwachsenenthemen. Zugleich eignet es sich aber auch hervorragend zum gemeinsamen Lesen mit Kindern im Grundschulalter. Die klare Gegenüberstellung von "den Großen" und "den Kleinen" ist für Kinder leicht nachvollziehbar und kann zu schönen Gesprächen über die unterschiedliche Wahrnehmung der Festzeit anregen. Die einfache Reimstruktur und der konkrete Inhalt machen es auch für jüngere Zuhörer zugänglich.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Weniger geeignet ist das Werk für Personen, die einen rein weltlichen, nicht-reflektierenden oder ausschließlich festlichen Weihnachtsgedichtton suchen. Wer nach romantischer Beschreibung von Schnee, Glockenklang und besinnlicher Stille sucht, wird hier nicht vollständig fündig. Die deutliche religiöse Schlussbotschaft könnte für streng säkular eingestellte Menschen oder Angehörige anderer Religionen ein Hindernis darstellen. Zudem ist es kein reines Kinder- oder Nonsensgedicht, sondern verlangt ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit für seine gesellschaftskritische und appellative Botschaft.
Vortrags- und Inszenierungstipps
Um die kraftvolle Botschaft des Gedichts voll zur Geltung zu bringen, empfehlen sich folgende Vortragsweisen:
- Kontrastierende Stimmen: Zwei Personen könnten das Gedicht vortragen – eine mit müder, gehetzter Stimme den Erwachsenenpart, eine mit heller, freudiger Stimme den Kinderpart. Die letzten sechs Zeilen könnten dann gemeinsam gesprochen werden.
- Einzeln mit deutlicher Tempowandlung: Beginnen Sie mit einem schnelleren, fast atemlosen Tempo und einem leicht genervten Unterton bei der Schilderung der Hektik. Bei der Zeile "Und was tun in dieser Zeit..." wechseln Sie zu einem langsameren, warmen und bewundernden Tonfall. Die Aufforderung "Drum nehmt euch..." sollte klar, direkt und mit Überzeugung gesprochen werden.
- Untermalung: Leise, unaufdringliche Klaviermusik im Hintergrund könnte die Stimmungswechsel unterstützen – zunächst vielleicht düster-drückend, dann heller und freudiger werdend.
- Visuelle Darstellung: Bei einer szenischen Lesung könnten die ersten Zeilen von einer Person in Business-Kleidung vorgetragen werden, die gestresst hin und her läuft. Beim Übergang könnte diese Person innehalten, sich einen Schal umlegen und den Rest des Gedichts mit ruhigerer, zugewandter Haltung an das Publikum richten.
Abschließende Empfehlung
Wählen Sie "Voweihnacht" genau dann, wenn Sie spüren, dass die Vorweihnachtszeit in Hektik und Materialismus abzugleiten droht und Sie einen literarischen Impuls setzen möchten, der zur Besinnung auffordert. Es ist das perfekte Gedicht für den frühen bis mittleren Advent, also in der Zeit, in der die ersten Stresssymptome spürbar werden, der Heilige Abend aber noch nicht unmittelbar bevorsteht. Nutzen Sie es als Korrektiv, als Gesprächsanstoß oder als mentale Reset-Taste. Es eignet sich weniger für den feierlichen Höhepunkt am 24. Dezember, sondern vielmehr als Wegbereiter für ein bewussteres und erfüllteres Fest. In seiner klaren, doppelbödigen Struktur bietet es mehr Tiefgang als viele reine Stimmungsgedichte und bleibt durch seine eingängige Sprache dennoch leicht zugänglich – eine seltene und wertvolle Kombination.
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