Weihnacht

Kategorie: schöne Weihnachtsgedichte

Weihnacht

Holz im Ofen laut zerspringt,
Wärme strömt durchs Zimmer,
Der Winterwind sein Liedlein singt:
Ich bleib doch nicht für immer!

Doch erstmal herrscht die kalte Zeit,
Sie lässt die Flocken fallen.
Manch einer nennt´s voll Heiterkeit:
Die schönste Zeit von Allen!

Es durchströmt fast jeden Raum,
Lang verborgner Duft,
Manches Kind das glaubt es kaum,
S´liegt Weihnacht in der Luft!

Lichter sind an jedem Haus,
und hinter jedem Tor,
Kinderaugen halten aus,
obs Christkind was für sie verlor?

Man musiziert und singt und lacht,
Im Kreise seiner Lieben,
Wo ist nur der Liebe Macht,
Das ganze Jahr geblieben?
Autor: Scheidl Lorenz

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Das Gedicht "Holz im Ofen laut zerspringt" entfaltet ein vielschichtiges Bild der Vorweihnachtszeit, das weit über reine Beschreibung hinausgeht. Es beginnt mit einem starken Sinneseindruck: dem Geräusch des brennenden Holzes. Dieses "laut zerspringt" symbolisiert nicht nur Wärme, sondern auch eine kraftvolle, fast ungeduldige Energie. Der kontrastierende Winterwind, der sein "Liedlein singt", wird personifiziert und tröstet mit der Aussage "Ich bleib doch nicht für immer!". Hier zeigt sich ein zentrales Motiv: die tröstende Gewissheit, dass jede kalte Phase vergeht, eine Botschaft, die über die Jahreszeit hinausweist.

Die zweite Strophe akzeptiert die Gegenwart der "kalten Zeit" und feiert sie sogar. Die Heiterkeit, mit der manche sie als "schönste Zeit von Allen" bezeichnen, deutet auf eine bewusste Haltung der Wertschätzung und der Freude im Augenblick hin. In der dritten Strophe wird der Übergang vom Äußeren zum Inneren vollzogen. Der "lang verborgne Duft", der jeden Raum durchströmt, steht für plötzlich wachgerufene Erinnerungen und die subtile, aber unwiderstehliche Ankunft der weihnachtlichen Atmosphäre, die selbst Kinder "kaum" glauben können.

Die letzten beiden Strophen verdichten das Bild. Die Lichter an jedem Haus und die wartenden Kinderaugen stellen die äußere Erwartung dar. Die finale Frage jedoch – "Wo ist nur der Liebe Macht, Das ganze Jahr geblieben?" – verleiht dem Gedicht seine besondere Tiefe. Sie hinterfragt kritisch, warum diese intensive Gefühlsgemeinschaft und Fürsorge oft nur auf die Weihnachtszeit beschränkt sind, und verwandelt das Gedicht von einer bloßen Schilderung in einen nachdenklichen Appell.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Werk erzeugt eine gemischte, sehr menschliche Stimmung, die zwischen behaglicher Vorfreude und nachdenklicher Innigkeit oszilliert. Zunächst dominiert eine wohlige, sinnliche Geborgenheit, erzeugt durch Bilder von knisterndem Ofenfeuer, Wärme und vertrauten Düften. Darüber legt sich eine freudig-gespannte Erwartung, besonders durch die Perspektive der Kinder. Entscheidend ist jedoch der unterlegte, tröstende Ton ("Ich bleib doch nicht für immer") und die abschließende, fast melancholische Frage. Die Gesamtstimmung ist daher nicht einfach nur fröhlich, sondern eher besinnlich, tröstend und nachdenklich. Sie lädt den Leser ein, in der schönen Atmosphäre zu verweilen, aber auch über deren vergänglichen und einzigartigen Charakter zu reflektieren.

Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?

Dieses Gedicht ist vielseitig einsetzbar und passt besonders gut zu Anlässen, die Raum für Besinnung bieten. Ideal ist es für einen Adventskaffee oder einen gemütlichen Familiennachmittag im Dezember, wo es die Gespräche über die eigene Vorweihnachtszeit bereichern kann. Aufgrund seiner tiefgründigen Schlussfrage eignet es sich auch hervorragend für einen Gottesdienst oder eine Andacht in der Adventszeit, wo die Frage nach der "Liebe Macht" im Jahreslauf theologisch oder gemeinschaftlich vertieft werden kann. Für eine Weihnachtskarte ist es perfekt für Menschen, die man nicht nur oberflächlich grüßen, sondern zum Nachdenken anregen möchte. Es ist weniger ein Gedicht für den lauten Heiligabend mit Geschenkeübergabe, sondern eher für die ruhigen Momente davor.

Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Das Gedicht spricht primär Erwachsene und Jugendliche ab etwa 14 Jahren an. Diese Altersgruppen können die komplexe Stimmungsmischung aus Geborgenheit und Nachdenklichkeit vollständig erfassen und die kritische Schlussfrage in ihrer Tragweite verstehen. Auch Senioren werden die sinnlichen Erinnerungen an Ofenwärme und winterliche Heiterkeit besonders schätzen und die Reflexion über Zeit und Tradition nachvollziehen können. Für Kinder im Grundschulalter sind die ersten vier Strophen mit ihren klaren Bildern (Ofen, Schnee, Lichter, Christkind) durchaus zugänglich und schön, die letzte Strophe bleibt für sie aber wahrscheinlich abstrakt.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

  • Sehr junge Kinder (unter 6 Jahren): Die abstrakte Schlussfrage und der etwas komplexere Satzbau bieten wenig direkten Anknüpfungspunkt. Ihnen fehlen erzählerische oder stark rhythmische Elemente, die sie sofort fesseln.
  • Feiern mit ausschließlich ausgelassener Partystimmung: Bei einer rein vergnüglichen Weihnachtsfeier, bei der es um Geselligkeit und Tanz geht, wirkt das besinnliche und fragende Gedicht möglicherweise fehl am Platz und unterbricht den heiteren Flow.
  • Menschen, die ausschließlich an traditioneller, religiöser Weihnachtslyrik interessiert sind: Das Gedicht erwähnt zwar das Christkind, aber es fehlen explizit christliche Symbole wie die Krippe, die Heiligen Drei Könige oder die biblische Weihnachtsgeschichte. Der Fokus liegt auf der menschlich-emotionalen Erfahrung der Vorweihnachtszeit.

Wie lang dauert der Vortrag?

Bei einem ruhigen, betonten und sinnierenden Vortrag, der die Stimmungswechsel des Gedichts einfängt, beträgt die Lesezeit etwa 45 bis 60 Sekunden. Diese Dauer macht es perfekt für die Integration in ein größeres Programm. Sie können es beispielsweise als pointierten Einstieg für eine Adventsansprache verwenden oder als literarische Intermezzo zwischen Musikstücken oder anderen Lesungen platzieren. Planen Sie für den Vortrag selbst knapp eine Minute ein, dazu kommen eventuell kurze Pausen vor und nach dem Vortrag, um die Wirkung sacken zu lassen. So fügt es sich nahtlos in die Zeitplanung Ihrer Feier oder Lesung, ohne den Ablauf zu überfrachten.

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