Advent

Kategorie: Adventsgedichte

Advent

Advent, Advent
das 2. Lichtlein brennt.
Bald ist es nun so weit,
oje und die zeit die rennt.

Rauf auf den Boden,
runter in den Keller.
Herbei geschleppt die Kugeln,
Dekorationen und die Weihnachtsteller.

Ich schmücke die Zimmer
und gestalte die Fenster
mit Tannen, Engeln
mit Flimmer und Glimmer.

Nun endlich dreht sich die Pyramide
im blauen Schimmer.
Kerzen ohne Oxide
und meine drei heiligen aus Goldkristall
Melchior, Balthasar, Kaspar
sind auch zurück vom Zigeunerball.

Sie stehen da - wahrhaft königlich
in ihrem edlen Taft -
leisten mir Gesellschaft
voller Saft und Kraft.
Ich hoffe ewiglich.

Noch gut zwei Wochen habe ich Zeit
zum Schreiben, Besorgen
hier oben im Norden.
Zum Denken und Lenken
zum Vorbereiten für's Schenken.
Autor: Petra Bauer

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Das Gedicht "Advent, Advent" bietet einen lebendigen und sehr persönlichen Einblick in die hektische Vorfreude der Adventszeit. Es beginnt klassisch mit dem Countdown bis Weihnachten ("das 2. Lichtlein brennt"), stellt aber sofort den modernen Zeitdruck heraus ("oje und die zeit die rennt"). Dieser Kontinuität zwischen Tradition und Gegenwart folgt der gesamte Text. Die praktischen Vorbereitungen wie das Herbeischleppen der Dekoration aus allen Ecken des Hauses werden humorvoll und nachvollziehbar geschildert. Die Beschreibung der Dekoration selbst verbindet traditionelle Symbole (Tannen, Engel, die Pyramide) mit einem sehr individuellen, fast skurrilen Detail: den drei heiligen Königen, die "zurück vom Zigeunerball" sind. Diese ungewöhnliche Formulierung verleiht den Figuren Leben und Charakter, sie sind keine musealen Stücke, sondern lebendige Begleiter. Die Schlussstrophe mündet in eine Phase der Besinnung und Planung ("Zum Denken und Lenken"), die die eigentliche Bedeutung des Schenkens in den Fokus rückt. Das Gedicht ist somit keine idyllische Weihnachtsbeschreibung, sondern ein authentischer Bericht von den Mühen und der kreativen Freude der Vorbereitung.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Werk erzeugt eine vielschichtige, dynamische Stimmung. Zunächst dominiert eine heitere Betriebsamkeit und eine leicht stressige Eile, die viele Menschen aus der eigenen Vorweihnachtszeit kennen. Diese Aufregung wandelt sich jedoch in eine stolze, zufriedene und fast gemütliche Atmosphäre, sobald die Dekoration steht und die Pyramide sich dreht. Die Anwesenheit der "königlichen" Gesellschaft verleiht dem Setting eine feierlich-beschauliche Note. Insgesamt ist die Grundstimmung positiv, optimistisch ("Ich hoffe ewiglich") und von humorvoller Selbstironie geprägt, die den typischen Weihnachtsstress nicht verleugnet, ihn aber mit Freude am Gestalten meistert.

Für welchen Anlass eignet sich das Gedicht?

Dieses Gedicht passt hervorragend zu geselligen Anlässen in der Adventszeit, bei denen die Vorbereitungen selbst Thema sind. Ideal ist es für einen Adventskaffee oder einen gemütlichen Bastel- und Dekorationsnachmittag mit Freunden. Es eignet sich auch als origineller Beitrag in einem weihnachtlichen Familienbrief oder einer persönlichen Karte, um die eigene Vorfreude und das geschäftige Treiben zu Hause zu schildern. Für eine moderne Weihnachtsfeier im Kollegen- oder Freundeskreis kann es als unterhaltsame, erfrischende Lesung dienen, die vom klassischen Weihnachtsprogramm abweicht.

Für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Das Gedicht spricht in erster Linie Erwachsene und vielleicht Jugendliche an, die selbst die Verantwortung für die Weihnachtsvorbereitungen tragen oder diese aus der Perspektive der Eltern kennen. Die beschriebenen Situationen - das Suchen der Kisten, das Schmücken, das zeitliche Druckgefühl - sind dieser Gruppe unmittelbar vertraut. Auch Senioren können sich in der Mischung aus traditionellen Bräuchen und der alljährlich wiederkehrenden Hektik wiederfinden und den humorvollen Ton schätzen.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

  • Kleine Kinder: Die metaphorische Sprache (z.B. "voller Saft und Kraft", "vom Zigeunerball") und die reflektierenden Passagen sind für sie schwer zugänglich. Ihnen fehlen einfache, erzählerische Elemente wie eine klare Handlung mit Santa Claus oder dem Christkind.
  • Sehr formelle oder rein religiöse Feiern: Der lockere, teilweise umgangssprachliche Ton ("oje", "herbeigeschleppt") und die unkonventionelle Darstellung der Heiligen Drei Könige passen weniger in einen streng liturgischen Gottesdienst oder eine äußerst traditionelle Weihnachtsfeier, die ausschließlich auf klassische Ernsthaftigkeit setzt.

Wie lang dauert der Vortrag?

Bei einem gemäßigten, betonten Vorlesetempo, das die heiteren und besinnlichen Passagen wirksam zur Geltung bringt, beträgt die Vortragsdauer dieses Gedichts etwa 45 bis 60 Sekunden. Diese kurze Dauer macht es zu einem perfekten, pointierten Beitrag innerhalb eines größeren Programms, beispielsweise zwischen Musikstücken oder als eröffnende oder abschließende literarische Note bei einer Feier, ohne den zeitlichen Rahmen zu sprengen. Für eine Solo-Lesung können Sie durch eine kurze, einleitende Erklärung zur Entstehung oder zur besonderen Stimmung des Gedichts eine Gesamtzeit von etwa zwei Minuten erreichen.

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