Weihnachtszeit
Kategorie: Adventsgedichte
Weihnachtszeit
Weihnachtszeit du süßer Traum,Autor: anonym
ich kotze unterm Weihnachtsbaum.
Die Engelchen nehm ich hart dran
und verklopp den Weihnachtsmann.
Den Elfen geb ich was zum Saufen
tu nackig durch die Kirche laufen.
Da hör ich, wie der Herbert spricht:
"So etwas find ich weihnachtlich!"
- Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
- Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Vortrags- und Inszenierungstipps
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
Das Gedicht "Weihnachtszeit" wirkt wie ein gezielter Tabubruch. Es nimmt die konventionelle, oft als kitschig empfundene Weihnachtslyrik und konterkariert sie mit drastischer Derbheit und schwarzem Humor. Die Wirkung ist polarisierend: Während traditionelle Gemüter entsetzt sein mögen, löst es bei einem Publikum, das der satten Harmonie überdrüssig ist, befreiendes Lachen oder anerkennendes Schmunzeln aus. Es fungiert als ventilariges Gegengedicht, das die Schattenseiten des Festes - Stress, Zwang und Heuchelei - auf äußerst überspitzte Weise thematisiert.
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Das Werk beginnt scheinbar traditionell mit der Anrede "Weihnachtszeit du süßer Traum", um diese romantische Vorstellung im nächsten Vers sofort mit der vulgären Geste "ich kotze unterm Weihnachtsbaum" zu zertrümmern. Diese plötzliche Wendung stellt eine komplette Ablehnung der erwarteten Idylle dar. Die folgenden Zeilen dekonstruieren systematisch weihnachtliche Symbole: Engel werden nicht besungen, sondern "hart dran" genommen, der Weihnachtsmann wird verprügelt. Dies kann als Rebellion gegen die kommerzialisierten und idealisierten Figuren des Festes gelesen werden.
Die Zeile "Den Elfen geb ich was zum Saufen" karikiert die Vorstellung von fleißigen Helfern und unterstellt ihnen Fluchtbedürfnis, während "nackig durch die Kirche laufen" den ultimativen Tabubruch in einem sakralen Raum darstellt und so den Konflikt zwischen spirituellem Anspruch und ausufernder weltlicher Feierei thematisiert. Der Schlüssel zum Verständnis liegt im finalen Dialog: Die provokanten Handlungen werden vom fiktiven Zuschauer Herbert als "weihnachtlich" qualifiziert. Diese Pointe untergräbt die vorangegangene Provokation und wirft die Frage auf, was Weihnachtlichkeit im Kern eigentlich ausmacht - vielleicht eben auch die Entspannung von Konventionen und das ehrliche Ausleben von Gefühlen, seien sie auch frustriert.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das lyrische Werk erzeugt primär eine Stimmung der satirischen Überdrehtheit und des befreienden Zynismus. Es ist durchdrungen von einer energiegeladenen, fast anarchischen Lust am Tabubruch. Gleichzeitig schwingt unter der drastischen Oberfläche eine Stimmung der Überdrüssigkeit und des leisen Verzweifelns an den Zwängen der Festtage mit. Der unerwartete Kommentar des Herbert am Ende verleiht dem Ganzen eine absurde, komödiantische Note und verwandelt die reine Provokation in eine Art anerkennende Groteske. Insgesamt ist die Grundstimmung weniger bösartig als vielmehr ausgelassen rebellisch.
Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
Dieses Gedicht eignet sich keinesfalls für die klassische Weihnachtsfeier mit der gesamten Verwandtschaft. Seine wahre Bestimmung findet es in informellen, entspannten Runden unter gleichgesinnten Freunden, die über den Weihnachtsstress lachen können. Perfekt ist es für eine lockere Feier am Heiligabend nach dem offiziellen Familienprogramm, für einen alternativen Poetry-Slam in der Vorweihnachtszeit oder als humorvoller Beitrag in einem Büro, in dem der Umgangston locker ist. Es dient hervorragend als Eisbrecher, um über die eigenen Weihnachtsfrustrationen zu scherzen.
Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Geeignet ist das Werk ausschließlich für ein erwachsenes Publikum, das mit derben Ausdrücken und schwarzem Humor umgehen kann. Die ideale Altersgruppe beginnt bei jungen Erwachsenen ab etwa 18 Jahren, die sich gerne von Traditionen abgrenzen, und reicht bis zu Menschen mittleren Alters, die den satirischen Blick auf den Weihnachtswahnsinn zu schätzen wissen. Es spricht besonders Personen an, die sich nach einer humorvollen, unverblümten Abwechslung zur allgegenwärtigen Weihnachtsromantik sehnen.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Von einem Vortrag vor Kindern, Jugendlichen oder generell einem sensiblen Publikum ist dringend abzuraten. Es ist völlig ungeeignet für traditionelle Familienfeiern, religiöse Zusammenkünfte, offizielle Firmenevents oder in jeglichem Kontext, in dem ein respektvoller und harmonischer Ton vorherrschen soll. Menschen, die einen sehr engen Bezug zum christlichen Weihnachtsfest haben oder die keine Freude an derben und blasphemisch anmutenden Inhalten finden, werden sich durch das Gedicht wahrscheinlich verletzt oder brüskiert fühlen.
Vortrags- und Inszenierungstipps
Der Vortrag lebt vom Kontrast. Beginnen Sie mit einer übertrieben süßlichen, fast singenden Stimme bei der ersten Zeile, um dann bei "kotze" abrupt in einen trockenen, sarkastischen oder energisch-frustrierten Tonfall zu wechseln. Bauen Sie vor dem letzten Satz eine kleine, gespielte Pause ein, als ob Sie auf Reaktionen warteten. Den Dialog mit Herbert können Sie durch eine leichte Stimmveränderung oder einen Seitenblick ins Publikum markieren. Für eine Inszenierung bei einem Slam oder Sketch: Kleiden Sie sich zunächst in einen übertriebenen Weihnachtspulli, um ihn während des Vortrags vielleicht wütend auszuziehen. Ein gezielter Einsatz einer schrillen Spieluhrmelodie zu Beginn, die abrupt abbricht, kann die Stimmung perfekt untermalen.
Abschließende Empfehlung
Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie in einer entspannten, erwachsenen Runde den alljährlichen Weihnachtsstress und die oft aufgesetzte Heiterkeit mit einem lachenden Auge thematisieren möchten. Es ist das perfekte sprachliche Mittel, um nach dem dritten Glühwein unter Freunden ein kollektives "Genau so geht's mir auch!" auszulösen. Setzen Sie es als bewussten Kontrapunkt ein, um den Druck des perfekten Festes zu nehmen und für einen Moment alle weihnachtlichen Klischees über Bord zu werfen. Es ist weniger ein Gedicht für die besinnliche Stunde, sondern vielmehr für die ent-spannende Stunde danach.
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