Das dritte Licht

Kategorie: Adventsgedichte

Das dritte Licht

Zu den beiden Lichtern gesellt sich das Dritte.
Sein Platz ist bereits reserviert.
Es sitzt auf dem Kranz in der goldenen Mitte.
Um ein Stück es Dein Glück komplettiert.

Das dritte Licht die Freude noch steigert.
Nun ist vorüber dreiviertel der Zeit.
Der miesen Laune wird der Durchbruch verweigert,
und Glückseligkeit macht sich nun breit.

Das neue Licht zum dritten Advent
gesellt sich gern zu den beiden,
die man von den letzten Wochen schon kennt
Es zaubert eine Stimmung zart seiden.
Autor: Greta Hennen

Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung

Das Gedicht "Das dritte Licht" von Greta Hennen fängt den besonderen Zauber des dritten Adventssonntags mit einer bezaubernden Leichtigkeit ein. Es beschreibt nicht nur das physische Hinzufügen einer weiteren Kerze auf dem Adventskranz, sondern übersetzt diesen Moment in ein Gefühl der wachsenden Vorfreude und inneren Einkehr. Die Verse wirken wie ein sanftes Lächeln in der winterlichen Dunkelheit und verwandeln die simple Handlung des Anzündens in ein kleines Ritual der Hoffnung und des sich vervollständigenden Glücks. Leser spüren unmittelbar die fortschreitende Zeit bis Weihnachten und werden eingeladen, selbst Teil dieser besinnlichen Entwicklung zu werden.

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Greta Hennens Werk lässt sich als feinfühlige Parabel auf die Adventszeit deuten. Die erste Strophe etabliert das zentrale Bild: Das dritte Licht findet seinen "reservierten" Platz in der "goldenen Mitte". Dies deutet auf eine vorherbestimmte, harmonische Ordnung hin - der Adventskranz als Mikrokosmos, in dem jedes Element seinen perfekten Ort hat. Die Zeile "Um ein Stück es Dein Glück komplettiert" wendet sich direkt an den Leser und macht ihn zum aktiven Teilnehmer; sein persönliches Wohlbefinden wird mit dem Fortschreiten des Lichts verknüpft.

Die zweite Strophe vertieft den zeitlichen Aspekt. "Nun ist vorüber dreiviertel der Zeit" ist eine mathematisch anmutende, doch tröstliche Feststellung. Die Wartezeit schwindet spürbar. Der "Durchbruch" der "miesen Laune" wird aktiv "verweigert", was eine kämpferische, optimistische Note setzt. Nicht das Glück kommt von allein, sondern man wehrt bewusst die Trübsal ab, um der "Glückseligkeit" Platz zu machen, die sich "breit" macht - ein sehr körperliches, unaufhaltsames Bild.

Die letzte Strophe verbindet Tradition mit Neuem. Die Kerzen der Vorwochen sind vertraut, das neue Licht "gesellt sich gern". Die Atmosphäre wird als "zart seiden" beschrieben, ein haptischer, kostbarer Vergleich, der die Stille, den sanften Schein und die edle Festlichkeit des Moments in einem einzigen, wunderbaren Bild vereint. Das Gedicht ist somit eine Hinführung vom Äußeren (das Anzünden) über die Zeitwahrnehmung hin zur inneren, fast tastbaren Gefühlswelt.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Gedicht erzeugt eine Stimmung der ruhigen, zuversichtlichen Vorfreude. Es ist getragen von einer warmen Gelassenheit und einem sicheren Wissen darum, dass sich etwas Schönes vollendet. Keine aufgeregte Hektik, sondern ein stilles, leuchtendes Wachsen der Freude kennzeichnet den Ton. Die "zart seidene" Stimmung vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit, Reinheit und vorweihnachtlicher Intimität. Es ist eine Einladung, innezuhalten, den Moment zu spüren und sich vom sanften Rhythmus der Adventswochen tragen zu lassen, fernab von kommerziellem Trubel.

Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?

Dieses Gedicht ist der ideale Begleiter für eine Vielzahl besinnlicher Anlässe in der Vorweihnachtszeit. Perfekt passt es natürlich zum dritten Adventssonntag selbst, sei es als Einstimmung vor dem gemeinsamen Anzünden der Kerzen oder als Reflexion danach. Es bereichert jeden Adventskränzchen-Nachmittag in der Familie oder im Freundeskreis. Darüber hinaus eignet es sich ausgezeichnet für das Programm in Seniorenheimen, bei kleinen Adventsfeiern in Vereinen oder als stimmungsvolle Lesung während eines Weihnachtsbasars. Auch für persönliche Adventskalender-Momente oder als Eintrag in ein Weihnachtstagebuch bietet es einen poetischen Impuls.

Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Die klare, bildhafte Sprache und das vertraute Thema machen das Gedicht für ein breites Publikum zugänglich. Besonders ansprechend ist es für Erwachsene, die die ruhigeren, besinnlichen Aspekte der Adventszeit schätzen. Auch Jugendliche, die vielleicht nach einem tieferen Verständnis für diese Tradition suchen, können mit den Versen etwas anfangen. Aufgrund seiner Kürze und der einprägsamen Bilder eignet es sich zudem gut, um es mit älteren Kindern gemeinsam zu lesen und über die Bedeutung der Adventskerzen zu sprechen. Die direkte Ansprache ("Dein Glück") schafft eine persönliche Brücke zu Lesern jeden Alters.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Für Leser, die explizit nach humorvollen, schnellen oder sehr traditionell-religiösen Weihnachtsgedichten suchen, könnte dieses Werk weniger passend sein. Es verzichtet auf festliche Ausgelassenheit oder die direkte Nennung der christlichen Symbolik (wie die Namen der Adventssonntage). Menschen, die gerade in einer Phase tiefer Trauer oder Einsamkeit stecken, könnten der Kontrast zwischen der beschworenen "Glückseligkeit" und ihrer eigenen Gefühlswelt als zu schmerzhaft empfinden. Ebenso ist es für sehr kleine Kinder, die actionreiche Reime bevorzugen, möglicherweise zu ruhig und reflexiv.

Detaillierte Vortrags- und Inszenierungstipps

Um die Magie des Gedichts voll zur Geltung zu bringen, sind folgende Inszenierungsideen empfehlenswert:

  • Lichtregie: Lesen Sie das Gedicht bei gedämpftem Raumlicht. Zünden Sie die ersten beiden Kerzen eines Adventskranzes an und entzünden Sie die dritte genau bei der Zeile "Es sitzt auf dem Kranz in der goldenen Mitte". Dies schafft einen unmittelbaren, sinnlichen Bezug.
  • Sprechweise: Wählen Sie einen ruhigen, andächtigen Tonfall. Lassen Sie sich Zeit, besonders bei den Schlüsselzeilen "zart seiden" und "Glückseligkeit macht sich nun breit". Diese sollten mit einer weichen, fast flüsternden Betonung gesprochen werden.
  • Rahmung: Bauen Sie die Lesung in ein kleines Ritual ein. Eine kurze Einleitung über die Bedeutung der dritten Adventswoche - das Überwinden der Mitte, die wachsende Freude - bereitet den Boden ideal vor.
  • Visuelle Unterstützung: Bei einer Gruppenveranstaltung kann das Gedicht schön kalligrafiert auf einem Poster oder per Beamer gezeigt werden. Dezente Hintergrundmusik (leise Harfen- oder Klaviermusik) kann die "seidene" Stimmung unterstreichen.
  • Interaktion: Fordern Sie Ihr Publikum nach der Lesung auf, selbst zu beschreiben, welche "zart seidene" Stimmung es in der Adventszeit besonders schätzt.

Abschließende Empfehlung

Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie den dritten Adventssonntag zu einem Moment der bewussten Zäsur und der stillen Freude machen möchten. Es ist das perfekte sprachliche Kunstwerk für den Abend des dritten Advents, wenn die Hektik der Vorbereitungen vielleicht schon spürbar wird und eine Pause der Besinnung nötig ist. Nutzen Sie es, um sich und anderen in Erinnerung zu rufen, dass Weihnachten nicht nur ein Ziel ist, sondern auch der Weg dorthin - Woche für Woche, Licht für Licht - wertvoll und schön sein kann. Es ist weniger ein lauter Festtagsjubel, sondern vielmehr ein sanftes, leuchtendes Versprechen der anbrechenden Weihnacht.

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