Sankt Nikolaus

Kategorie: Adventsgedichte

Sankt Nikolaus

Am 6. Dezember kommt Sankt Nikolaus
zu jedem Christenkind ins Haus.
Er füllt auch gerne Stiefel an,
mit Süßigkeiten, wenn er kann.

Zur Christnacht fährt er mit dem Schlitten
und bringt, worum die Kinder bitten,
zu Kindern in die Welt hinaus,
als Weihnachtsmann und Santa Claus.

Wo’s Christkind nicht beschenken darf,
dorthin bringt Santa Claus im Schlaf
Geschenke durch den Kamin.
Dort hängen Kinder Socken hin

für Father Christmas und Papa Noel.
Väterchen Frost ist nicht so schnell.
Er kommt erst in der Neujahrsnacht
mit seiner liebevollen Fracht.

Sankt Nikolaus hat viele Namen,
doch er bleibt stets in seinem Rahmen,
er bringt den Kindern schöne Sachen,
die ihnen große Freude machen.
Autor: Vera-Regina aus Österreich

Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung

Das Gedicht "Sankt Nikolaus" von Vera-Regina entfaltet einen besonderen Zauber, indem es die verschiedenen europäischen und globalen Gabenbringer der Weihnachtszeit in einer harmonischen Erzählung vereint. Es wirkt wie ein freundlicher Reiseführer durch den winterlichen Brauchtumskalender und vermittelt Kindern auf eingängige, rhythmische Weise Wissen über kulturelle Unterschiede. Die Wirkung ist gleichermaßen lehrreich und festlich, sie schafft ein Gefühl von globaler Verbundenheit und Vorfreude auf die gesamte besinnliche Zeit vom Nikolaustag bis zum Neujahrsfest.

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Vera-Reginas Werk ist weit mehr als eine simple Aufzählung von Figuren. Es strukturiert die Advents- und Weihnachtszeit chronologisch und geografisch und offenbart so eine kluge kompositorische Absicht. Die erste Strophe ist dem klassischen, im deutschsprachigen Raum verankerten Bischof Nikolaus gewidmet, der am 6. Dezember die Stiefel füllt. Unmittelbar darauf vollzieht das Gedicht einen bemerkenswerten Perspektivwechsel: Derselbe Nikolaus verwandelt sich in der Christnacht in den "Weihnachtsmann und Santa Claus" und wird so zum internationalen Geschenkebringer.

Die dritte und vierte Strophe vertiefen diese internationale Dimension. Sie erklären kindgerecht, dass dort, wo das Christkind nicht aktiv ist (etwa in vielen anglophonen Ländern), Santa Claus durch den Kamin kommt und die Tradition der aufgehängten Socken bedient. Die Nennung der Namen "Father Christmas" und "Papa Noel" (für Frankreich/Spanien) erweitert den Horizont weiter. Die Einbeziehung von "Väterchen Frost", der in osteuropäischen Ländern erst zum Neujahrsfest erscheint, rundet das Bild meisterhaft ab und zeigt, dass die Geschenkefreude über den 25. Dezember hinausreicht.

Die finale Strophe zieht ein versöhnliches Resümee: Trotz der vielen Namen und Bräuche bleibt der Kern stets derselbe - die Freude der Kinder. Dies ist die zentrale Botschaft des Gedichts: Hinter allen kulturellen Varianten steht eine universelle Idee der Fürsorge und Bescherung.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das lyrische Werk erzeugt eine durchweg warmherzige, neugierig machende und inklusive Stimmung. Es ist frei von Hektik oder kommerziellem Gedanken und betont stattdessen die behagliche Vorfreude und die wunderbare Vielfalt der Traditionen. Durch den einfachen, sanglichen Rhythmus und die klaren Reime wirkt es vertraut und beruhigend. Gleichzeitig weckt es mit der Reise um die Welt ein Gefühl von Abenteuer und staunender Weite. Die Grundstimmung ist eine Mischung aus gemütlicher Vorweihnachtszeit und weltoffener Feierlichkeit.

Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?

  • Nikolaustag (5. oder 6. Dezember): Perfekt zum Vorlesen, bevor die geputzten Stiefel vor die Tür gestellt werden, um die Figur des Heiligen Nikolaus einzuführen.
  • Adventskreis in Kindergarten oder Grundschule: Ideal, um im Sachkunde- oder Religionsunterricht die verschiedenen Weihnachtsbräuche in Europa kindgerecht zu erklären.
  • Familienvorlesezeit im Advent: Als tägliches Ritellied in der Adventszeit, das die Vorfreude steigert und Gespräche über eigene Familientraditionen anregt.
  • Multikulturelle Feiern: Bei Veranstaltungen, wo Familien mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen zusammenkommen, fördert das Gedicht Verständnis und Gemeinschaftsgefühl.
  • Als kleines Begleitgedicht im Adventskalender: Etwa am Türchen des 6. Dezembers oder als Beilage zu einem Buchgeschenk über Weihnachten weltweit.

Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Die primäre Zielgruppe sind Kinder im Alter von etwa 4 bis 10 Jahren. Die jüngeren Kinder (4-6) erfreuen sich am Klang und an der bildhaften Vorstellung der verschiedenen Gabenbringer. Die älteren Kinder (7-10) beginnen, die geografischen und kulturellen Informationen zu verstehen und können damit ihr Weltwissen erweitern. Ebenso eignet sich das Gedicht hervorragend für Eltern, Erzieher und Grundschullehrer, die nach einem ansprechenden Medium suchen, um die Thematik zu vermitteln. Auch für Erwachsene mit Interesse an volkstümlicher Dichtung oder Brauchtumskunde bietet es einen charmanten Überblick.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Das Gedicht ist weniger passend für ein rein erwachsenes, literaturwissenschaftliches Publikum, das nach komplexer Metaphorik oder tiefer philosophischer Aussage sucht. Es ist eindeutig als Kinder- und Lehrgedicht konzipiert. Ebenso könnte es in streng theologischen oder traditionsbewussten Kreisen auf Skepsis stoßen, da es die heilige Figur des Bischofs Nikolaus nahtlos mit der mythischen Figur des Weihnachtsmanns vermengt - eine Unterscheidung, die manchen wichtig ist. Für sehr kleine Kinder unter drei Jahren sind die vielen Namen und der Wechsel der Handlungsorte möglicherweise noch zu abstrakt und schwer nachvollziehbar.

Vortrags- und Inszenierungstipps

Um den Text lebendig werden zu lassen, empfehlen sich folgende Ideen:

  • Betontes Vorlesen: Lesen Sie mit einer klaren, freundlichen Stimme. Sie können für jede Strophe eine leicht andere Tonlage wählen - etwa ehrfurchtsvoll für Sankt Nikolaus, geheimnisvoll für den Kaminbesuch und geheimnisvoll-majestätisch für Väterchen Frost.
  • Visuelle Unterstützung: Zeigen Sie während des Vortrags Bilder oder kleine Figuren der genannten Personen (Nikolaus mit Mitra, Santa im roten Anzug, Väterchen Frost). Eine einfache Weltkarte, auf der die Herkunftsregionen markiert werden, verankert das Gehörte visuell.
  • Interaktives Element: Lassen Sie die Kinder bei den bekannten Namen ("Santa Claus", "Papa Noel") mitsprechen oder klatschen. Fragen Sie nach dem Vortrag: "Und welcher Besucher kommt zu uns?"
  • Kleine szenische Darstellung: Verteilen Sie Rollen: Ein Kind stellt den Stiefel hin, ein anderes schlüpft mit einem Bart verkleidet in die Rolle des Nikolaus, ein drittes legt sich als schlafendes Kind neben einen gemalten Kamin.
  • Musikalische Untermalung: Das Gedicht hat einen natürlichen Rhythmus. Sie können es auf eine einfache, selbst erdachte Melodie singen oder mit leisen Glöckchen und Klangstäben begleiten, besonders bei den Zeilen "fährt er mit dem Schlitten".

Abschließende Empfehlung

Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie die Magie des Nikolaustages mit einer weltoffenen, bildenden Perspektive verbinden möchten. Es ist der ideale Text für den frühen Dezember, um den Beginn der besinnlichen Zeit einzuläuten und gleichzeitig zu zeigen, dass die Freude des Schenkens viele Gesichter und Namen hat. Besonders empfehlenswert ist es in Settings, wo Kinder erstmals mit den unterschiedlichen Weihnachtsbräuchen konfrontiert werden. Es verwandelt Verwirrung über verschiedene Figuren in bereicherndes Wissen und schafft so ein tiefes Verständnis für die schöne kulturelle Vielfalt der Weihnachtszeit - und das alles eingebettet in einen eingängigen, freudigen Reim.

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