Schon wieder ist es Weihnachten
Kategorie: Adventsgedichte
Schon wieder ist es Weihnachten
Schon wieder ist es Weihnachten,Autor: Ruth Stille
das Jahr ging schnell vorbei,
so manche Pläne, die wir machten,
durchkreuzt vom Einerlei.
und doch, bei Kerzenschein beseh'n,
war dieses Jahr auch schön.
Laßt dankbar sein für jeden Tag,
wenn wir am Christbaum steh'n.
Wer weiß, wie's wird im nächsten Jahr,
wir hoffen, es wird gut.
Gesundheit, Glück im nächsten Jahr
und ganz viel frohen Mut!
wenn wir am Christbaum stehn.
Laßt dankbar sein für jeden
- Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
- Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Vortrags- und Inszenierungstipps
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
Das Gedicht "Schon wieder ist es Weihnachten" von Ruth Stille wirkt wie ein warmes, zwischenmenschliches Gespräch beim Kerzenschein. Es fängt das ambivalente Gefühl ein, das viele Menschen in der Weihnachtszeit beschleicht: das Staunen über die rasende Geschwindigkeit der Zeit und die leise Enttäuschung über nicht Erreichtes, das jedoch unmittelbar in eine kraftvolle, dankbare Besinnung auf das Gute umschwingt. Die Verse spenden auf unprätentiöse Weise Trost und ermutigen zu einem hoffnungsvollen Blick nach vorn. Damit bietet es mehr als nur festliche Dekoration - es ist eine poetische Einladung zur persönlichen Reflexion und Wertschätzung im Kreise der Lieben.
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Ruth Stilles Werk lässt sich in drei klar erkennbare Gedankenbewegungen unterteilen, die den emotionalen Bogen des lyrischen Ichs nachzeichnen. Die erste Strophe beginnt mit dem titelgebenden, fast seufzenden "Schon wieder", das sofort eine vertraute Alltagsempfindung anspricht. Die Wahrnehmung, dass das Jahr "schnell vorbei" ging und Pläne vom "Einerlei" durchkreuzt wurden, benennt ehrlich die kleinen Frustrationen und die Monotonie des Alltags. Dies ist keine bittere Klage, sondern eine realistische Bestandsaufnahme.
Der entscheidende Wendepunkt folgt mit der Konjunktion "und doch". Beim "Kerzenschein", dem klassischen Symbol für Besinnlichkeit und Wärme, ändert sich die Perspektive radikal. Die reflexive Handlung des "Beseh'ns" führt zur Erkenntnis: "war dieses Jahr auch schön." Dieser einfache Satz ist das Herzstück des Gedichts. Er fordert eine aktiv wertschätzende Haltung ein. Daraus leitet die Dichterin direkt die Aufforderung "Laßt dankbar sein für jeden Tag" ab, besonders im festlichen Moment "am Christbaum". Die Dankbarkeit wird hier nicht als abstraktes Gefühl, sondern als konkrete Praxis im gemeinsamen Feiern verankert.
Die letzte Strophe wagt den Blick in die Zukunft. Die rhetorische Frage "Wer weiß, wie's wird im nächsten Jahr" anerkennt die Unsicherheit des Kommenden. Doch anstatt in Ängstlichkeit zu verfallen, setzt das Gedicht auf die aktive Kraft der "Hoffnung". Die Wünsche für das neue Jahr - Gesundheit, Glück und "frohen Mut" - sind bewusst schlicht und universell gehalten. "Froher Mut" ist dabei ein besonders schönes, etwas altmodisches und dadurch kraftvolles Wort, das mehr meint als bloße Zuversicht; es ist eine zuversichtliche, tatkräftige Lebenshaltung. Die abschließende, leicht variierte Wiederholung der Dankbarkeitszeile wirkt wie ein festliches, bekräftigendes Amen und unterstreicht die zentrale Botschaft der Wertschätzung.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das lyrische Werk erzeugt eine tiefe Mischung aus nachdenklicher Wehmut und getragener, warmer Zuversicht. Die anfängliche leichte Resignation ("schon wieder", "durchkreuzt") weicht schnell einer Stimmung der innigen Besinnlichkeit und des behaglichen Innehaltens. Durch den Fokus auf Dankbarkeit und gemeinsame Rituale (Kerzenschein, Christbaum) entsteht ein Gefühl der Geborgenheit und des Zusammenhalts. Die abschließenden Wünsche für die Zukunft verleihen der gesamten Atmosphäre einen hellen, optimistischen Grundton, ohne dabei naiv oder beschwichtigend zu wirken. Insgesamt ist die Stimmung authentisch, herzlich und tröstlich - wie ein anerkennendes Nicken für das Geleistete und ein aufmunterndes Lächeln für das, was kommt.
Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
Dieses Gedicht ist ein vielseitiger Begleiter für verschiedene festliche und reflexive Momente. Besonders passend ist es:
- Als Eröffnung oder besinnlicher Beitrag während der Weihnachtsfeier im engsten Familienkreis, um dem Fest einen nachdenklichen Impuls zu geben.
- Für den Jahresrückblick in geselligen Runden, etwa bei einem gemeinsamen Abend mit Freunden zwischen den Jahren.
- Als Einstimmung auf die Silvester- oder Neujahrsfeierlichkeiten, da es den Bogen vom vergangenen zum kommenden Jahr schlägt.
- In persönlichen Weihnachtskarten oder -briefen, um die eigenen Gefühle zum Jahresende auf ansprechende Weise auszudrücken.
- Als kurze Lesung bei einer Adventsandacht oder einem nicht-kirchlichen Besinnungsabend, da es spirituelle Elemente (Dankbarkeit, Hoffnung) in einer allgemein zugänglichen Sprache formuliert.
Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Die Verse sprechen in erster Linie Erwachsene und Jugendliche ab etwa 14 Jahren an, die bereits die Erfahrung gemacht haben, wie schnell Zeit verstreichen kann und mit den Ambivalenzen des Lebens umgehen. Die Thematik des gescheiterten Plans und der bewussten Umwertung hin zum Positiven ist für Menschen in der Lebensmitte und im reiferen Alter besonders relevant und nachvollziehbar. Aufgrund seiner klaren Sprache und der eingängigen Botschaft eignet es sich aber auch wunderbar, um generationenübergreifend im Kreis der Familie vorgetragen zu werden und so einen Gesprächsanlass über das vergangene Jahr zu bieten.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Für Leser oder Zuhörer, die ausschließlich unbeschwerte, rein jubelnde und festliche Weihnachtslyrik suchen, könnte das Gedicht zu nachdenklich oder gar ein wenig melancholisch wirken. Es ist kein reines Kinder- oder Lichtergedicht. Menschen, die sich in einer Phase tiefer Trauer oder persönlicher Krise befinden, könnten der Hinweis auf die Schönheit des Jahres und die Aufforderung zur Dankbarkeit möglicherweise als nicht angemessen empfinden. Zudem ist es weniger für rein unterhaltende oder humorvolle Anlässe geeignet, da sein Ton stets einfühlsam und reflektierend bleibt.
Vortrags- und Inszenierungstipps
Um die Wirkung des Gedichts voll zu entfalten, sollten Sie beim Vortrag auf einen natürlichen, gesprächsnahen Rhythmus achten. Beginnen Sie mit einem etwas gedehnten, nachdenklichen Ton bei "Schon wieder ist es Weihnachten". Bei der Wende "und doch" sollte eine spürbare, hoffnungsvolle Aufhellung in Ihrer Stimme liegen. Die Zeile "war dieses Jahr auch schön" verdient eine betonte, überzeugende und warme Aussprache. Die Aufforderung "Laßt dankbar sein" kann mit leicht feierlichem, einladendem Charakter gesprochen werden. Die letzten Wünsche sollten klar, positiv und mit innerer Überzeugung vorgetragen werden.
Für eine Inszenierung bieten sich an: Ein Vortrag bei tatsächlich gedämpftem Kerzenlicht oder in der Nähe des geschmückten Christbaums. Eine dezente musikalische Untermalung mit ruhigen Harfen- oder Klavierklängen im Hintergrund kann die Stimmung unterstützen. Besonders schön ist auch ein dialogisches Vortragen, bei dem verschiedene Familienmitglieder abwechselnd Strophen oder Zeilen lesen, wodurch der gemeinschaftliche Charakter des Gedichts betont wird.
Abschließende Empfehlung
Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie der Weihnachtsfeier eine Tiefe jenseits von Geschenken und Festtagsbraten verleihen möchten. Es ist der ideale Text für den Moment der Stille, der sich zwischen dem lebhaften Beisammensein einstellt. Nutzen Sie es, wenn Sie das vergangene Jahr gemeinsam würdigen und mit einem ehrlichen, aber optimistischen Gefühl ins neue starten wollen. Es ist weniger ein lauter Festgesang, sondern vielmehr ein stilles, bedeutsames Gespräch in Versform - perfekt für den Heiligen Abend, den Stephanstag oder den Silvesterabend, an dem Bilanz gezogen und Hoffnung geschöpft wird. Ruth Stilles Werk verwandelt das bloße Feiern in ein bewusstes Innehalten und gibt dem Fest damit einen nachhaltigen Sinn.
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