Die Fichte

Kategorie: Adventsgedichte

Die Fichte

Eine Fichte steht einsam auf dem Feld
und sieht hinaus in alle Welt.
Doch plötzlich sah sie jemand kommen,
er hat die Fichte mitgenommen.
Silberne Kugeln, goldener Stern,
Oh du fröhliche Weihnachtszeit,
du bist nicht mehr fern...
Autor: Diana Gilleßen

Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung

Das Gedicht "Die Fichte" von Diana Gilleßen erzählt in wenigen, klaren Zeilen eine kleine, berührende Geschichte. Es verwandelt die einsame Tanne auf dem Feld in ein Symbol der Hoffnung und Vorfreude. Durch den schnellen Wechsel von der Einsamkeit zur festlichen Pracht entfaltet es eine unmittelbare, herzerwärmende Wirkung, die direkt in die besinnliche Weihnachtszeit führt. Der eingeflochtene Liedzeilen-Anklang verstärkt dieses Gefühl und macht das Werk zu einem kurzen, aber eindringlichen Stimmungsbild.

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Das Gedicht lässt sich in zwei deutlich voneinander abgegrenzte Teile gliedern. Die ersten vier Verse schildern den Ausgangszustand: Eine Fichte steht "einsam" und "auf dem Feld", ein Bild der Isolation und des Wartens. Das "hinaussehen in alle Welt" verleihr ihr fast menschliche Züge, eine Sehnsucht nach Erfüllung. Die Wende kommt "plötzlich" – ein Moment des Glücks und der Rettung. Das passive "mitgenommen" deutet weniger auf einen Raub hin, als vielmehr auf eine gnädige, erlösende Handlung.

Der letzte Teil des Werkes springt dann direkt in das Ergebnis dieser Handlung. Ohne den eigentlichen Schmückvorgang zu beschreiben, zeigt er das fertige, strahlende Ergebnis: "Silberne Kugeln, goldener Stern". Diese Metalle assoziieren kostbaren, festlichen Glanz. Der unvermittelte Einwurf des Liedfragments "Oh du fröhliche Weihnachtszeit" bricht die Erzählung auf und lässt den Leser direkt in den gemeinsamen Chor der Weihnachtsfreude einstimmen. Der letzte Vers "du bist nicht mehr fern..." ist dann eine direkte, tröstliche Ansprache an den Leser – die lange Wartezeit hat ein Ende, das Fest steht unmittelbar bevor. Das Gedicht vollzieht so die magische Verwandlung vom Naturgegenstand zum kultischen Symbol der Weihnacht nach.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Die anfängliche Stimmung der Einsamkeit und des Ausgesetztseins wandelt sich rasch in eine Atmosphäre der freudigen Erwartung und der festlichen Geborgenheit. Es erzeugt ein Gefühl des Ankommens und der Erfüllung. Durch den lyrischen Bruch mit dem bekannten Weihnachtslied entsteht zudem ein Moment der vertrauten Gemeinschaft und des unmittelbaren Jubels. Die finale Aussage "du bist nicht mehr fern..." hinterlässt ein tiefes Gefühl der Vorfreude und der sehnsüchtigen Gewissheit, dass die schönste Zeit des Jahres nun wirklich beginnt.

Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?

Dieses kurze Gedicht ist ein vielseitiger Begleiter in der Advents- und Weihnachtszeit. Es eignet sich hervorragend für die Gestaltung von Weihnachtskarten oder als poetischer Einstieg in Einladungen zur Familienfeier. Bei der gemeinsamen Weihnachtsbaum-Schmückung kann es als feierliche Eröffnung vorgetragen werden. Darüber hinaus ist es ein perfektes kleines Darbietungsstück für das Adventssingen im Kindergarten, in der Grundschule oder im Seniorenkreis, wo es die Vorfreude auf das Fest stimmungsvoll untermalt.

Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Mit seiner einfachen, bildhaften Sprache und der schnell verständlichen Handlung spricht das Werk vor allem jüngere Kinder im Kindergarten- und frühen Grundschulalter an. Die Verwandlung des Baumes fasziniert sie. Ebenso können aber auch Erwachsene, die einen schnellen, unprätentiösen Zugang zur Weihnachtsstimmung suchen, Freude an der prägnanten Geschichte finden. Es ist somit ein generationenübergreifendes Gedicht, das aufgrund seiner Kürze und Klarheit eine breite Zielgruppe erreicht.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Leser, die nach komplexer Lyrik mit tiefgründiger Symbolik, ausgefeilten Reimschemata oder einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Weihnachtsfest suchen, werden hier nicht fündig. Das Gedicht ist bewusst schlicht und stimmungsorientiert. Es eignet sich daher weniger für einen rein analytischen Literaturunterricht der höheren Klassenstufen oder für Personen, die eine distanzierte, nüchterne Betrachtung der Festzeit bevorzugen. Sein Charme liegt in der unmittelbaren emotionalen Wirkung, nicht in literarischer Komplexität.

Vortrags- und Inszenierungstipps

Für einen gelungenen Vortrag sollten Sie den deutlichen Stimmungswechsel betonen. Sprechen Sie die ersten Zeilen langsam, mit einem Hauch von Melancholie und gespannter Erwartung. Bei "Doch plötzlich" können Sie die Stimme heben und das Tempo leicht beschleunigen. Die Zeile mit den "Silbernen Kugeln" sollte mit leuchtender, bewundernder Stimme vorgetragen werden. Das Liedzitat "Oh du fröhliche Weihnachtszeit" kann fast singend, freudig ausgerufen werden. Der letzte Satz wird dann vertraulich, tröstend und mit einem lächelnden Unterton gesprochen, als teilte man ein großes Geheimnis.

Für eine Inszenierung mit Kindern: Lassen Sie ein Kind als "Fichte" mit ausgebreiteten Armen dastehen. Ein anderes Kind kann als "jemand" herantreten und die "Fichte" an der Hand zu einem vorbereiteten Platz führen. Dort können dann symbolisch (oder mit echten, unzerbrechlichen Kugeln) die "silbernen Kugeln" und der "goldene Stern" angebracht werden. Alle anderen Kinder können beim Liedzitat einstimmen.

Abschließende Empfehlung

Wählen Sie dieses Gedicht genau in dem Moment, in dem die Vorfreude auf Weihnachten konkret werden soll – etwa am Tag des Baumkaufs oder unmittelbar vor dem gemeinsamen Schmücken. Es ist das perfekte sprachliche Ritual, um den Übergang von der Wartezeit der Adventskalender hin zum aktiven Festvorbereiten zu markieren. Nutzen Sie es, um in der Familie, im Kindergarten oder im Freundeskreis einen kleinen, feierlichen Augenblick zu schaffen, der allen Anwesenden ins Gedächtnis ruft: Jetzt beginnt die fröhliche, strahlende Weihnachtszeit.

Mehr Adventsgedichte

0.0 von 5 – Wertungen: 0