Vorweihnachtstrubel
Kategorie: Adventsgedichte
Vorweihnachtstrubel
VorweihnachtstrubelAutor: Ursel Scheffler
Grüner Kranz mit roten Kerzen,
Lichterglanz in allen Herzen,
Weihnachtslieder, Plätzchenduft,
Zimt und Sterne in der Luft.
Garten trägt sein Winterkleid,
wer hat noch für Kinder Zeit?
Leute packen, basteln, laufen,
grübeln, suchen, rennen, kaufen,
kochen, backen, braten, waschen,
rätseln, wispern, flüstern, naschen,
schreiben Briefe, Wünsche, Karten,
was sie auch von dir erwarten.
Doch wozu denn hetzen, eilen,
schöner ist es zu verweilen,
und vor allem dran zu denken,
sich ein Päckchen "Zeit"
zu schenken.
Und bitte lasst noch etwas Raum
für das Christkind unterm Baum!
- Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
- Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Detaillierte Vortrags- und Inszenierungstipps
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
Das Gedicht "Vorweihnachtstrubel" von Ursel Scheffler wirkt wie ein kluger Spiegel der modernen Adventszeit. Es fängt zunächst mit liebevoller Präzision die sinnlichen Freuden der Vorweihnachtszeit ein - den Duft, das Licht, den Geschmack. Dann schwenkt es jedoch den Blick auf die Hektik und den Stress, die diese besinnliche Phase oft überlagern. Die besondere Wirkung entfaltet sich in der überraschenden Wendung am Ende: Statt weiterer Aktivitäten plädiert das Werk für das kostbarste Geschenk - die Zeit selbst. Es wirkt damit erinnernd, mahnend und zugleich tröstend, indem es eine einfache Alternative zum allgemeinen Trubel aufzeigt.
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Das Gedicht lässt sich klar in zwei kontrastierende Teile gliedern. Die ersten sechs Zeilen malen ein fast idyllisches, traditionelles Weihnachtsbild. Symbole wie der "grüne Kranz mit roten Kerzen", der "Plätzchenduft" und "Zimt und Sterne" aktivieren unmittelbar das kollektive Gedächtnis an gemütliche Vorweihnachtsstunden. Die rhetorische Frage "wer hat noch für Kinder Zeit?" markiert den entscheidenden Wendepunkt. Sie fungiert als Brücke von der besinnlichen Idealvorstellung in die realistische Gegenwart.
Der folgende, lange Satz mit seiner rapiden Aneinanderreihung von Verben ("packen, basteln, laufen, grübeln, suchen...") ist das sprachliche Herzstück. Diese Stakkato-Enumeration erzeugt im Leser fast physisch das Gefühl von Atemlosigkeit und Getriebensein. Die Aufzählung endet bezeichnenderweise mit den "Wünschen", die andere an einen stellen - ein Hinweis auf den sozialen Erwartungsdruck der Festtage.
Die Lösung, die der letzte Abschnitt anbietet, ist ebenso einfach wie tiefgründig. Der Imperativ "Doch wozu denn hetzen, eilen" leitet die Befreiung aus dem selbstgeschaffenen Hamsterrad ein. Die Aufforderung, sich "ein Päckchen 'Zeit' zu schenken", ist eine geniale metaphorische Verdichtung. Sie transformiert das abstrakte, nicht käufliche Gut "Zeit" in ein greifbares Weihnachtsgeschenk. Der abschließende Appell, "Raum für das Christkind" zu lassen, rundet die Botschaft ab: Erst in der Stille und im bewussten Innehalten kann der eigentliche, spirituelle oder besinnliche Kern des Festes erfahrbar werden.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Werk erzeugt eine dynamische Stimmung, die sich während des Lesens wandelt. Es beginnt mit einer warmen, nostalgischen und sinnlichen Grundstimmung, die Geborgenheit und Vorfreude vermittelt. Diese weicht rasch einer beunruhigenden, hektischen und fast schon chaotischen Atmosphäre, die von der Aufzählung der unzähligen Verben getragen wird. Der Leser spürt den Stress und die Überforderung fast körperlich. Die finale Stimmung ist dann eine der besonnenen Ruhe, der Erleichterung und der klaren Einsicht. Es hinterlässt ein Gefühl der Erlaubnis, aus dem Trott auszubrechen, und einen hoffnungsvollen Impuls, die Prioritäten neu zu ordnen. Insgesamt ist es eine Stimmung der gelungenen Korrektur - von Hektik hin zu Besinnung.
Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
Dieses Gedicht ist erstaunlich vielseitig einsetzbar. Besonders passend ist es natürlich für Veranstaltungen in der Adventszeit, die selbst der Besinnung dienen sollen, wie:
- Adventsfeiern in Vereinen, Kirchengemeinden oder am Arbeitsplatz, um einen inhaltlichen Impuls zu setzen.
- Als Eröffnung oder Beitrag bei einem Weihnachtsbasar oder Adventskonzert, um den Sinn des Festes in Erinnerung zu rufen.
- In der Familie beim gemeinsamen Adventskranz-Anzünden, um eine Gesprächsgrundlage über das eigene Stressempfinden zu schaffen.
- Für Weihnachtskarten oder -briefe an gestresste Freunde oder Familienmitglieder, verbunden mit dem Wunsch nach mehr gemeinsamer Muße.
- Als Einstieg in eine Weihnachtsandacht oder ein kleines geistliches Wort, da es die säkulare Hektik mit dem spirituellen Anspruch kontrastiert.
Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Die Zielgruppe des Gedichts ist breit gefächert. Aufgrund seiner eingängigen Bilder und des klaren Rhythmus eignet es sich hervorragend für Kinder im Grundschulalter, die den vorweihnachtlichen Trubel bereits wahrnehmen. Die Botschaft ist für sie gut verständlich. Die primäre Adressatengruppe sind jedoch Erwachsene, insbesondere Eltern und Menschen in der Lebensmitte, die den beschriebenen Stress zwischen Beruf, Familienorganisation und Festvorbereitungen aus erster Hand kennen. Auch für Senioren kann es anschlussfähig sein, die den heutigen Hektik vielleicht mit Sorge betrachten oder sich an ruhigere Adventszeiten erinnern.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Weniger geeignet ist das Gedicht möglicherweise für ein sehr junges Publikum (Kleinkinder), dem der komplexe Wortschatz ("grübeln", "verweilen") und die meta-phorische Ebene des "Päckchens Zeit" noch nicht zugänglich sind. Ebenso könnte es für Menschen, die Weihnachten ausschließlich als fröhliches, konsumorientiertes Fest ohne spirituellen Anklang feiern und jegliche Kritik an der Vorweihnachtshektik ablehnen, einen unbequemen oder moralisierenden Ton anschlagen. Wer sich gerade voller Freude im "Trubel" befindet und dies genießt, fühlt sich von der mahnenden Botschaft eventuell nicht angesprochen.
Detaillierte Vortrags- und Inszenierungstipps
Um die Wirkung des Gedichts voll zu entfalten, sind bei einem Vortrag gezielte Inszenierungsideen empfehlenswert.
Stimme und Tempo: Beginnen Sie mit einer warmen, ruhigen und fast träumerischen Stimme für die ersten sechs Zeilen. Bei der langen Aufzählung der Verben ("packen, basteln, laufen...") steigern Sie das Sprechtempo deutlich, bis hin zu einem fast atemlosen, gehetzten Parlando. Machen Sie danach eine bewusste, deutliche Pause. Den Schlussteil sprechen Sie dann wieder langsam, mit betonter, ruhiger und überzeugter Stimme, als gäben Sie einen weisen Rat.
Visuelle Unterstützung: Sie könnten zwei Leser einsetzen: Einer spricht den hektischen Mittelteil, während ein anderer pantomimisch die beschriebenen Tätigkeiten (Suchen, Rennen, Packen) übertrieben darstellt. Dies unterstreicht die Absurdität der Hektik. Alternativ können Projektionen gezeigt werden: erst besinnliche Weihnachtsbilder, dann schnelle Schnipsel von vollen Einkaufsstraßen oder To-Do-Listen, zuletzt ein Bild von einer Kerze oder einer ruhigen Winterlandschaft.
Interaktion: Bei inoffiziellen Anlässen können Sie das Publikum auffordern, während des Vortrags der Verben mit den Fingern auf den Tisch zu trommeln, um den Herzschlag des Stresses zu imitieren - der dann mit dem Schlussteil abrupt endet.
Abschließende Empfehlung
Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie spüren, dass der äußere Zauber der Adventszeit vom inneren Druck überlagert wird. Es ist das perfekte sprachliche Mittel für den Moment, in dem die To-Do-Liste länger wird als die Vorfreude. Nutzen Sie es als bewussten Stopp-Knopf in der eigenen Familie, als besinnlichen Beitrag in einer vorweihnachtlichen Feier, die sonst nur aus Programm und Konsum besteht, oder als persönliches Mantra, um sich selbst an die eigenen Prioritäten zu erinnern. Es ist weniger ein Gedicht für den Heiligen Abend selbst, sondern vielmehr ein wertvoller Begleiter in den turbulenten Tagen und Wochen davor, um genau den "Raum unterm Baum" zu schaffen, den das Christkind - und letztlich auch Sie selbst - brauchen.
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