Lieber guter Weihnachtsmann
Kategorie: lustige Weihnachtsgedichte
Lieber guter Weihnachtsmann
Lieber, guter Weihnachtsmann,Autor: Gisbert Zalich
schau mich nicht so böse an,
du weißt es doch, du Obermotz:
Ich war in einem frech wie Rotz!
Das soll ich ändern, sonst gäb's Krach?
Alter, halt' den Ball mal flach
und bring erst Papa auf die Spur -
der ist das Schwein! Wo ist er nur?
Jetzt hol' nicht mit der Rute aus!!
Sonst hol' ich Papas Wumme raus!
Und lass den prallen Sack da stehn!
Doch du, du Penner, du kannst gehn!
- Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
- Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Detaillierte Vortrags- und Inszenierungstipps
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
Das Gedicht "Lieber guter Weihnachtsmann" von Gisbert Zalich wirkt wie ein erfrischendes Gegenmittel zur traditionellen Weihnachtslyrik. Es bricht radikal mit dem Klischee des braven, andächtigen Kindes und stellt den Nikolaus-Besuch als konfrontativen, fast schon rebellischen Machtkampf dar. Die Wirkung ist unmittelbar, provokant und durchaus komisch, da es die verklärende Weihnachtsidylle mit der rauen Realität eines trotzigen Jugendlichen konfrontiert. Es hinterlässt beim Leser oder Zuhörer ein schockiertes Grinsen und lädt dazu ein, die Festtagsrituale aus einer ungewöhnlichen Perspektive zu betrachten.
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Das Werk lässt sich als dramatischer Monolog eines jungen Menschen deuten, der sich in der Defensive befindet. Gleich in der ersten Strophe wird die erwartete Unterwerfungsgeste ("Lieber, guter Weihnachtsmann") sofort durch eine aggressive Rechtfertigung ("schau mich nicht so böse an") konterkariert. Die beleidigenden Anreden "Obermotz" und später "Penner" entzaubern die mythologische Figur vollends und reduzieren sie auf die Ebene eines lästigen Erziehers. Interessant ist die Verschiebung der Schuld: Das Eingeständnis, "frech wie Rotz" gewesen zu sein, wird sofort relativiert, indem der Vater als eigentlicher Sündenbock identifiziert wird ("der ist das Schwein!"). Hier zeigt sich ein klassischer Abwehrmechanismus und ein Hinweis auf mögliche familiäre Konflikte, die an Weihnachten besonders aufbrechen.
Die Drohkulisse eskaliert in der finalen Strophe. Aus der verbalen Konfrontation wird eine handfeste Androhung von Gewalt. Die "Rute" des Weihnachtsmannes trifft auf die "Wumme" des Vaters, ein krasser Kontrast, der jeglichen Zauber zerstört. Die Pointe liegt im letzten Vers: Das Kind will zwar die Geschenke ("prallen Sack"), verbannt aber den Überbringer. Es ist eine reine Konsumhaltung, frei von jedem Glauben oder Respekt. Das Gedicht ist somit weniger eine Weihnachtsgeschichte als eine Studie über Trotz, enttäuschte Erwartungen und die Entmythologisierung kindlicher Autoritätsfiguren.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Es erzeugt eine durchweg gereizte, aggressive und trotzige Grundstimmung, die mit einer Prise schwarzem Humor gewürzt ist. Man spürt die Anspannung und den inneren Aufruhr des sprechenden Kindes. Für den erwachsenen Leser oder Zuhörer entsteht dabei eine ambivalente Atmosphäre: Einerseits Befremden über die Respektlosigkeit, andererseits Anerkennung für die schonungslose Offenheit und die satirische Brechung der heiligen Weihnachtsfigur. Es ist eine Stimmung der Entlarvung und der komischen Desillusionierung.
Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
Dieses Gedicht ist die perfekte Wahl für alle, die dem klassischen Weihnachtsprogramm eine unkonventionelle Note verleihen möchten. Es eignet sich hervorragend für gesellige Erwachsenenrunden, bei denen über die Tücken der Festtage gelacht werden kann, oder für lockere Familienfeiern mit älteren Kindern und Teenagern. Es ist ein brillanter Beitrag für einen alternativen Weihnachsleseabend, eine Kabarett-Veranstaltung in der Adventszeit oder einfach als amüsanter Kontrapunkt in der eigenen Weihnachtspost an gleichgesinnte Freunde.
Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Primär richtet es sich an ein erwachsenes Publikum, das die Ironie und Gesellschaftskritik zu schätzen weiß. Jugendliche und junge Erwachsene ab etwa 14 Jahren können mit der trotzigen Haltung und der rebellischen Sprache besonders viel anfangen. Es spricht also alle an, die genug von "Stille Nacht" haben und sich über die oft stressige und konfliktbeladene Realität des Festes amüsieren können.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Von einem Vortrag vor kleinen Kindern ist dringend abzuraten, da es ihre Weihnachtswelt zerstören und zu Verwirrung führen könnte. Ebenso wenig eignet es sich für sehr traditionelle, fromme oder formelle Weihnachtsfeiern, wo es wahrscheinlich als geschmacklos und verletzend empfunden würde. Menschen, die den Zauber der Weihnacht ungebrochen genießen möchten, sollten zu diesem Gedicht lieber Abstand halten.
Detaillierte Vortrags- und Inszenierungstipps
Der Erfolg des Vortrags lebt von der authentischen Darstellung des trotzigen Jugendlichen. Beginnen Sie mit einer betont süßlichen, fast schon unterwürfigen Stimme bei der ersten Zeile, um dann sofort in einen defensiv-aggressiven Tonfall zu wechseln. Bauen Sie sprecherische Pausen ein, besonders vor den beleidigenden Ausdrücken wie "Obermotz" oder "Schwein", um deren Wirkung zu steigern. Die Frage "Wo ist er nur?" kann man suchend und anklagend im Raum wirken lassen.
Für eine Inszenierung können Sie einfache Requisiten nutzen: Eine Weihnachtsmannmütze, die Sie zu Beginn aufsetzen und am Ende verächtlich wegwerfen oder zu Boden stampfen. Die Gestik sollte herausfordernd sein - Hände in den Hosentaschen, ein breitbeiniger Stand, ein finsterer Blick. Bei der Drohung "Sonst hol' ich Papas Wumme raus!" kann eine pantomimische Geste Richtung Hosentasche oder unter das Sofakissen die Komik unterstreichen. Wichtig ist, die Rolle bis zum bitterbösen Ende durchzuziehen und den letzten Vers "Doch du, du Penner, du kannst gehn!" mit echter Verachtung zu sprechen.
Abschließende Empfehlung
Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie die Weihnachtsfeier auflockern und für einen unvergesslichen Lacher sorgen möchten. Es ist der ideale Beitrag, wenn die Stimmung bereits etwas gelöst ist und Sie mit einem satirischen Höhepunkt punkten wollen. Perfekt ist es auch als Antwort auf allzu schwülstige oder heuchlerische Festtagsreden. Setzen Sie es gezielt als rhetorische Granate ein, um zu zeigen, dass Weihnachten nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen, sondern auch ganz menschliche Konflikte und unfassbar komische Situationen hervorbringen kann. Es ist ein Garant für Gesprächsstoff lange nachdem die Kerzen ausgeblasen sind.
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