Der Weihnachtsmann
Kategorie: lustige Weihnachtsgedichte
Der Weihnachtsmann
Es war einmal ein Weihnachtsmann,Autor: unbekannt
der hatte Ren und Schlitten,
doch sah ich ihn gar irgendwann,
da kam er nur geritten.
Da fragte ich den Weihnachtsmann,
wer ihm den Schlitten nahm,
da nahm er fast schon Haltung an
und sprach wie ´s dazu kam.
Ich bin nun schon der Weihnachtsmann,
seit vielen hundert Jahren,
hielt niemals an den Kneipen an,
bin stets vorbei gefahren.
Nur heute bin ich Weihnachtsmann,
einmal schwach gewesen,
erlag dem warmen Kneipenbann,
ich wollt nur einen Heben.
Traurig sprach der Weihnachtsmann,
es waren dann wohl mehr,
ich war dann mit dem Zahlen dran,
doch war der Sack schon leer.
Nun, mein lieber Weihnachtsmann,
sprach der Wirt zu mir,
dann bleibt von deinem Rehngespann
der tolle Schlitten hier.
Jetzt reit ich armer Weihnachtsmann,
hinauf zum Himmelszelt
und hol, damit ich zahlen kann
noch einen Säckel Geld.
Da ritt der arme Weihnachtsmann,
die Weihnacht fiel heut aus,
bevor sie überhaupt begann,
so ging ich schnell nach Haus.
Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
Das Gedicht "Der Weihnachtsmann" wirkt auf den ersten Blick wie eine heitere, fast slapstickartige Anekdote aus der Weihnachtswelt. Es entfaltet jedoch eine überraschende Tiefe, indem es die ikonische Figur des Weihnachtsmanns von ihrem unfehlbaren Podest holt und sie mit sehr menschlichen Schwächen konfrontiert. Die Wirkung ist eine charmante Mischung aus Schadenfreude, Mitgefühl und augenzwinkernder Erkenntnis, dass selbst mythologische Figuren nicht vor kleinen Fehltritten gefeit sind. Es bricht mit der üblichen, oft kitschigen Weihnachtstradition und bietet stattdessen eine erfrischend bodenständige und humorvolle Perspektive.
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Das Gedicht erzählt in einfacher, volksliedhafter Sprache eine tragikomische Begebenheit. Der Weihnachtsmann, Symbol für unbeschwerte Freude und grenzenlose Großzügigkeit, begeht einen folgenschweren Fehler: Er unterliegt der Versuchung des "warmen Kneipenbanns". Diese Formulierung ist zentral. Der "Bann" deutet auf eine fast magische Verlockung hin, die selbst einen jahrhundertealten Weihnachtsmann überwältigen kann. Seine anfängliche Behauptung, "hielt niemals an den Kneipen an", unterstreicht die Einmaligkeit und Schwere des Vergehens.
Die Konsequenzen sind drastisch und wirken wie eine moderne Parabel auf Schulden und Pfändung. Der Weihnachtsmann, der sonst Gaben verteilt, muss selbst zahlen, findet aber seinen Sack leer. Der Wirt, als pragmatischer Geschäftsmann, behält kurzerhand den Schlitten als Pfand. Diese Umkehrung der Rollen – der Geber wird zum Schuldner, das magische Transportmittel wird gepfändet – ist der Kern des Humors und der menschlichen Note des Gedichts. Die finale Resignation, "die Weihnacht fiel heut aus", ist nicht nur wörtlich zu nehmen, sondern auch als poetisches Bild für eine entzauberte, durch menschliche Unzulänglichkeit vereitelte Festlichkeit. Der Erzähler geht "schnell nach Haus", enttäuscht, aber vielleicht auch mit dem tröstenden Gedanken, dass selbst der Weihnachtsmann nicht perfekt ist.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Das Werk erzeugt eine ambivalente, vielschichtige Stimmung. Primär dominiert ein heiter-ironischer Grundton, der aus der absurden Vorstellung des betrunkenen und zahlungsunfähigen Weihnachtsmanns resultiert. Darunter legt sich jedoch eine leise Melancholie und ein Gefühl des Scheiterns. Die Stimmung schwankt zwischen belustigter Schadenfreude und einem fast mitleidigen Bedauern für die titelgebende Figur. Es ist keine durchweg fröhliche Weihnachtsstimmung, sondern eine erwachsene, nachdenkliche und letztlich sehr menschliche Variante davon, die mit einem Lächeln und einem kleinen Seufzer endet.
Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
Dieses Gedicht ist kein klassisches Kinder-Weihnachtsgedicht. Es eignet sich hervorragend für gesellige Anlässe unter Erwachsenen, bei denen der Humor nicht zu feierlich sein muss. Perfekt ist es für:
- Weihnachtsfeiern im Kollegen- oder Freundeskreis, besonders zum Auftakt oder als humorvoller Programmpunkt.
- Bunte Abende oder gesellige Runden in der Adventszeit, in denen auch mal über den Tellerrand der traditionellen Weihnachtslyrik geschaut werden soll.
- Als augenzwinkernder Beitrag in einer Weihnachtszeitung oder auf einer persönlichen Weihnachtskarte an gleichgesinnte Freunde.
- Als humoristischer Kontrapunkt in einem ansonsten eher besinnlichen Gedichtvortrag, um für Auflockerung zu sorgen.
Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Die ideale Zielgruppe sind Erwachsene und Jugendliche ab etwa 14 Jahren. Die Leser oder Zuhörer sollten über einen gewissen Lebenshorizont verfügen, um die Implikationen von Schulden, Pfändung und moralischem Versagen in ihrer ganzen Tragikomik zu erfassen. Es spricht besonders Menschen an, die traditionelle Weihnachtsgeschichten zwar schätzen, aber auch eine Prise Ironie und Realismus in der festlichen Zeit zu schätzen wissen. Für literarisch Interessierte bietet es zudem einen reizvollen Bruch mit dem gängigen Weihnachtsmann-Klischee.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Von einem Vortrag vor jüngeren Kindern ist unbedingt abzuraten. Das Gedicht würde das kindliche Weihnachtsmann-Bild unnötig stören und könnte Verunsicherung hervorrufen. Ebenso eignet es sich weniger für sehr formelle, streng besinnliche oder religiös geprägte Weihnachtsfeiern, da sein humorvoller und leicht sarkastischer Unterton dort möglicherweise als deplatziert empfunden werden könnte. Menschen, die an der ungetrübten, magischen Weihnachtsidylle festhalten möchten, sollten vielleicht zu einem anderen Gedicht greifen.
Vortrags- und Inszenierungstipps
Der Vortrag sollte die Doppelbödigkeit der Geschichte einfangen. Beginnen Sie mit einer fröhlichen, fast märchenhaften Tonlage ("Es war einmal..."). Bei der Schilderung des Kneipenbesuchs ("einmal schwach gewesen") kann die Stimme vertraulicher, fast verschwörerisch werden. Die Klage des Weihnachtsmanns ("Traurig sprach der Weihnachtsmann") verlangt nach einem echten Stimmungswechsel hin zu Bedauern und Resignation. Die Worte des Wirten können forsch und geschäftsmäßig gesprochen werden. Der Schluss ("so ging ich schnell nach Haus") bietet Raum für einen trockenen, nachdenklichen oder leicht enttäuschten Tonfall.
Für eine Inszenierung in der Gruppe: Ein Sprecher kann den Erzähler geben, eine zweite Stimme (mit vielleicht etwas brummiger, betrübter Färbung) den Weihnachtsmann und eine dritte, nüchternere Stimme den Wirt. Einfache Requisiten wie eine leere Geldbörse oder ein imaginärer Zügel können die Handlung unterstreichen. Wichtig ist, den humoristischen Kern nie in alberne Überzeichnung abgleiten zu lassen, sondern die menschliche Tragikomik im Vordergrund zu halten.
Abschließende Empfehlung
Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie die Weihnachtszeit nicht nur besinnlich, sondern auch mit einem Schmunzeln und einem Blick für menschliche Schwächen begehen möchten. Es ist das perfekte literarische Werk für den zweiten oder dritten Advent, wenn die erste festliche Begeisterung etwas nachgelassen hat und man für eine humorvolle, erdende Geschichte dankbar ist. Es eignet sich hervorragend, um unter Erwachsenen das Eis zu brechen und eine Diskussion über die oft überhöhten Erwartungen an die "perfekte" Weihnacht anzuregen. Es ist weniger das Gedicht für den Heiligen Abend im engsten Familienkreis, sondern vielmehr für die geselligen Vorfreude-Tage davor, an denen auch mal gelacht werden darf über den armen Weihnachtsmann, der seinen Schlitten versetzte.
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