Oh du schöne Weihnachtszeit

Kategorie: lustige Weihnachtsgedichte

Oh du schöne Weihnachtszeit

Es begann vor vier Wochen am ersten Advent,
alle hatten an dem Sonntag etwas länger gepennt,
da hatte ich eine tolle Idee,
wir besuchen den Weihnachtsmarkt, es liegt zwar kein Schnee,
draußen sind´ ca. fünfzehn Grad
da brauchst du kein Schlitten, kannst fahr´n mit dem Rad.

Wir haben zum Mittag extra nicht gegessen,
dort konnte man lecker Bratwurst essen
Die Auswahl war groß, der Geldbeutel klein,
es muss aber nicht immer teuer sein,
es soll nur ein wenig Freude machen,
wie schön ist es doch, wenn Kinder lachen.

Es gab kandierte Äpfel, Mandeln, Nüsse, Zuckerwatte,
man gut, dass ich genug Geld mithatte.
Für die Enkel tue ich das gern,
wie sagt man immer, raue Schale, weicher Kern.

Der Weihnachtsmarkt war wunderschön bunt,
im Kinderkarussell und auch sonst ging es rund.
Für mich war das so richtig nischt,
ich hätte lieber ´ n paar Bier und nen ,, Fuchs " gezischt.
Aus weiser Voraussicht habe ich auf dem Markt,
die Fahrräder neben dem Bierstand geparkt.

Meine Frau sagte dann zu mir, kommt gar nicht in Frage,
du kannst mal aussetzen mit Saufen für´n paar Tage,
Ich fand die Idee nicht so prima,
aber was tut man nicht alles, für ein gutes Klima.

Den Baum auf dem Markt fanden alle bewegend,
er leuchtete herrlich aus diese Gegend.
Sie ist schon schön diese Weihnachtszeit,
schade nur, es hatte noch nicht geschneit.

Ich hätte mich gefreut auf eine weiße Schicht,
dann sieht man mal den grauen Alltag nicht.
Die Vorweihnachtszeit vergeht wie im Flug,
man bekommt von ihr einfach nicht genug.

Früher sind wir mit dem Trabi in den Wald gejagt,
hatten vorher höflich den Förster gefragt,
sag mal, wo steht denn hier ein schöner Baum,
er fand ihn auch gleich, man glaubt es kaum.

Der kannte sich aus in seinem Wald,
hatte dort sicher mal öfter geknallt.
Mit seinem Gewehr hat er das gemacht,
was habt ihr denn sonst so gedacht,

Heute ist das alles nicht so stressig,
fährst auf den Baumarkt, unheimlich lässig,
wenn du es machen willst exakt und genau,
dann nimmst du mit, deine liebe Frau.

Denn vor einem Jahr hat sie sich die Haare gerauft,
sie fragte, wo hast du diesen Besenstiel gekauft?
Seitdem sucht sie sich den Weihnachtsbaum selber aus,
dann gibt es wenigsten keinen Streit im Haus.

Den Baum aufzustellen ist dann meine Pflicht,
ein anderer kann, oder will es nicht.
Ein Tag vor Heiligabend ging es dann ran,
ich spitzte den Baum dann unten an,
eine weitere Spitze brauchte er keine,
denn oben hatte er ja schon eine.

Ab in den Ständer, ja das geht,
nochmal nachgeschaut, ob er auch richtig steht.
Die Frau sagte dann, jetzt steht er richtig,
ich glaubte ihr, denn ihre Meinung ist wichtig.
Man weiß genau, dass es sehr schlecht geht,
wenn so ein Ding nicht richtig steht.

Dann wurde der Weihnachtsbaum geschmückt,
habe ich mich immer gern vor gedrückt.
Unsere Kinder freuten sich darauf sehr,
das ist aber schon etwas länger her.

Zum Schluss kam an den Baum eine Lichterkette,
im Raum stand dann wie immer die Wette,
brennt denn heute mal das Licht,
oder brennt es wie immer, nicht.

Man begann dann vorher schon zu scherzen,
wo ist denn nur der Ersatz von den Kerzen.
Eine Frage die dann jeden bewegt,
man hatte sie schließlich gut weggelegt.

Und siehe da, man glaubt es kaum,
die Lichter brannten alle an dem Baum.
So wurde die Frage die jeden bewegt,
erst mal auf´s nächste Jahr verlegt.

Der Baum war gerade, nicht ein bisschen krumm,
insgesamt fiel er nur dreimal um,
wir haben ihn dann wieder schnell bestückt,
er sah jedesmal anders aus,
als wir ihn neu geschmückt.

Dann hatten wir die Lösung gefunden,
wir haben ihn mit nem Strick an die Decke gebunden.
Nun stand er da in voller Pracht,
es war bereits dunkel, aber noch nicht Nacht-

Im Schrank wurde noch mal nachgeschaut,
ob alle Geschenke auch gut verstaut.
Dann haben wir uns mit ruhigem Gewissen,
in die kuscheligen Betten geschmissen.

In der Nacht fuhr ich in die Stadt wie besessen,
ich hatte noch viele Geschenke vergessen.
Im Kaufhaus stand ein großer Mann,
der hatte einen roten Mantel an,
er fragte mich ob ich auch artig war,
ich sagte natürlich, das ganze Jahr.

Er führte mich zu einem großen Baum,
der war bestimmt zehn Meter hoch im Raum.
Hier sind viele Geschenke, du brauchst kein Geld,
hier kannst du dir nehmen, was dir gefällt.

Überall Geschenke, unter´m Baum, an den Zweigen,
man brauchte nur mit dem Finger darauf zu zeigen,
schon lagen sie eingewickelt in Papier, neben dir.
Gutscheine waren auch unter den Geschenken,
alles was man sich konnte denken.

Auf dem einen stand geschrieben, das ewige Leben,
ich dachte nur, das kann´s doch nicht geben,
jetzt ziehst du so lange an dem Ast,
bis du den Schein in den Händen hast.

Ich wollte den Schein haben und zog und zog,
der ganze Baum sich schon mächtig bog,
auf einmal fiel er um der Baum,
und ich wachte auf aus meinem Traum.

Nun war er endlich da,
der Tag der Bescherung, in diesem Jahr.
Zum Mittag lag auf unser´m Tisch,
wie jedes Jahr ein toller Fisch.

Es war ein Karpfen, so ca. vier Pfund,
den schoben wir dann mit Genuss in den Mund.
Er wurde in der Röhre gebraten,
nach einer Stunde war er prima geraten.

Dazu gab´s Kartoffeln und Äpfel gerieben,
darunter konnte man Meerrettich schieben,
das war nämlich unser spezieller Trick,
das gab der Mahlzeit den gewissen Kick.

Das Rezept hatten wir von Oma erworben,
die war aber inzwischen leider schon gestorben,
sie schaute sicherlich runter von einem Stern,
sie mochte Karpfen auch unheimlich gern.

Nachdem der Tisch von den Resten geräumt,
wurde auf dem Sofa noch ne Stunde geträumt.
Die Enkelkinder hielten wir noch ein bisschen hin,
der Weihnachtsmann ist noch in der Stube drin.
So gegen 17.00 Uhr war es dann so weit,
für Geschenke wurde es dann höchste Zeit.

Die Türe auf und alle rein,
der Baum hatte einen bunten Schein
und drunter lagen die ganzen Gaben,
ob sie auch für mich eine haben?

Ich war ja artig, das hatte ich ihm schon mal gesagt,
als er mich im Traum gefragt.
Meine Frau die wusste dann,
wo das Geschenk lag für mich, vom Weihnachtsmann.
Ich machte das Päckchen auf und siehe da,
genau dasselbe wie im letzten Jahr.

Ein buntes Hemd, fünf Paar Socken,
ne Flasche Wein, wie immer trocken
und ich dachte so bei mir dann,
ein gutes Gedächtnis hat der alte Mann

Ich weiß manchmal nicht, was vor drei Tagen war
und der wusste noch alles vom letzten Jahr.
Ein zartes Lächeln traf meine Frau,
dass sie der ,, Mann " war, wusste ich genau.

Dann gab ich ihr mein Geschenk mit leichtem Grienen,
es war wie jedes Jahr, eine Schachtel Pralinen.
Am Abend gab´s für alle noch ein Gläschen Sekt,
der war nicht trocken, der hat geschmeckt.

Es gab dann noch zwei Weihnachtstage,
die waren besinnlich, keine Frage.

Allen eine schöne Weihnachtszeit.
Autor: Gerd Ludwig

Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung

Das Gedicht "Oh du schöne Weihnachtszeit" von Gerd Ludwig entfaltet eine unmittelbar herzliche und humorvolle Wirkung. Es nimmt Sie mit auf eine Reise durch die ganz persönlichen, manchmal chaotischen, aber stets liebevollen Vorbereitungen und Erlebnisse einer modernen Familie in der Advents- und Weihnachtszeit. Statt hochtrabender Romantik bietet es einen erfrischend ehrlichen und schmunzelnden Blick auf Traditionen, kleine Missgeschicke und das familiäre Miteinander. Die Wirkung ist weniger besinnlich-still, sondern vielmehr lebendig, warm und unglaublich nahbar, sodass Sie sich sicher in der einen oder anderen Szene wiedererkennen werden.

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Gerd Ludwig erzählt in seinem Gedicht keine idealisierte Weihnachtsgeschichte, sondern eine episodenhafte Chronik mit allen Höhen und Tiefen. Der Aufbau folgt dem natürlichen Ablauf der Wochen vor dem Fest bis hin zum Heiligabend. Beginnend mit dem ersten Advent und einem Weihnachtsmarktbesuch bei mildem Wetter stellt der Autor sofort eine realistische, unverklärte Atmosphäre her. Die Schilderungen sind voller kleiner, authentischer Details: vom knappen Geldbeutel über den Wunsch nach einem Bier bis hin zur pragmatischen Parkplatzwahl neben dem Bierstand.

Ein zentrales Motiv ist der humorvolle Generationenvergleich. Die nostalgische Erinnerung an das Baumfällen im Wald mit dem Förster kontrastiert wirkungsvoll mit dem heutigen, weniger abenteuerlichen Kauf im Baumarkt. Die Szene, in der der Baum mehrfach umfällt und schließlich an die Decke gebunden wird, ist ein köstliches Sinnbild für den liebevollen Kampf mit den alljährlichen praktischen Herausforderungen. Der Traum des Sprechers, in dem ein großzügiger Weihnachtsmann ihm alle Wünsche erfüllt, nur um im dramatischen Baumsturz zu enden, unterstreicht die Sehnsucht nach dem Wunderbaren, das jedoch stets von der Realität eingeholt wird.

Die Bescherung selbst wird mit einem Augenzwinkern dargestellt. Die vorhersehbaren Geschenke – das bunte Hemd, die Socken, der trockene Wein und die Pralinen – zeugen von einer liebgewonnenen Routine und einem stillen Einverständnis zwischen den Partnern. Das Gedicht endet nicht mit dem Höhepunkt am 24., sondern betont die besinnliche Länge der gesamten Festtage. Es ist eine Hommage an das gewachsene, manchmal schrullige, aber im Kern tief verbundene Familienleben.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Gedicht erzeugt eine durchweg warmherzige und heitere Stimmung. Es ist eine Mischung aus gemütlicher Vorfreude, amüsiertem Lächeln über die eigenen Macken und einer tiefen Zufriedenheit mit den einfachen, wiederkehrenden Ritualen. Leichte Melancholie schwingt nur an wenigen Stellen mit, etwa bei der Erwähnung der verstorbenen Oma oder dem Hinweis, dass die Zeit des Baumschmückens mit den eigenen Kindern "schon etwas länger her" ist. Diese Momente vertiefen jedoch die emotionale Resonanz, ohne die grundlegende, optimistische und humorvolle Grundstimmung zu trüben. Insgesamt fühlt man sich als Leser eingeladen, die eigene, vielleicht nicht perfekte Weihnachtszeit mit einem liebevollen Schmunzeln zu betrachten.

Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?

Dieses Gedicht ist ein vielseitiger Begleiter für verschiedene gesellige Anlässe in der Vorweihnachtszeit. Es eignet sich hervorragend für gemütliche Familien- oder Freundestreffen, bei denen man gemeinsam lachen und sich erinnern möchte. Auf Weihnachtsfeiern von Vereinen oder im Kollegenkreis, die einen lockeren und persönlichen Ton suchen, kommt es ebenfalls sehr gut an. Da es lange Passagen enthält, ist es ideal zum Vorlesen bei Adventstreffen am Kamin oder am gedeckten Kaffeetisch. Die alltagsnahen Themen bieten zudem einen perfekten Gesprächseinstieg, um über eigene, ähnliche Weihnachtserlebnisse zu plaudern.

Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Die primäre Zielgruppe sind Erwachsene und ältere Jugendliche, die bereits eigene Erfahrungen mit der Organisation und dem Erleben von Weihnachten in der Familie gesammelt haben. Besonders Personen in der Lebensmitte, die selbst Kinder haben oder bereits Enkelkinder beschenken, werden die Perspektive des Sprechers und die beschriebenen Situationen unmittelbar nachvollziehen können. Auch ältere Semester schätzen den humorvollen Blick auf den Wandel der Zeit und die liebevolle Darstellung familiärer Bande. Jugendlichen ab etwa 14 Jahren erschließt sich der ironische Unterton und die liebevolle Kritik an Weihnachtstraditionen oft sehr gut.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Für Leser, die nach einem traditionellen, feierlich-ernsten oder religiös geprägten Weihnachtsgedicht suchen, ist dieses Werk weniger geeignet. Der lockere, umgangssprachliche Ton und die Betonung des Alltäglichen könnten von ihnen als zu profan empfunden werden. Auch für sehr junge Kinder, die noch an den mythischen Weihnachtsmann glauben, sind Passagen wie die über den Traum oder die scherzhaften Kommentare zur Bescherung möglicherweise nicht ideal. Wer eine kurze, prägnante Lyrik erwartet, sollte bedenken, dass es sich hier um eine längere, erzählende Geschichte in Versform handelt, die Zeit und Aufmerksamkeit beansprucht.

Vortrags- und Inszenierungstipps

Um den Charme des Gedichts voll zur Geltung zu bringen, empfehlen sich folgende Tipps für einen gelungenen Vortrag:

  • Tonfall wählen: Lesen Sie das Gedicht nicht pathetisch, sondern in einem plaudernden, erzählenden Tonfall, als würden Sie eine persönliche Anekdote zum Besten geben. Ein leichtes Schmunzeln sollte immer mitschwingen.
  • Pausen setzen: Nutzen Sie gezielte Pausen nach den pointierten Zeilen, etwa nach "insgesamt fiel er nur dreimal um" oder "genau dasselbe wie im letzten Jahr". Das gibt dem Publikum Zeit zum Lachen und Mitdenken.
  • Stimme modulieren: Heben Sie sich bei den Dialogen leicht ab. Geben Sie der "Frau" eine bestimmte, vielleicht leicht bestimmende Stimme und dem träumenden Ich-Erzähler einen staunenden oder sehnsüchtigen Unterton.
  • Unterstützung durch Ambiente: Ein Vortrag bei Kerzenschein oder im Schein des Weihnachtsbaums schafft die perfekte Atmosphäre. Leise Weihnachtsmusik im Hintergrund kann die Stimmung untermalen, sollte aber nicht vom gesprochenen Wort ablenken.
  • Interaktion: Bei einem vertrauten Publikum können Sie Blickkontakt suchen und an besonders relatierbaren Stellen (z.B. Suche nach den Ersatzkerzen) das Publikum direkt ansehen, um eine gemeinsame Reaktion zu provozieren.

Abschließende Empfehlung

Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie bei Ihrer Weihnachtsfeier oder im Familienkreis eine herzliche, ungekünstelte und humorvolle Note setzen möchten. Es ist die ideale literarische Zugabe für einen Abend, an dem Gemütlichkeit und gemeinsames Schmunzeln im Vordergrund stehen sollen, nicht formelle Andacht. Besonders passend ist es auch als Einstimmung einige Tage vor Heiligabend, wenn die Hektik des Alltags langsam der Vorfreude weicht und man Lust hat, über die kleinen und großen Tücken der Vorbereitungen zu lachen. Gerd Ludwigs Werk ist letztlich eine liebevolle Einladung, die eigene Weihnachtszeit mit all ihren Unvollkommenheiten zu umarmen und als schön zu empfinden.

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