Weihnachtsbraten

Kategorie: lustige Weihnachtsgedichte

Weihnachtsbraten

Die Weihnachtszeit hat ein Geschick,
Sie macht mich jährlich immer dick.
Denn Schoki, Braten und andere Leckereien,
Dank der Familie, lass ich´s nicht sein.
Und ist die Weihnachtszeit dann vorbei,
Hab ich die ganze Rennerei.
Die Pfunde wieder los werden,
Es wird mir wohl den Sommer verderben.
Doch gelernt hab ich wie immer nichts,
Nächstes Jahr ist der selbe Mist.
Autor: unbekannt

Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung

Das Gedicht "Weihnachtsbraten" wirkt wie ein humorvolles, selbstironisches Geständnis, das einen universellen Weihnachtskonflikt auf den Punkt bringt. Es thematisiert den alljährlichen Kampf zwischen unbändiger Vorfreude auf die Festtagsschmäuse und der anschließenden Reue über die überflüssigen Pfunde. Mit einem Augenzwinkern beschreibt es den Kreislauf aus Genuss und gutem Vorsatz, der vielen Menschen aus eigener Erfahrung nur allzu vertraut ist. Die Wirkung ist weniger besinnlich als vielmehr erfrischend ehrlich und entlarvend, was es zu einem perfekten Gegenstück zu traditionell sentimentaler Weihnachtslyrik macht.

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Das Gedicht folgt einem klaren, fast schon schicksalhaften Erzählbogen. Es beginnt mit einer personifizierten "Weihnachtszeit", der ein aktives "Geschick" zugeschrieben wird - als ob die Feiertage selbst eine List planen, um den Sprecher zuzunehmen. Die Zeile "Sie macht mich jährlich immer dick" unterstreicht die Regelmäßigkeit und Unausweichlichkeit dieses Prozesses. Die Aufzählung "Schoki, Braten und andere Leckereien" fungiert als kulinarische Metapher für die komplette Überflusskultur der Feiertage.

Interessant ist die Begründung für das Überessen: "Dank der Familie, lass ich´s nicht sein." Hier schimmert der soziale Druck oder die liebevolle Ermutigung durch die Familie durch, die jeden Diätplan über den Haufen wirft. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt die Konsequenzen. Die "ganze Rennerei" ist ein treffendes Bild für den stressigen Versuch, die Folgen des Genusses durch Sport und Disziplin rückgängig zu machen. Die Befürchtung "Es wird mir wohl den Sommer verderben" weitet die Wirkung der Weihnachtssünden auf die halbe Jahreszeit aus und steigert die Komik.

Die Pointe liegt in der trotzigen Einsicht der letzten beiden Zeilen. Das Eingeständnis "Doch gelernt hab ich wie immer nichts" und die flapsige Prognose "Nächstes Jahr ist der selbe Mist" offenbaren eine zyklische Resignation. Es ist keine echte Reue, sondern die akzeptierte Vorwegnahme des nächsten genußvollen Fehlers. Das Gedicht ist somit weniger eine Klage als eine feiernde Kapitulation vor den Freuden der Tafel.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das lyrische Werk erzeugt eine durchweg heitere und gesellige Stimmung, die von sympathischer Selbstironie getragen wird. Es vermeidet jeden Anflug von Wehmut oder tiefgründiger Besinnlichkeit. Stattdessen dominiert ein Gefühl des Wiedererkennens und der gemeinsamen Schadenfreude. Der Leser schmunzelt mit dem Sprecher über die eigene menschliche Schwäche. Die Grundstimmung ist entspannt, unverkrampft und lädt dazu ein, die weniger spirituellen, aber sehr realen Freuden der Festtage mit Humor zu betrachten. Es ist die Stimmung eines Seufzers, dem ein Grinsen folgt.

Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?

Dieses Gedicht ist ein idealer Begleiter für lockere, gesellige Zusammenkünfte rund um die Feiertage. Es passt perfekt auf die Weihnachtsfeier im Freundeskreis oder im Büro, wo es für Lacher und Zustimmung sorgen wird. Auch während oder nach dem üppigen Weihnachtsessen am Familientisch kann es als amüsanter Kommentar zum eigenen Völlegefühl vorgetragen werden. Darüber hinaus eignet es sich hervorragend für humorvolle Weihnachtskarten, Social-Media-Posts in der Vorweihnachtszeit oder als augenzwinkernder Beitrag in einem festlichen Newsletter. Es lockert jede Atmosphäre auf, die durch zu viel traditionelle Ernsthaftigkeit geprägt ist.

Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Die Zielgruppe für diesen lyrischen Text sind primär Erwachsene und Jugendliche ab etwa 14 Jahren, die den beschriebenen Kreislauf aus Völlerei und Reue bereits aus eigener Lebenserfahrung kennen. Besonders ansprechend ist es für Menschen, die Weihnachten nicht nur spirituell, sondern auch als kulinarisches Hochfest schätzen und darüber lachen können. Es spricht jene an, die eine humorvolle, unverkitschte Perspektive auf die Feiertage suchen. Auch für Personen, die mit klassischer Weihnachtslyrik wenig anfangen können, bietet dieses Gedicht einen perfekten, zugänglichen Einstieg.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Weniger geeignet ist das Gedicht für sehr formelle oder streng religiöse Weihnachtsfeiern, bei denen der Fokus ausschließlich auf der besinnlichen und traditionellen Bedeutung des Festes liegt. Für kleine Kinder, die den ironischen Unterton und die selbstkritische Haltung noch nicht verstehen, ist der Inhalt nicht passend. Ebenso könnte es für Personen, die mit ernsthaften Gewichts- oder Essproblemen kämpfen, unangemessen oder verletzend wirken, da es das Thema auf eine leichtfertige Weise behandelt. Wer nach tiefgründiger, romantischer oder nostalgischer Weihnachtsstimmung sucht, wird hier nicht fündig.

Vortrags- und Inszenierungstipps

Für einen gelungenen Vortrag sollten Sie eine lockere, erzählende und leicht überzeichnete Haltung einnehmen. Beginnen Sie mit einem seufzenden Ton in der ersten Strophe, um das vermeintliche "Geschick" zu betonen. Bei der Aufzählung der Leckereien können Sie genüsslich die Stimme schwelgen lassen. Der Satz "Dank der Familie..." sollte mit einem deutlichen Augenzwinkern und vielleicht einem Schulterzucken vorgetragen werden, um den sozialen Druck humorvoll darzustellen.

Steigern Sie das Tempo und die leichte Verzweiflung bei der "Rennerei". Ein kurzer Innehalten bei "Es wird mir wohl den Sommer verderben" verstärkt die komische Tragik. Die letzten beiden Zeilen sind der entscheidende Pointen-Treffer. Sprechen Sie sie mit einer Mischung aus trotziger Einsicht und heiterer Resignation, fast schon als triumphierendes Eingeständnis. Eine kleine Pause vor "Nächstes Jahr ist der selbe Mist" und dann ein entschlossenes Nicken können die Wirkung perfekt machen. Für eine Inszenierung in der Gruppe könnten verschiedene Sprecher die Rollen des Genießers und des moralischen Gewissens übernehmen.

Abschließende Empfehlung

Wählen Sie dieses Gedicht genau in dem Moment, in dem Sie den Bauch nach dem dritten Christstollen voller Zufriedenheit streicheln und ein erstes schlechtes Gewissen aufkeimt. Es ist der ideale Text, um dieses universelle Gefühl in Worte zu fassen und es gemeinsam ins Lächerliche zu ziehen. Nutzen Sie es als humorvolles Ventil zwischen all den besinnlichen Liedern und ernsten Texten. Es eignet sich perfekt, um am Heiligabend nach dem Festmahl die Runde zum Schmunzeln zu bringen oder um einer Weihnachtskarte an gute Freunde, die Ihren Kampf mit der Plätzchendose teilen, eine persönliche und ehrliche Note zu verleihen. Es ist die literarische Entsprechung eines herzhaften Lachens - die beste Medizin gegen Weihnachtsstress und übertriebene Reue.

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