Christkind

Kategorie: lustige Weihnachtsgedichte

Christkind

Denkt Euch, ich habe das Christkind gesehen.
Ich hab's überfahren, es war ein Versehen.
Ich hatte gerade die Äuglein zu,
Ich träumte beim Fahren in himmlischer Ruh
Das Christkind hat in dieser heiligen Nacht Bekanntschaft mit meinem
Kühler gemacht.

Später sah ich auch noch den Weihnachtsmann
Er feuerte grad' seine Renntiere an.
Ich überholte den langsamen Wicht,
Doch sah ich den Gegenverkehr dabei nicht.
Ich wich noch aus, doch leider nicht der Santa,
Ein kurzes Rumsen und er klebte am Manta.

Am Ende sah ich auch den Nikolaus,
Er stürmte gerade aus dem Freudenhaus.
Er kam ganz hektisch über die Kreuzung gelaufen,
Wollt am Automaten neue Präser sich kaufen.
Mein Auto und mich hat er wohl nicht geseh'n,
Jedenfalls blieben von ihm nur die Stiefel steh'n.

So ist die Moral von dem Gedicht,
Fahr zu schnell Dein Auto nicht.
Denn als ich zuhaus war, da mußte ich heulen,
Mein schöner Wagen, der hatte drei Beulen,
Vom Christkind, vom Niklas und vom Santa Claus.
Ja, dieses Jahr fällt Weihnachten dann wohl aus...
Autor: Lea Burkhardt

Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung

Das Gedicht "Christkind" von Lea Burkhardt wirkt auf den ersten Blick schockierend und absurd, entpuppt sich bei näherer Betrachtung jedoch als eine äußerst humorvolle und zeitkritische Satire. Es bricht bewusst mit der traditionellen, besinnlichen Weihnachtslyrik und erzeugt durch die groteske Schilderung von Verkehrsunfällen mit mythischen Weihnachtsfiguren eine komische bis makabre Spannung. Die Wirkung entsteht aus dem Kontrast zwischen der heiligen Nacht und der profanen, von Hektik und Unfällen geprägten Realität des lyrischen Ichs. Der Leser wird zum Schmunzeln gebracht, gleichzeitig aber auch zu einem nachdenklichen Lächeln über die eigenen Weihnachtsstress-Erfahrungen veranlasst.

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Das Gedicht erzählt in drei Strophen eine zusammenhängende, tragikomische Geschichte. Das lyrische Ich berichtet in der Ich-Perspektive, wie es nacheinander die zentralen Symbole des Weihnachtsfestes - das Christkind, den Weihnachtsmann (Santa Claus) und den Nikolaus - mit seinem Auto anfährt. Jeder "Unfall" wird mit einer scheinbar naiven, entschuldigenden Begründung versehen ("Ich hatte gerade die Äuglein zu", "Ich träumte beim Fahren in himmlischer Ruh"), was die Absurdität der Situation noch steigert.

Die Interpretation muss die satirischen Elemente in den Vordergrund stellen. Das Gedicht persifliert nicht nur klassische Weihnachtsmotive, sondern kommentiert auch moderne Phänomene: die Hektik der Feiertage ("Er feuerte grad' seine Renntiere an"), die Kommerzialisierung (Nikolaus am "Automaten") und sogar gesellschaftliche Tabus (das "Freudenhaus"). Die "Moral", nicht zu schnell zu fahren, wirkt angesichts der surreale Vorfälle bewusst unterkomplex und ironisch. Das eigentliche Thema ist der Verlust von Magie und Tradition in einer rücksichtslosen, von Eile und Materialismus geprägten Gegenwart. Der Schluss - "Ja, dieses Jahr fällt Weihnachten dann wohl aus..." - ist die logische Konsequenz: Wer die Sinnfiguren des Festes physisch eliminiert, zerstört damit auch deren geistige Bedeutung.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Gedicht erzeugt eine einzigartige Mischung aus schwarzem Humor, leichtem Grusel und gesellschaftskritischer Heiterkeit. Die anfängliche Irritation ("Ich hab's überfahren") weicht schnell einer amüsierten Fassungslosigkeit. Die Stimmung ist keinesfalls bedrohlich, sondern durch die übertriebene Darstellung und den flapsigen Erzählton eher locker und unterhaltsam. Es liegt eine gewisse Rebellionslust in der Luft, eine Freude am Tabubruch gegenüber den oft als kitschig empfundenen Weihnachtstraditionen. Dennoch schwingt im finalen Bedauern über die "drei Beulen" am Auto und das ausgefallene Fest eine unterschwellige Melancholie mit, die den reinen Zynismus mildert.

Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?

Dieses Gedicht ist die perfekte Wahl für alle Anlässe, bei denen ein unkonventioneller, erfrischender Beitrag zum Weihnachtsfest gesucht wird. Es eignet sich hervorragend für:

  • Moderne Weihnachtsfeiern im Freundes- oder Kollegenkreis, insbesondere unter jüngeren oder humorvoll eingestellten Menschen.
  • Als pointierter Beitrag in einem alternativen Weihnachtsprogramm, das neben Besinnlichkeit auch Raum für Satire bietet.
  • Für literarische Adventstreffs oder Poetry Slams mit winterlichem Thema.
  • Als augenzwinkernde Lektüre für alle, die den alljährlichen Weihnachtsstress selbst schon einmal als "Kollision" mit dem Festideal erlebt haben.

Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Das Gedicht spricht in erster Linie ein erwachsenes Publikum an, das mit den traditionellen Weihnachtsfiguren und -bräuchen vertraut ist und die satirische Brechung zu schätzen weiß. Ideal ist es für Jugendliche ab etwa 16 Jahren und Erwachsene jeden Alters, die einen Sinn für schrägen Humor und gesellschaftliche Ironie besitzen. Auch für literarisch interessierte Leser, die an moderner, unkonventioneller Lyrik Gefallen finden, bietet der Text einen besonderen Reiz.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Von einem Vortrag vor einem sehr traditionell oder streng religiös geprägten Publikum ist abzuraten, da die blasphemisch anmutende Behandlung des Christkinds und die anzügliche Nikolaus-Strophe als verletzend oder geschmacklos empfunden werden könnte. Ebenso wenig eignet es sich für kleine Kinder, die die satirische Ebene nicht verstehen und durch die gewaltsamen Bilder (angeklebter Santa, zurückbleibende Stiefel) möglicherweise verunsichert oder ängstlich werden. Für eine klassische, besinnliche Christmette oder eine Familienfeier mit vielen Generationen und unterschiedlichen Humorvorstellungen ist dieses Werk nicht die erste Wahl.

Detaillierte Vortrags- und Inszenierungstipps

Um die volle Wirkung des Gedichts zu entfalten, empfehlen sich folgende Vortragsweisen:

  • Tonfall: Beginnen Sie mit einer scheinbar unschuldigen, fast verträumten Stimme ("Denkt Euch..."). Steigern Sie die Erzählung dann zu einer immer hektischeren, sich rechtfertigenden Berichterstattung, als müsse der Vortragende seine Unglücksserie erklären. Die Moral am Ende kann mit einem Seufzer der Resignation vorgetragen werden.
  • Pausen und Betonungen: Setzen Sie gezielt Pausen nach den schockierenden Aussagen ("Ich hab's überfahren") ein, um die komische Wirkung zu maximieren. Betonen Sie die technischen Begriffe wie "Kühler" oder "Manta", um den Kontrast zum Mythos hervorzuheben.
  • Inszenierung: Bei einer szenischen Lesung können einfache Requisiten wie ein Lenkrad oder ein verbeulter Karton (als "Auto") verwendet werden. Die drei Unfälle könnten durch kurze, pantomimische Gesten (Ruck, Aufprall) angedeutet werden.
  • Umgebung: Lesen Sie das Gedicht nicht in einer feierlich-weihnachtlichen Umgebung, sondern in einem neutralen oder modernen Setting. Dies unterstreicht den Bruch mit der Tradition.

Abschließende Empfehlung

Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie die Weihnachtszeit einmal aus einer völlig anderen, unverblümten Perspektive betrachten möchten. Es ist das ideale Stück, um in einer geselligen Runde von gestressten Erwachsenen ein befreiendes Lachen zu erzeugen und gleichzeitig ein kluges Kommentar auf den Zeitgeist zu liefern. Nutzen Sie es als humorvollen Kontrapunkt in einem ansonsten klassischen Programm oder als Hauptattraktion für eine lockere Party in der Adventszeit. "Christkind" von Lea Burkhardt beweist, dass Weihnachtslyrik nicht immer nur "Stille Nacht" sein muss, sondern auch frech, witzig und hintergründig sein darf - und genau das macht sie so besonders und erinnerungswürdig.

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