Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Kategorie: lustige Weihnachtsgedichte

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Advent, Advent,
Ein Lichtlein brennt!

Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier,
Dann steht das Christkind vor der Tür.

Und wenn das fünfte Lichtlein brennt,
Dann hast'e Weihnachten verpennt.
Autor: unbekannt

Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung

Das Gedicht "Advent, Advent, ein Lichtlein brennt" vereint auf charmante Weise zwei gegensätzliche Pole der Adventszeit: die feierliche Vorfreude und den humorvollen, leicht panischen Hinweis auf die verrinnende Zeit. Es wirkt zunächst wie ein vertrautes, kindliches Aufzählreimchen, entpuppt sich in der letzten Zeile jedoch als augenzwinkernde Warnung. Diese unerwartete Wendung sorgt für einen überraschenden und erheiternden Effekt, der den Text aus der Masse klassischer Weihnachtslyrik hervorhebt und ihn besonders einprägsam macht.

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Die erste Strophe beschwört mit dem klassischen Anfangsvers und dem Bild des brennenden Lichts die traditionelle, besinnliche Stimmung des Advents. Die zweite Strophe folgt dem erwarteten Muster: Sie beschreibt den linearen Fortschritt der vier Adventssonntage, symbolisiert durch die Kerzen am Adventskranz, und mündet in das ersehnte Ziel, die Ankunft des Christkinds. Hier bedient das Gedicht das bekannte Schema der kindlichen Vorfreude.

Die geniale Pointe und der eigentliche Mehrwert des Gedichts liegen in der dritten Strophe. Sie bricht radikal mit der zuvor etablierten Harmonie. Das "fünfte Lichtlein" ist ein paradoxes, nicht-existentes Symbol - es verweist auf den Zeitpunkt nach dem vierten Advent, also unmittelbar vor Heiligabend. Das umgangssprachliche, drastische Wort "verpennt" konterkariert die vorherige Poesie vollkommen. Es interpretiert die Adventszeit nicht nur als Zeit der Vorbereitung, sondern auch als eine Frist, die man ungenutzt verpassen kann. Das Gedicht wird so zu einer kleinen, humorvollen Moralgeschichte über Prokrastination und die Hektik der modernen Weihnachtsvorbereitungen.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Werk erzeugt eine dynamische Stimmungsmischung. Es beginnt mit einer ruhigen, erwartungsvollen und fast andächtigen Atmosphäre, die durch die einfache, rhythmische Sprache und das Symbol des Lichts aufgebaut wird. Diese Stimmung steigert sich in eine freudige Erwartungshaltung ("Dann steht das Christkind vor der Tür"). Der finale Vers schlägt dann einen überraschend heiteren und leicht schrillen Ton an. Die resultierende Gesamtstimmung ist nicht mehr nur besinnlich, sondern wird durch den humorvollen Bruch aufgelockert und wirkt dadurch authentischer und nahbarer. Es entsteht ein Gefühl der gemeinsamen, verschmitzten Anerkennung, dass die besinnliche Ideale oft im hektischen Vorweihnachtsalltag untergehen.

Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?

Dieses Gedicht ist erstaunlich vielseitig einsetzbar. Es passt perfekt zu geselligen Adventstreffen, wie dem gemeinsamen Schmücken des Weihnachtsbaums oder beim Entzünden der Adventskranzkerzen, wo es für einen Lacher sorgt. In einer Schulklasse oder Kindergartengruppe dient es als humorvoller Aufhänger, um über die Bedeutung der Adventszeit als Vorbereitungsphase zu sprechen. Für einen Weihnachtsmarkt-Auftritt oder eine kleine Familienfeier bietet es sich aufgrund seiner Kürze und pointierten Wirkung als lockere Darbietung an. Selbst in einem firmeninternen Weihnachtsnewsletter kann es als erfrischende, nicht ganz ernst gemeinte Mahnung zur rechtzeitigen Projektplanung vor den Feiertagen dienen.

Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Die primäre Zielgruppe sind Familien mit Kindern im Vor- und Grundschulalter, die den einfachen Rhythmus und die überraschende Pointe gleichermaßen genießen. Darüber hinaus spricht es aber auch Erwachene an, die den ironischen Unterton und die selbstironische Aussage vollständig erfassen und wertschätzen können. Es ist somit ein generationenübergreifender Text, der bei jüngeren Zuhörern die Freude am Reim weckt und bei den Älteren ein verständnisvolles Schmunzeln hervorruft. Auch für Jugendliche, die sich vielleicht von allzu kitschiger Weihnachtslyrik distanzieren, kann der schräge Schlussvers einen attraktiven Zugang bieten.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Für ein rein andächtiges, traditionelles Adventssingen oder eine sehr formelle Weihnachtsfeier ist der Text aufgrund seiner umgangssprachlichen und leicht derben Schlusspointe weniger geeignet. Menschen, die einen ausschließlich besinnlichen und ernsthaften Ton ohne jeden Anflug von Ironie suchen, könnten sich am letzten Vers stoßen. Ebenso ist es für sehr kleine Kinder, die den Begriff "verpennt" und dessen konzeptionelle Bedeutung (Zeit verpassen) noch nicht verstehen, möglicherweise nur in den ersten beiden Strophen zugänglich. Der volle humoristische Gehalt erschließt sich erst mit einem gewissen Verständnis für den zeitlichen Druck der Vorweihnachtszeit.

Vortrags- und Inszenierungstipps

Der Vortrag sollte den Stimmungswechsel im Gedicht widerspiegeln. Beginnen Sie langsam, klar und mit weicher Stimme, fast wie ein kleines Ritual. Bei der Zeile "Erst eins, dann zwei..." können Sie mit dem Finger mitzählen, was besonders für Kinder fesselnd wirkt. Steigern Sie die Stimme und die Freude bei "Dann steht das Christkind vor der Tür". Vor dem letzten Vers machen Sie eine deutliche, vielleicht auch übertriebene Pause, um Spannung aufzubauen. Dann wechseln Sie die Tonlage: Sprechen Sie die Schlusszeile mit einem verschmitzten Lächeln, einem Augenzwinkern und einem leicht schnelleren, dramatischeren Tempo, fast wie eine enthüllte Warnung. Eine Inszenierung mit vier echten Kerzen, die nacheinander angezündet werden, und einer übertrieben großen, komischen fünften Kerze (oder einer Taschenlampe) als Gag zum Schluss, wäre ein unvergesslicher Hingucker.

Abschließende Empfehlung

Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie die Adventsstimmung nicht nur besinnlich, sondern auch lebendig und mit einem Schuss augenzwinkernder Realität füllen möchten. Es ist die ideale Wahl für den ersten Advent, um den Beginn der Zeit humorvoll zu markieren, oder aber für den dritten oder vierten Advent, wenn die Vorbereitungshektik spürbar wird und ein gemeinsames Lachen entlastend wirken kann. Es eignet sich hervorragend als Eisbrecher bei festlichen Zusammenkünften und ist perfekt für alle, die Weihnachtstraditionen schätzen, aber auch Raum für Leichtigkeit und Selbstironie lassen wollen. Mit diesem Gedicht beweisen Sie Gespür für die wahre, vielschichtige Natur der Vorweihnachtszeit.

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