Weihnachtswetter
Kategorie: lustige Weihnachtsgedichte
Weihnachtswetter
Nun ist es wieder Weihnachtszeit.Autor: Frank Wyzujak
Die Sterne funkeln weit und breit.
Nur sehen tuen wir sie nicht.
Verhangen ist uns schlicht die Sicht.
Wie wär es schön zwischen den Flocken,
wenn wir in der Stube hocken -
ein Sternlein blinkend zu erhaschen –
Während wir vom Stollen naschen…
Doch trüb ist wiedermal der Himmel –
Höchstens etwas Regenwimmel…
Gibt die Sicht nicht wirklich frei -
auf die Weihnachtsglitzerei.
Nun dann wird`s nicht anders gehen,
müssen die Sterne anders sehen…
Ein Likör der muss es bringen -
bis ich hör die Englein singen.
Es glitzert hell in meiner Stirn.
Das Singen geht mir auf den Zwirn…
Ich will nur noch ins warme Bett
Weihnacht` war doch wieder nett…
- Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
- Ausführliche Interpretation des Gedichts
- Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
- Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
- Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
- Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
- Vortrags- und Inszenierungstipps
- Abschließende Empfehlung
Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
Frank Wyzujaks Gedicht "Weihnachtswetter" wirkt wie ein augenzwinkernder Seufzer, der die romantische Weihnachtsidylle mit der nüchternen Realität eines grauen, regnerischen Dezembers konfrontiert. Es entsteht ein humorvoller und sympathisch-menschlicher Kontrast, der viele Menschen in unseren Breitengraden unmittelbar anspricht. Die Wirkung ist nicht pathetisch, sondern erfrischend ehrlich und endet in einer trockenen, selbstironischen Pointe, die den Zauber des Festes dennoch nicht völlig leugnet.
Ausführliche Interpretation des Gedichts
Das Gedicht lässt sich in drei gedankliche Abschnitte gliedern, die den emotionalen Bogen des lyrischen Ichs nachzeichnen. Die erste Strophe etabliert den Widerspruch zwischen Erwartung und Wirklichkeit: Die festliche Zeit ist da, die Sterne sollten funkeln, doch eine trübe Wolkendecke ("Verhangen ist uns schlicht die Sicht") verwehrt den Blick. Hier wird das klassische Weihnachtssymbol des Sterns bereits als unerreichbar dargestellt.
Die zweite und dritte Strophe vertiefen diesen Kontrast durch eine traumhafte Gegenfantasie. Der Dichter malt sich aus, wie schön es wäre, zwischen Schneeflocken ("zwischen den Flocken") vom gemütlichen Zimmer aus doch einen Stern zu erhaschen - eine perfekte, kitschige Weihnachtsszene mit Stollen. Die Realität holt ihn jedoch sofort ein: "Doch trüb ist wiedermal der Himmel". Das "wiedermal" verrät Resignation und die Erfahrung vieler enttäuschter Weihnachtserwartungen. Statt Glitzerei gibt es nur "Regenwimmel", ein treffendes, lautmalerisches Wort für Nieselregen.
Der geniale und überraschende Wendepunkt folgt in der vierten Strophe. Da der äußere Himmel keine Sterne hergibt, sucht das lyrische Ich sie im Inneren: "müssen die Sterne anders sehen…". Ein Likör soll die ersehnte Weihnachtsstimmung und vielleicht sogar halluzinative "Englein" herbeizaubern. Die finale Strophe enthüllt dann die wahre, wenig besinnliche Folge: Das "Glitzern" ist nun ein Kopfschmerz ("in meiner Stirn"), das Engelsingen wird als lästig empfahren ("geht mir auf den Zwirn"). Das einzig erstrebenswerte Ziel ist das warme Bett, und das Fazit "Weihnacht` war doch wieder nett…" klingt nach müder Pflichtübung und trockenem Humor. Das Gedicht dekonstruiert so auf charmante Weise den kommerzialisierten Weihnachtsperfektionismus.
Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?
Es erzeugt eine ambivalente, aber sehr zugängliche Stimmung. Primär herrscht ein humoristischer, leicht selbstironischer und realistischer Ton vor, der von einer leisen Enttäuschung über das miese Wetter und die nicht erfüllten Klischees unterlegt ist. Diese Enttäuschung schlägt jedoch nicht in Bitterkeit um, sondern mündet in eine schmunzelnde Akzeptanz und einen pragmatischen, wenn auch alkoholbeflügelten, Lösungsansatz. Die Grundstimmung ist also nicht weihnachtlich-besinnlich, sondern eher gesellig-menschlich mit einem Anflug von satirischer Überzeichnung in der Schlusspointe.
Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?
Dieses Gedicht ist ein perfekter Beitrag für gesellige Weihnachtsfeiern im Kreise von Familie oder Freunden, die keine steife Atmosphäre mögen. Es eignet sich hervorragend als humorvoller Einstieg oder als Auflockerung zwischen traditionellen Weihnachtslesungen. Besonders passend ist der Vortrag bei Treffen in gemütlicher Runde, wo das Wetter vielleicht tatsächlich draußen grau und nass ist - das Gedicht schafft sofort eine verbindende, sympathische Ebene. Auch für einen Blog oder einen Newsletter in der Vorweihnachtszeit, der das typische "Weihnachtsgrau" thematisiert, ist es ideal.
Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?
Die Zielgruppe sind eindeutig Erwachsene und Jugendliche ab etwa 16 Jahren. Das Gedicht spricht Menschen an, die bereits einige Weihnachtsfeste erlebt haben und die Diskrepanz zwischen romantischer Verklärung und Alltag kennen. Die Pointe mit dem Likör und dem anschließenden Kopfschmerz ist für Kinder nicht geeignet und würde auch von ihnen nicht verstanden werden. Ideal ist es für ein erwachsenes Publikum, das den trockenen Humor und die leise Resignation zu schätzen weiß.
Für wen eignet sich das Gedicht weniger?
Es ist weniger geeignet für sehr formelle oder streng religiöse Weihnachtsfeiern, da es den heilig-abgehobenen Charakter des Festes bewusst bricht. Auch für reine Kinderveranstaltungen wie das Weihnachtsfest im Kindergarten oder in der Grundschule ist es aufgrund der ironischen Ebene und der alkoholischen Anspielung unpassend. Menschen, die ausschließlich tiefsinnige, besinnliche oder traditionell fromme Weihnachtslyrik suchen, könnten mit dem leicht schnoddrig-sarkastischen Unterton des Gedichts nicht viel anfangen.
Vortrags- und Inszenierungstipps
Der Vortrag sollte die ironische Spannung des Textes widerspiegeln. Beginnen Sie mit einer fast sehnsuchtsvollen, träumerischen Stimme in den ersten Zeilen ("Wie wär es schön..."). Wechseln Sie dann in einen deutlich nüchterneren, vielleicht sogar leicht genervten Ton bei "Doch trüb ist wiedermal der Himmel". Die Zeile "Ein Likör der muss es bringen" kann mit einem hoffnungsvollen oder verschwörerischen Unterton gesprochen werden. Die letzten vier Zeilen verlangen nach trockener, müder Delivery - das "Glitzern in der Stirn" mit einem leichten Stöhnen, das abschließende "nett…" als deutlich untertriebenes, fast schon lustloses Fazit. Eine kleine, theatralische Pause vor der letzten Zeile verstärkt die Pointe. Für eine Inszenierung in der Gruppe könnten die träumerischen Passagen von einer Stimme gesprochen werden, die realistisch-resignierten Teile von einer anderen.
Abschließende Empfehlung
Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie die Weihnachtsfeier etwas auflockern und auf den Boden der Tatsachen zurückholen möchten. Es ist die perfekte literarische Ergänzung für einen geselligen Abend unter Erwachsenen, an dem das Wetter schlecht ist und die Stimmung dennoch gut sein soll. Es funktioniert als humorvolles Ventil für die leise Enttäuschung über nicht erfüllte Weihnachtsklischees und schafft es dennoch, ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen - weil vermutlich viele im Publikum genau diese Situation kennen. Es ist kein Gedicht für den heiligen Abend um 18 Uhr, sondern eher für den späteren Verlauf des Festes, wenn die Gespräche lockerer werden.
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