Weihnachtszeit - Speisezeit

Kategorie: lustige Weihnachtsgedichte

Weihnachtszeit - Speisezeit

Weihnachtsgebäck
Weihnachtsspeck
Weihnachtsgans
Hüftgoldglanz
und mit jedem Löffel vom Dessert
glänzt eine Unze mehr
Was ich jetzt nur schwer ertrage,
dass ist ein Blick auf die Waage
- oh mein Gott, ohne Worte
und am 1. gibt's die Weihnachtstorte
und Hähnchen mit Kroketten,
kein Vorsatz ist jetzt mehr zu retten.
Am Abend hat man dann die Wahl,
nehm ich Forelle oder lieber Aal
und von der Platte mit Wurst und Käse,
wie unterdück ich jetzt bloß mein Gebläse.
Schnell macht sich dieser Duft dann breit,
ich öffne das Fenster und schau ob's schneit.
Doch es ist kein Schnee in Sicht,
am 2. ist die letzte Schicht.
und weiter geht's mit großer Lust,
zu Mittag gibt es Entenbrust.
Später dann Kuchen, Sahne zum Kaffee
und plötzlich fällt der erste Schnee.
Tropft dann letzte Kerzenwachs,
gibt es am Abend Räucherlachs.
Zum Abschluss noch die Festtagsbowle,
langsam heb ich meine Sohle
und zieh genüsslich Resümee-
das Essen war gut und es liegt Schnee.
Autor: Jens Eyssen

Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung

Das Gedicht "Weihnachtszeit - Speisezeit" von Jens Eyssen wirkt wie ein humorvolles, fast schon filmisches Protokoll der kulinarischen Schlemmerei zwischen den Jahren. Es fängt mit pointierten Reimen die überbordende Freude am Festtagsschmaus ein, spielt aber gleichzeitig augenzwinkernd mit den klassischen Folgen: dem schlechten Gewissen und der steigenden Zahl auf der Waage. Die Wirkung ist nicht moralisierend, sondern sympathisch-ironisch. Es schafft es, eine universelle Weihnachtserfahrung - das maßlose, aber genussvolle Essen - in eine leichtfüßige, rhythmische Form zu gießen, die beim Leser ein Lächeln und ein Gefühl des Wiedererkennens hervorruft.

Ausführliche Interpretation des Gedichts

Das Gedicht lässt sich als kulinarische Reise durch die festlichen Tage lesen. Es beginnt mit einer Aufzählung klassischer Weihnachtsdelikatessen - Gebäck, Speck, Gans -, die sofort mit dem neologistischen und selbstironischen Begriff "Hüftgoldglanz" konterkariert wird. Dieser erfundene Ausdruck ist zentral: Er verknüpft den materiellen Wert des Goldes mit der körperlichen Konsequenz des Genusses, jedoch ohne bitteren Beigeschmack, sondern mit einem Schimmer von Humor.

Die Handlung folgt einem typischen Ablauf: Vom Dessert über den Schock auf der Waage ("oh mein Gott, ohne Worte") bis zur sofortigen Kapitulation vor weiteren Verlockungen wie Torte und Hähnchen. Der "Vorsatz" für das neue Jahr wird bereits im Keim erstickt, was die realistische und menschliche Haltung des lyrischen Ichs unterstreicht. Die Auswahl zwischen "Forelle oder lieber Aal" und der Kampf mit dem "Gebläse" zeichnen ein Bild der völligen Sättigung, die dennoch nicht den Appetit auf mehr dämpft.

Interessant ist die Rolle des Schnees als wiederkehrendes Motiv. Zunächst wird er vergeblich am Fenster gesucht - vielleicht als Ausrede für einen Spaziergang, vielleicht als Sehnsucht nach der klassischen, reinen Weihnachtsidylle. Erst wenn das Festmahl seinen Höhepunkt erreicht ("Kuchen, Sahne zum Kaffee"), fällt der erste Schnee. Er wird somit nicht als Vorbote, sondern als krönender, natürlicher Abschluss des Festes inszeniert. Das letzte "Resümee" verbindet beides untrennbar: "das Essen war gut und es liegt Schnee". Die kulinarische und die atmosphärische Erfüllung sind eins geworden.

Welche Stimmung erzeugt das Gedicht?

Das Werk erzeugt eine durchweg heitere, gesellige und selbstironische Stimmung. Es ist frei von Weihnachtskitsch oder tiefgründiger Melancholie. Stattdessen dominiert ein gesunder Sinn für die irdischen Freuden der Festtage. Die Stimmung ist von einer gewissen trägen Zufriedenheit geprägt, wie sie nach einem üppigen Mahl eintritt, gewürzt mit dem amüsierten Eingeständnis der eigenen Schwäche gegenüber Leckereien. Es ist eine Stimmung der Gemeinschaft, denn wer das Gedicht liest, wird sich vermutlich in mindestens einer Zeile selbst wiederfinden und schmunzeln.

Für welche Anlässe eignet sich das Gedicht besonders?

Dieses Gedicht ist ein perfekter Begleiter für gesellige Runden in der Advents- und Weihnachtszeit. Es eignet sich hervorragend als humorvoller Beitrag auf einer Weihnachtsfeier, sei es im Familienkreis, unter Freunden oder im Verein. Sie können es vortragen, wenn die Plätzchendose schon halb leer ist oder zwischen den Gängen eines festlichen Menüs, um für Lacher zu sorgen. Auch auf einer Weihnachtskarte oder als beigelegter Spruch bei einem selbstgebackenen Geschenk entfaltet es seine charmante Wirkung. Es ist ideal für Momente, in denen man die üblichen, besinnlichen Texte einmal durch etwas Leichtes und Bodenständiges auflockern möchte.

Für wen bzw. für welche Altersgruppe eignet sich das Gedicht?

Die Zielgruppe sind primär Erwachsene und Jugendliche ab etwa 14 Jahren, die die beschriebenen Situationen aus eigener Erfahrung kennen und den humorvollen Umgang damit schätzen können. Besonders ansprechend ist es für Menschen, die Weihnachten nicht nur als spirituelles Fest, sondern auch als kulinarisches Highlight zelebrieren und über die eigenen "Sünden" lachen können. Es spricht also Genießer und alle an, die eine entspannte, unverkrampfte Haltung zum Fest und seinen Traditionen haben.

Für wen eignet sich das Gedicht weniger?

Weniger geeignet ist das Gedicht für ein sehr formelles oder streng religiös geprägtes Weihnachtsfest, bei dem der Fokus ausschließlich auf der besinnlichen und andächtigen Komponente liegt. Menschen, die ein sensibles Verhältnis zu Ernährung, Gewicht oder üppigen Mahlzeiten haben, könnten sich von der thematischen Ausrichtung vielleicht unangenehm berührt fühlen. Auch für sehr junge Kinder ist der Inhalt noch nicht vollständig nachvollziehbar, da ihnen die Erfahrung des "Vorsatzes" oder der ironischen Brechung von "Hüftgoldglanz" meist fremd ist.

Vortrags- und Inszenierungstipps

Um den Text lebendig werden zu lassen, sollten Sie auf einen lockeren, plaudernden Vortragsstil setzen. Bauen Sie an den richtigen Stellen kleine Pausen und einen gespielten Blick auf das Publikum ein, etwa nach der Zeile "oh mein Gott, ohne Worte". Die Aufzählungen zu Beginn können etwas schneller und schwungvoller gesprochen werden, um den Eindruck von Fülle zu erzeugen.

Bei der Inszenierung in einer Gruppe können Sie die verschiedenen "Gänge" des Gedichts pantomimisch andeuten oder mit entsprechendem Besteck hantieren. Stellen Sie sich zum Beispiel auf eine (imaginäre) Waage oder tätscheln Sie mit einem schelmischen Lächeln den eigenen Bauch bei "Hüftgoldglanz". Der abschließende Blick aus dem "Fenster" und das zufriedene "Resümee" sollten ruhiger und mit einem Gefühl der Vollendung vorgetragen werden. Ein leichtes Augenzwinkern während des gesamten Vortrags ist der Schlüssel zum Erfolg.

Abschließende Empfehlung

Wählen Sie dieses Gedicht genau dann, wenn Sie die Weihnachtszeit in ihrer ganzen irdischen, genussvollen und manchmal überfordernden Pracht feiern möchten. Es ist die ideale literarische Zugabe für den zweiten Weihnachtsfeiertag, für Silvester oder für jenen Moment zwischen den Jahren, in dem alle guten Vorsätze bereits dem Duft der Entenbrust gewichen sind. Es ist ein Gedicht für Genießer, die nicht nur den Geschmack, sondern auch die komischen Seiten des Festes zu schätzen wissen. Wenn Sie also nach einem Text suchen, der Heiterkeit verbreitet und jeden Gast das Gefühl gibt, mit seinen kleinen Schwächen nicht allein zu sein, dann ist "Weihnachtszeit - Speisezeit" die perfekte Wahl.

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